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„Meeresstille“ zeigt die Grenzen der Liebe im Krieg auf

„Meeresstille“ von Nicol Ljubi?

 

Ana und Robert sind ein Paar. Es ist ihnen beiden egal, dass der in Deutschland geborene Robert kroatischer Abstammung ist und Ana aus Serbien kommt. Er interessiert sich nicht für seine Wurzeln und die Herkunft seines Vaters. Denn in seiner Familie wird nicht über den Balkankrieg gesprochen, es werden keine kroatischen Nachrichten verfolgt und keine kroatischen Zeitungen gelesen. Der Vater will, dass Robert wie ein angepasster Deutscher lebt und es eines Tages leichter im Leben hat. Erst durch Ana fängt der junge Student an, sich für die Ereignisse am Balkan zu interessieren und sich mit der Vergangenheit der dort lebenden Völker zu beschäftigen.

 

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Shakespeare und der Balkankrieg
Im Gegensatz zu Robert fällt es Ana schwer, ihre Herkunft zu ignorieren. Die junge Frau kann nicht vergessen woher sie kommt und was sich damals ereignete. Sie kann ViÅ¡egrad, die kleine Stadt in Bosnien-Herzegowina, die vor dem Krieg für ihre Brücke über die Drina und nach dem Krieg für ihre Verbrechen an der muslimischen Bevölkerung bekannt wurde, nicht vergessen. Die Flucht nach Belgrad und ihr Studium der Germanistik in Berlin ändern nichts an ihrem Geheimnis, welches sie niemanden anvertrauen kann, nicht einmal Robert. Dieser muss erkennen, dass der Krieg, der in der Zeit vor Ana so fern schien, nun sein Leben zu verändern beginnt und seine Liebe zu Ana zu bedrohen scheint. Grund dafür ist vor allem Anas Vater, der Professor für Anglistik und Shakespeare-Liebhaber. Ein Mann, der auf dem Foto über ihrem Schreibtisch voller Güte blickt, den die Liebe zu seiner Tochter aber auch zu einem Titus Andronicus, dem grausamen Vergelter aus Shakespeares Feder, werden lässt.

 

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Liebe und Kriegsschuld
Um Anas Geschichte besser zu verstehen und um diesen Mann, der nicht nur ein liebevoller Vater sondern gleichzeitig Kriegsverbrecher ist, zu sehen, fährt Robert nach Den Haag. Vor dem Kriegsverbrechertribunal soll entschieden werden, ob Zlatko Å imić an dem Mord von 42
Muslimen, die qualvoll in einem Haus verbrannten, schuldig ist oder nicht. Während der Gerichtsverhandlung erfährt Robert nicht nur Dinge aus Anas Leben, die sie ihm verschwiegen hat, sondern muss sich auch mit seinen Gefühlen diesem Mann gegenüber auseinandersetzen. „Dass Å imić und er etwas gemein haben, dieser Gedanke überfordert ihn. Er weiß nicht, wohin mit ihm, er wünschte sich, er könnte ihn verdrängen. Sie beide lieben Ana“.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Die Gerechtigkeit des Krieges
Mit seinem Roman „Meeresstille“ gelingt es Nicol Ljubić das Thema Krieg, Schuld, Vergeltung und Liebe zu verarbeiten ohne anzuklagen oder zu entschuldigen. Der in Kroatien geborene und in Deutschland lebende Journalist und Autor präsentiert dem Leser ein Buch über den Krieg und seine Verbrechen auf eine Art die hinterfragt, ob sich zwischen Tätern und Opfern immer eine klare Grenze ziehen lässt. Ähnlich wie der Hauptfigur geht es auch dem Leser am Ende des Romans: beide bleiben zurück mit der Frage wie sich Kriegsverbrechen und Shakespeare-Leidenschaften, Rassenmord und Vaterliebe miteinander vereinbaren lassen. Begleitet wird die Frage von dem Gefühl, dass es letztlich für manche Taten keine gerechte Strafe geben kann.

 

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