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Im Frühling blüht die Natur auf und die Tiere paaren sich. Und wir?

Frühlingsgefühle – gibt es sie wirklich oder sind sie nur ein romantisches Märchen?

 

Die Sonne strahlt, die Vögel zwitschern, die Käfer krabbeln, die Blumen sprießen – der Frühling ist da und die Natur blüht auf. Und der Mensch? Dem wird nachgesagt, im Frühling nicht mehr ganz so oft den Kopf einzuschalten, umso öfter sich den Geschlechts- und Herzestrieb hinzugeben. Eine gesteigerte Hormonproduktion soll der Grund für die sexuelle Lust im sonnigen Frühling sein, meinen einige Hormon-Wissenschaftler. Andere erklären das für Unsinn. In einer Zeit des künstlichen Lichts und der Anti-Baby-Pille könne die Natur ja gar nicht mehr auf den menschlichen Fortpflanzungsrhythmus einwirken. Über Frühlingsgefühle streitet sich die Wissenschaft.

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Fröhlicher Herr Bär, glückliche Frau Katze
Wenn die Tiere nach der kalten Jahreszeit aus ihren Höhlen und Verstecken kommen, kitzeln die ersten warmen Sonnenstrahlen die Hormone Dopamin und Serotonin wach, also jene Hormone, die Euphorie und Glücksgefühle auslösen. Dopamin und Serotonin lassen den Fortpflanzungstrieb zum richtigen Zeitpunkt erwachen: Pflanzen sich nämlich die Tiere im Frühling fort, wird der Nachwuchs dann geboren, wenn das Nahrungsangebot groß und damit die Überlebenschancen hoch sind. Zumindest früher habe es beim Menschen auch noch einen geschlechtlichen Jahreszyklus gegeben, meinen Evolutionsbiologen.

 

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Sklaven der Hormone
Doch gibt es auch heute noch Frühlingsgefühle oder fielen sie der modernen Zivilisierung zum Opfer? Soviel ist klar: Vom Umschwung von der kalten auf die warme Jahreszeit steigt die Lichtintensität der Sonne. Die warmen Sonnenstrahlen, meinen Hormonwissenschaftler, würden nicht nur bei Tieren die Glückshormone Serotonin und Dopamin ausschütten lassen, sondern auch beim Menschen. Durch die erhöhte Hormonausschüttung steige unsere Laune und der Wunsch nach einem Partner werde größer. Die warme Frühlingssonne soll auch Einwirkung auf eine gesteigerte Ausschüttung von Sexualhormonen haben. Und noch ein Hormon soll für die Frühlingsgefühle verantwortlich sein: Melatonin produziert der Körper nur bei Dunkelheit. Melatonin informiert unseren Körper über die Zeitabläufe der äußeren Umwelt, es hemmt aber auch die sexuelle Lust. Wenn also die Tage länger und die Lichtintensität der Sonne im Frühling stärker wird, wird weniger Melatonin vom Körper produziert und das sexuelle Begehren wird angeregt. Außerdem sollen auch die männlichen Spermien saisonalen Schwankungen unterworfen sein. Im März, so fanden spanische Forscher in einer Studie mit 10.000 Spermaproben heraus, sind die Spermien am zeugungsfähigsten und beweglichsten. Im September hingegen nimmt ihre Qualität ab. Ein abzuleitender Tipp: Wer einen Kindeswunsch hegt, sollte den Frühling intensiv nutzen.

 

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Das Frühlingsmärchen
Ob es so etwas wie Frühlingsgefühle beim Menschen gibt, wird seit den 1950ern wissenschaftlich nachgegangen. Mark Altschule und Julian Kay von der Harvard-Universität erforschten damals die Funktionen der Zirbeldrüse, einem kleinen Organ zwischen den Hirnhälften. Sie kamen zum Ergebnis, dass die Zirbeldrüse für die Hautpigmentierung, für die Steuerung der Hirntätigkeit, aber auch für die Genitalfunktion von Männer und Frauen verantwortlich ist. Später entdeckte der Dermatologe Aaron Lerner Melatonin als wichtiges Hormon der Zirbeldrüse, das nur bei Dunkelheit produziert wird und das wiederum die sexuelle Lust in lichtintensiven Zeiten fördern kann. Die Frühlingsgefühle wurden wissenschaftlich entdeckt.

Heute sind sich die Experten in der Hormonwissenschaft Endokrinologie nicht einig darüber, ob es tatsächlich noch Frühlingsgefühle beim Menschen gibt. Martin Reincke, Mediziner und Endokrinologe, meint etwa, dass es sie gar nicht mehr geben könne, da die Lebensweise des Menschen heute unabhängig vom natürlichen Jahreszyklus sei, denn richtige Kälte und Dunkelheit gebe es heute nicht mehr. Durch künstliches Licht hätten wir ohnehin eine ständige Beleuchtung und Wärme gebe es durch beheizte Räume auch ganzjährig. Und die Anti-Baby-Pille steuere sowieso den weiblichen Hormonhaushalt, der Jahreszeitenwechsel könne da kaum das Triebverhalten anregen. Anders sei das natürlich bei Naturvölkern, die noch mit und nach dem Jahreszyklus leben. Günter Stalla vom Münchner Max-Plack-Institut und Leiter der endokrinologischen Ambulanz sieht das hingegen anders: Natürlich würden im Frühling mehr Glücks- und Sexualhormone ausgeschüttet, da das Sonnenlicht nun mal Einwirkung auf den Hormonspiegel hat. Kunstlicht könne uns dagegen nicht einfach resistent machen.

 

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Geht hin und genießt
Vielleicht liegt die Wahrheit auch in der Mitte. Der Frühling regt unsere Sinne an. Die Blumen duften, die Farben unserer Umgebung verändern sich, die warmen Sonnenstrahlen streicheln unsere Haut – das hebt die Laune ungemein. Auch das Schlafbedürfnis sinkt mit den längeren, sonnigen Tagen, wir werden im Frühling wieder aktiver. Und überhaupt: Wenn uns suggeriert wird, die Flirtsaison beginne im Frühling, kann man schon von einer sich-selbst-erfüllenden Prophezeiung der Frühlingsgefühle sprechen. Ob körperlich oder doch nur subjektiv gesteuert: Hauptsache, die Lust im Lenz wird genossen.
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Frühlingsgefühle auf den Teller

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