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Der Sieger des heurigen „Crossing Europe“-Festivals: „Crnci“

„Crnci“ („The Blacks“)
Kroatien, 2009

 

Der Wettbewerbsbeitrag „Crnci“ von Zvonimir Juric und Goran Devic erhebt den Anspruch ein rein fiktiver Film zu sein, faktisch allerhöchstens angelehnt an wahre Kriegs-Begebenheiten. Zugleich legt der Film den Grundstein für eine filmische Aufarbeitung und gewissenhafte Herangehensweise der post-jugoslawischen und kroatischen Kriegsgeschichte. Ein Festival-Höhepunkt, der wohlverdient und zu Recht mit dem diesjährigen Crossing Europe Award ausgezeichnet wurde.

So finster das Morgengrauen
Die beiden Regisseure bedienen sich eines stilistisch ausgefeilten und nicht-linearen All-About-Eve-Endings. In einer Rückblende sieht das Publikum fünf ganz in Schwarz gekleidete Soldaten, genannt die „Crnci“, einer inoffiziellen Sondereinheit der kroatischen Armee. Was das Publikum noch nicht weiß: Es ist der Tag des Waffenstillstands zwischen den kroatischen und den jugoslawischen Streitkräften. Was das Publikum sieht: Fünf Männer irren scheinbar ziel- und orientierungslos durch Tal, Sumpf und Wald. Ihr verwirrter und leichtsinniger Kommandant Ivo hat vom Krieg noch nicht genug, er wirkt aufgescheucht. Das Gefühl stellt sich ein, dass es hier um irgendetwas Persönliches geht, eine Art Vergeltung.

In den ersten zwanzig Minuten passiert rein gar nichts, bis zum heftigen Eklat der Situation am Minenfeld. Der junge Minenentschärfer Vedran stellt sich nicht als solcher heraus, er hatte die Wahl zwischen Gefängnis oder Armee und er wählte seine tödliche Definition von Freiheit. Der Kommandant liebäugelt mit dem Wahnsinn, der bis dahin allgegenwärtige Krieg ist Geschichte, ein danach gibt es für ihn offensichtlich nicht. Dieses „gar nichts“ hält das Regie-Duo in minimalistisch anmutenden Bilden fest: die unterbelichtete und wackelige Handkamera folgt den Soldaten langsam auf Schritt und Tritt. Hell erscheinen nur die Hände, das Gesicht und das Schachbrett-Emblem an der Uniform.

Kriegsopfer und Täter
Ab dem zweiten Drittel des Films schließt sich dann der Kreis. Es wird gezeigt, was sie zu diesen Taten am Mienenfeld bewogen hat und zu Tätern und Kriegsopfern zugleich gemacht hat. Und auch, was verhindert hätte werden können. Dieses eigentliche „davor“ zeigen die beiden kroatischen Regisseure in ruhigen Sequenzen. Sie lassen sich Zeit, um auf die Einzelschicksale der fünf Männer einzugehen. Zudem streift der Film ein dunkles Kapitel kroatischer Kriegsgeschichte. Dabei handelt sich um eine Anlehnung an Branimir Glavas, dem Verteidigungschef der kroatischen Stadt Osijek und die mit ihm in Zusammenhang stehenden Garagenmorde, auf die sich die Regisseure beziehen.

Mehr noch als ein politisierender Kriegsfilm ist „Crnci“ großes Schauspielerkino. Die oft in Nahaufnahme gezeigte Mimik dieser jungen Soldaten, dieses aufs Wesentliche reduzierte Schauspiel ohne viel Dialog und Text ist es, das die Geschichte in Gang bringt und vorantreibt. Hin- und her gerissen sind sie, von persönlichen Zwiespälten, Problemen und Verzweiflungen, die sich erbarmungslos, offen und verwundbar auf ihren Gesichtern ablesen lassen. Goran Devic hat seiner jungen Schauspieler-Riege die Rollen auf den Leib geschrieben und wird mit herausragenden darstellerischen Leistungen belohnt.

Dieser eindeutige Anti-Kriegsfilm rüttelt an den universellen menschlichen Affekten bei den Protagonisten und zeigt, dass sich der freie Wille allzu oft dem System unterwerfen muss, auch in Kriegs-Ausnahmesituationen, oder gerade eben in diesen. Wenn allerdings das Menschliche im Leidgeplagten Individuum die Oberhand gewinnt, das Handeln dem Denken vorauseilt, dann offenbaren sich die ureigensten menschlichen Züge am deutlichsten.

 

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