Archiv

TATTOOMODELS.AT Photographer: Wolfgang Riepl ArtDirection: PARK-AVENEW Werbeagentur
Zimmer: „Es geht um Typen und ein hohes Maß an Ästhetik“

Die Frau sticht nicht nur ins Auge: Christine Zimmer startet größte Tattoomodel-Kartei

 

Ob ein Sternchen hinterm Ohr, ein Drachen auf dem Rücken oder das lebensgroße Porträt der Freundin auf der Brust, längst verbindet der Wunsch nach unvergänglichem Körperschmuck Menschen aus allen Schichten. Die Kunst am Körper ist mehr als ein Trend. Tätowierungen avancierten in den 1990er-Jahren zum Mode-Accessoire und gehören inzwischen für viele Jugendliche genauso dazu wie Ohrlöcher und Haarverlängerungen. Das bestätigt nicht zuletzt die wachsende Zahl der erst kürzlich ins Leben gerufenen Tattoomodel-Community rund um die gebürtige Salzburgerin Christine Zimmer.

 

TATTOOMODELS.AT Photographer: Wolfgang Riepl ArtDirection: PARK-AVENEW Werbeagentur

Tattoomodels join Web 2.0
Vor eineinhalb Jahren begann Zimmer, die seit zehn Jahren in der Modebranche tätig ist, ihre Ideen rund um eine Plattform für Tätowierte zu schmieden. Freund Andreas Kertz und Fotograf Thorsten Urschler haben sie dabei unterstützt. Seit Mitte Februar ist die Website tattoomodels.at ein fixer Bestandteil des World Wide Webs. Nicht nur bunte Mädels und Burschen treffen hier aufeinander, auch Fotografen, Tattoofreaks, Agenturen, Visagisten und Veranstalter finden ihren Platz.

Die Homepage versteht sich als Schnittstelle unterschiedlicher Interessen. Sie dient nicht nur zum Finden von Models, sondern fungiert auch als Portal für Gleichgesinnte. „Es gibt viele Anwender, die die Community auch als Singlebörse nutzen“, meint die 24-Jährige, deren Körper selbst etliche Tattoos zieren.

 

TATTOOMODELS.AT Photographer: Wolfgang Riepl ArtDirection: PARK-AVENEW Werbeagentur

Farbenfrohe Mannequins
Bis zu fünfzig tätowierte Models, sowohl weiblich als auch männlich, sind derzeit bei den Tattoomodels Austria online abgebildet. Die Fotomodelle stammen vorwiegend aus Österreich, aber auch Gesichter aus der Schweiz, Deutschland und Amerika gehören den Tattoomodels an. Registrieren kann sich jeder, der bereit ist, einen Jahresbeitrag ab fünfzig Euro zu bezahlen.

Die Aufnahmekriterien in die Modelkartei sind bewusst weit gefasst, erzählt Christine Zimmer: „Wir nehmen alles: von dem Mädchen, das gerade 18 geworden ist, über den Bauarbeiter mit Bierbauch bis hin zur 80-jährigen Oma.“ Ob 90/60/90 oder nicht ist nebensächlich, vorrangig ist der Spaß an der Selbstdarstellung und ein Tattoo, gleichgültig welcher Größenordnung.

 

TATTOOMODELS.AT Photographer: Wolfgang Riepl ArtDirection: PARK-AVENEW Werbeagentur

Die Provokation steht im Rampenlicht
Ziel des Konzepts ist es, zu provozieren und nicht Bestehendem wie beispielweise den „Suicide Girls“ nachzuahmen, bestätigt die Park-Avenue-Agenturchefin. „Es geht um Typen und ein hohes Maß an Ästhetik. Pornographische Fotos werden keine geschossen, sehr wohl aber Aktfotos“, erzählt Zimmer. Auf das persönliche Kennenlernen mit den Models legt die ehrgeizige Unternehmerin besonders großen Wert: „Mir ist es sehr wichtig, den Charakter der Akteure zu kennen.“

Die seit sechs Jahren in Graz lebende Salzburgerin genießt einen guten Ruf in der Szene. Mit ihrem großflächigen Körpergemälde liegt sie voll im Trend. Sie selbst trägt Tattoos am ganzen Körper, bereut hat sie noch keines. Für die Jungunternehmerin sind die Hautbilder Teil der Selbstdarstellung und Form der Selbstverwirklichung. „Jedes dieser Tattoos ist eine Art Meilenstein in meiner Biografie.“ An ihren Tätowierungen könne man ablesen, was ihr die letzten sieben Jahre im Leben passiert sei.

 

TATTOOMODELS.AT Photographer: Wolfgang Riepl ArtDirection: PARK-AVENEW Werbeagentur
Seemänner und „Knastbrüder“
Es waren die Seefahrer, die einst von ihren Weltreisen Tattoos auf Arm, Brust oder Rücken mit nach Europa brachten. Lange galten die bunten Bilder als Erkennungszeichen von „Knastbrüdern“ und waren Merkmale des Rotlichtmilieus. Und auch wenn das Tätowieren vorwiegend auf diesen Berufstand mit eher negativem Image beschränkt war, durchdrangen die bunten Hautbilder die Gesellschaft immer tiefer. Sogar unter Adligen wurde es im Zuge der französischen Revolution in den europäischen Herrschaftshäusern recht populär, sich in die Haut stechen zu lassen. Heute sind Tattoos Teil des Alltages und fast nicht mehr wegzudenken.

Mehr dazu ...
Asoziale Tätowierte?

Von Ketzern und Geschlechtsreife
Wildstyle- und Tattoomesse

Link dazu ...
Tattoomodels Austria

Artikel von

Daniela Wolf

Fotos: TATTOOMODELS.AT (5): Photographer Wolfgang Riepl, ArtDirection PARK-AVENEW Werbeagentur

Erzähle von uns:


 

Kommentare (0)






Erlaubte Tags: <b><i><br>Kommentar hinzufügen: