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Malcolm McLaren: Künstler, Manager der Sex Pistols, Modemacher und vieles mehr
Am 8. April 2010 erlag Malcolm McLaren, Impressario, Tausendsassa und treibende Kraft hinter dem Mythos Punk, 64-jährig seinem Krebsleiden. Der Sonderplatz in der Popgeschichte ist ihm sicher, nicht nur als durchtriebener Stratege, der 1977 mit großem Paukenschlag seine Sex Pistols auf Großbritannien und den Rest der Welt losließ.
Ein Leben als Provocateur
Malcolm McLarens Lebensprinzip der Umkehrung von Wertigkeiten und
hemmungsloser Aneignung und Ausschöpfung von Ideengut machte ihn zur
umstrittensten Figur der britischen Popkultur. Er feierte sich als
feinsinniger Provocateur und erhob seine Funktion als Impressario zur
Kunstform der Inszenierung und effizienten Verwertung von authentischem
Lebensgefühl. Von klein auf, so man seinen Erzählungen glauben schenken
möchte, sei er zur Auflehnung und Unterwanderung von Autorität
angestiftet worden: Brav sein sei einfach langweilig, meinte damals die
Omi. Also schmiss er die Schule und klapperte die Kunsthochschulen
Londons ab, wo er nötigstes Theoriewissen aufschnappte.
Fortan untermauerte er seine Unternehmungen mit Gedankengut der Situationisten, einer linksradikalen Vereinigung von Künstlern und Intellektuellen, die unter anderem die Abschaffung von Lohnarbeit und Hierarchien forderten und dem entgegen ein Konzept von einem Leben als Kunstform setzten. Seine Schwäche für künstlerisches Potential war bereits in jungen Jahr stark ausgeprägt, denn zog es ihn in amouröser Absicht zu keiner geringeren als Vivienne Westwood, der Frau, die später als Englands einflussreichste Modemacherin berühmt wurde. Als kongeniale Eheleute kleideten sie ab 1971 in ihrer Boutique „Let it Rock“ auf der King's Road all jene gesellschaftlichen Outsider ein, die das aufkeimende Lebensgefühl von Anarchie und Subversion verkörpern sollten. Bis zur Explosion der Punkbewegung unter Malcolm McLarens Regie im Jahr 1977 wurde der Shop unter ständig wechselndem Namen und Verkehrung der Stile zur Brutstätte eines Brachial-Looks, der bis heute als identitätsstiftendes Requisit im Sumpf der Jugendkultur verfügbar ist.
Als die Punk-Kuh gemolken war und das Erscheinungsbild langsam in den Mainstream überging, widmete sich McLaren den nächsten Bands und kreierte die dazugehörigen Looks. Anfang der 1980er witterte er das Potential von Hip Hop und veröffentlichte unter eigenem Namen seinen nächsten Clou: Scratchmusik und Black Culture amerikanischer Großstädte fand mit McLarens „Duck Rock“ Einzug in europäische Charts. In folgenden Jahren übte er sich in eklektischer Feinsinnigkeit als Connaisseur, der herausgreift, verkehrt und neu zusammendenkt. Genreübergreifend surft er durch die Welt der Oper, elektronische Musik und Walzer und experimentiert mit Gegensätzen – mehr und weniger erfolgreich.
Ein letztes Mal schlägt sein Trendradar 1989 punktgenau aus, als er dem „Voguing", einem posenähnlichen Tanzstil afro- und lateinamerikanischer Drag Queens der Clubszene der ausgehenden 1980er, in Form eines Musikvideos ein Denkmal setzt: McLaren verstand es diese Form von Chic aufzugreifen, für sich spielen zu lassen, doch diesmal gelang es jemandem besser. Madonna und David Fincher folgten Monate später mit ihrem Video zu „Vogue“, welches dann in die Annalen der Popchronik einging. Ab diesem Zeitpunkt beschäftigt er sich nur noch nebenbei mit der Ausschau nach kulturellem Frischfleisch, versucht sich als Filmproduzent, Kindermodedesigner und ganz besonders erfolgreich: mit der Vermarktung seines eigenen Mythos.




















