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Die Frau sticht nicht nur ins Auge: Christine Zimmer startet größte Tattoomodel-Kartei
Ob ein Sternchen hinterm Ohr, ein Drachen auf dem Rücken oder das lebensgroße Porträt der Freundin auf der Brust, längst verbindet der Wunsch nach unvergänglichem Körperschmuck Menschen aus allen Schichten. Die Kunst am Körper ist mehr als ein Trend. Tätowierungen avancierten in den 1990er-Jahren zum Mode-Accessoire und gehören inzwischen für viele Jugendliche genauso dazu wie Ohrlöcher und Haarverlängerungen. Das bestätigt nicht zuletzt die wachsende Zahl der erst kürzlich ins Leben gerufenen Tattoomodel-Community rund um die gebürtige Salzburgerin Christine Zimmer.
Tattoomodels join Web 2.0
Vor eineinhalb Jahren begann Zimmer, die seit zehn Jahren in der
Modebranche tätig ist, ihre Ideen rund um eine Plattform für Tätowierte
zu schmieden. Freund Andreas Kertz und Fotograf Thorsten Urschler haben
sie dabei unterstützt. Seit Mitte Februar ist die Website
tattoomodels.at ein fixer Bestandteil des World Wide Webs. Nicht nur
bunte Mädels und Burschen treffen hier aufeinander, auch Fotografen,
Tattoofreaks, Agenturen, Visagisten und Veranstalter finden ihren Platz.
Die Homepage versteht sich als Schnittstelle unterschiedlicher
Interessen. Sie dient nicht nur zum Finden von Models, sondern fungiert
auch als Portal für Gleichgesinnte. „Es gibt viele Anwender, die die
Community auch als Singlebörse nutzen“, meint die 24-Jährige, deren
Körper selbst etliche Tattoos zieren.
Farbenfrohe Mannequins
Bis zu fünfzig tätowierte Models, sowohl weiblich als auch männlich,
sind derzeit bei den Tattoomodels Austria online abgebildet. Die
Fotomodelle stammen vorwiegend aus Österreich, aber auch Gesichter aus
der Schweiz, Deutschland und Amerika gehören den Tattoomodels an.
Registrieren kann sich jeder, der bereit ist, einen Jahresbeitrag ab
fünfzig Euro zu bezahlen.
Die Aufnahmekriterien in die Modelkartei sind bewusst weit gefasst,
erzählt Christine Zimmer: „Wir nehmen alles: von dem Mädchen, das gerade
18 geworden ist, über den Bauarbeiter mit Bierbauch bis hin zur
80-jährigen Oma.“ Ob 90/60/90 oder nicht ist nebensächlich, vorrangig
ist der Spaß an der Selbstdarstellung und ein Tattoo, gleichgültig
welcher Größenordnung.
Die Provokation steht im Rampenlicht
Ziel des Konzepts ist es, zu provozieren und nicht Bestehendem wie
beispielweise den „Suicide Girls“ nachzuahmen, bestätigt die
Park-Avenue-Agenturchefin. „Es geht um Typen und ein hohes Maß an
Ästhetik. Pornographische Fotos werden keine geschossen, sehr wohl aber
Aktfotos“, erzählt Zimmer. Auf das persönliche Kennenlernen mit den
Models legt die ehrgeizige Unternehmerin besonders großen Wert: „Mir ist
es sehr wichtig, den Charakter der Akteure zu kennen.“
Die seit sechs Jahren in Graz lebende Salzburgerin genießt einen guten
Ruf in der Szene. Mit ihrem großflächigen Körpergemälde liegt sie voll
im Trend. Sie selbst trägt Tattoos am ganzen Körper, bereut hat sie noch
keines. Für die Jungunternehmerin sind die Hautbilder Teil der
Selbstdarstellung und Form der Selbstverwirklichung. „Jedes dieser
Tattoos ist eine Art Meilenstein in meiner Biografie.“ An ihren
Tätowierungen könne man ablesen, was ihr die letzten sieben Jahre im
Leben passiert sei.
Es waren die Seefahrer, die einst von ihren Weltreisen Tattoos auf Arm, Brust oder Rücken mit nach Europa brachten. Lange galten die bunten Bilder als Erkennungszeichen von „Knastbrüdern“ und waren Merkmale des Rotlichtmilieus. Und auch wenn das Tätowieren vorwiegend auf diesen Berufstand mit eher negativem Image beschränkt war, durchdrangen die bunten Hautbilder die Gesellschaft immer tiefer. Sogar unter Adligen wurde es im Zuge der französischen Revolution in den europäischen Herrschaftshäusern recht populär, sich in die Haut stechen zu lassen. Heute sind Tattoos Teil des Alltages und fast nicht mehr wegzudenken.
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Tattoomodels Austria
Artikel von
Daniela Wolf




















