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Das Tattoo hat eine jahrtausendalte Geschichte und erfüllte skurrile Funktionen
Tattoos existieren bereits seit Jahrtausenden, woher aber genau die Tradition des Tätowierens kommt, ist bis heute unklar. Vermutet wird, dass der südwestasiatische Raum als Vorreiter des Kultes fungierte, danach verbreitete er sich in Ägypten, Polynesien und Australien, sowie Nord- und Südamerika. Experten vermuten aber, dass jedes Volk für sich das Tätowieren entwickelte.
Stich mich gesund!
Tattoos dürften ihren Ursprung in der frühzeitlichen Körperbemalung
haben, bei der sie etwa als Schmuck, Schutz vor Dämonen und äußeren
Einflüssen, Tarnung und Kriegsbemalung fungierten. Auch die Auffassung,
dass Tätowierungen medizinische Funktionen haben, war weit verbreitet,
so setzte man sie in Teilen Afrikas gegen Rheuma oder Kopfschmerzen
ein. Als Hilfe zur Bestimmung des Geschlechts eines ungeborenen Kindes
wurden in Afrika auch Schwangere tätowiert, nicht zuletzt aber, um das
Kind vor Dämonen zu schützen. Die Inuit wiederum kennzeichneten mittels
bunter Fäden, die sie sich unter die Haut nähten, die Zugehörigkeit
einer Frau zu einem Mann. In Indien zeigten die Menschen durch
Tätowierungen ihre Trauer, in Japan nutzte man Tattoos für religiöse
und zeremonielle Rituale und griechische Spione verwendeten Tattoos als
Kommunikationsmittel.
Wenn Tätowierungen reden könnten …
Für den Ursprung von Tätowierungen in Polynesien spricht, dass das Wort
„tatau“ dort die Bedeutung von „Zeichen“ oder „zeichnen“ hat. Das
englische Militär hingegen benutzte seit dem 17. Jahrhunder das Wort
„tattow“, was soviel wie „Zapfenstreich“ heißt, insofern liegt die
Vermutung nahe, dass aus „tattow“ das Wort „tattoo“ entstand.
In Polynesien galt vor allem die Kennzeichnung von geschlechtsreifen
und damit heiratsfähigen Mädchen als verbreitet. Polynesische Jungen
wurden wiederum tätowiert, um sie als würdige Männer oder Krieger ihres
Stammes zu kennzeichnen. Tätowieren war hierbei kein einmaliges
Erlebnis, es wurde ein Leben lang betrieben. Die Bedeutung von diesen
Lebensgeschichten auf der Haut war für die Maori beispielsweise so
groß, dass sie die Köpfe von verstorbenen Stammesoberhäuptern
abtrennten und aufbewahrten, da sich auf ihnen die Geschichte von
mehreren hundert Generationen befand.
Ein-Finger-Krieger
Zur Geburtsstunde des Tätowierens konnten noch Motive ihren
Tattookünstlern zugeordnet werden, da jeder Stamm seinen eigenen
Tattoo-Meister hatte, der ein Spezialsymbol hatte. In manchen Kulturen
waren Tattoos sogar ein Zeichen von Verdiensten: Je mehr Tattoos jemand
besaß, desto mehr hatte er bereits in seinem Leben geleistet. Auf
Borneo tätowierte man Kriegern die ganze Handfläche, wenn sie einen
anderen Krieger alleine getötet hatten. War hingegen nur ein Finger
tätowiert, so wurde der Krieger von seinem Stamm bei der Bekämpfung der
Feinde unterstützt. Tattoos unterstützten also die soziale Ordnung,
auch aus praktischen Gründen. So trugen Stammesmitglieder Symbole auf
ihrer Haut, die ebenfalls in ihre Besitztümer geritzt waren.
Auch die berühmte Eismumie „Ötzi“ ist übersät mit Tätowierungen, die
Forscher in fünfzehn Tätowierungs-Gruppen mit insgesamt 47
Einzel-Tätowierungen gliederten. Bei den Motiven handelt es sich um
parallele Linien auf seiner unteren Wirbelsäule, Streifen um seinen
rechten Fußknöchel und eine Tätowierung in Form eines Kreuzes hinter
seinem rechten Knie. Nach längeren Studien kamen die Forscher zur
Erkenntnis, dass Ötzis Tätowierungen wohl therapeutischen Maßnahmen
dienten, da klassische Akupunkturpunkte tätowiert wurden.
Tätowiert? Ketzer!
Die Verbreitung von Tattoos erfolgte in erster Linie aus religiösen,
gesellschaftlichen aber auch aus politischen Gründen, allerdings
entwickelten sich auch schnell Gegner der Körperverzierung. So verbot
beispielsweise in Polynesien die christliche Mission kulturelle
Tätowierungen, die als heidnische Symbole verteufelt wurden. Sogar im
alten Testament der Bibel werden Gläubige dazu angehalten, sich nicht
tätowieren zu lassen. Im frühen Christentum stigmatisierte man gar vom
Glauben „Abtrünnige“ oder „Ketzer“ mit Tätowierungen. Erst als sich das
Christentum ausbreitete, änderte sich auch die Bedeutung vom
Exklusionssymbol in ein Dazugehörigkeitsmerkmal: Kreuzritter stachen
sich Tätowierungen, um nach ihrem Fall in der Schlacht ein christliches
Begräbnis zu erhalten. Babys und Mütter wurden gebrandmarkt, um
Verwechslungen zu vermeiden. Mit Kreuzen, Fischen oder Lämmern auf der
Stirn oder am Handgelenk bekannten sich die Frühchristen zu ihrem
Glauben, insbesondere in Gegenden, in denen sie in der Minderheit
waren. In Bosnien wurden noch bis 1890 katholische Mädchen tätowiert,
um deren Übertritt zum Islam zu verhindern, koptische Christen in
Ägypten tragen bis heute ein Kreuz auf der Innenseite ihres rechten
Handgelenkes, um sich vom Islam zu distanzieren.
Freakshow
Um 1774 begann man, das Interesse der Gesellschaft an tätowierten
Menschen kommerziell zu nutzen, etwa wurden auf Jahrmärkten
Ganzkörpertätowierte vorgeführt. Verbreitet wurden Tattoos unter
anderem aber auch durch Seefahrer, die durch Entdeckungsreisen die
Kunst der Tätowierung nach Europa und Amerika brachten. Aufgrund der
hohen Nachfrage entstanden vor allem rund um Häfen mehrere Tattooshops,
in denen mit Hammer und Stiften Farbe unter die Haut gestochen wurde.
Aus politischer Sicht galten Tätowierungen als Symbol der Überzeugung,
sie sollten politisch-religiöse Bekenntnisse darstellen, die zur
Identifikation beitrugen. Zwischen 1870 und 1880 gewannen Tattoos in
Deutschland an Bedeutung, entwickelten sich aber schnell zu Symbolen
bestimmter Milieus. So trugen oftmals Kriminelle und Prostituierte
Tattoos, was zu einem schlechten Ruf der Tätowierungen führte. Seriöse
Träger von Tattoos wurden die Engländer. Hier ließen sich sogar Prinzen
und Könige tätowieren, um in der Welt die Symbole von Liebe, Hass,
Erinnerungen oder den Ausdruck eines Wunsches zu verbreiten.
Und heute?
Spätestens ab 1990 erfreuen sich Tattoos in der europäischen Kultur
immer höherer Beliebtheit und etablieren sich als Jugendkult. Auch wenn
Tattoos noch heute oft als Symbole der Provokation oder Straffälligkeit
assoziiert werden. Bis 1996 war das Tätowieren im Kanton Bern in der
Schweiz gar noch offiziell verboten, da es als Körperverstümmelung
galt. Mittlerweile findet man Tattoos in allen Gesellschaftsschichten,
zahlreiche tätowierte Prominente zeigen ihre Kunstwerke öffentlich und
tragen so wohl auch zur Akzeptanz bei.
Asoziale Tätowierte?
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Wildstyle- und Tattoo-Messe
Artikel von
Fotos: wikipedia.org (5)/Franki2001 (creative commons), Parkinson Sydney, suicide neftis, Sean Wilson, Chris/Seven-Star-Tattoo




















