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Art Director Mario Debout über sein Facebook-Profil und die Relevanz von Twitter
mokant.at: Wird klassische Werbung irgendwann vom Digitalen Marketing verdrängt?
Mario Debout: Klassische Werbung wird es immer geben. Solange es
einen Fernseher gibt, wird es klassische Werbung geben. Solange die
Leute noch gerne etwas in die Hand nehmen und Zeitung lesen, solange
wird es Printanzeigen geben. Solange die Leute gerne Musik hören, weil
sie sich nicht selbst den Mp3-Player bespielen wollen, wird es immer
Radiowerbung geben. Wir warnen da auch davor, zu sagen „Werbung stirbt“,
„Werbung steht wieder auf im Internet“ – man muss das alles
differenziert betrachten.
mokant.at: Was fasziniert Sie am Digitalen Marketing?
Mario Debout: Das hat früh angefangen. Mit vierzehn Jahren habe
ich die ersten spektakulären Flash-Seiten gesehen und habe angefangen,
Websiten zu basteln. Mich hat das kreative Arbeiten interessiert, man
hat halt als Junger viel größere Chancen im Digitalen Bereich schnell
aufzusteigen oder Erfolg zu haben als im klassischen Bereich, weil da
das Know-How bei den Älteren einfach noch nicht so gegeben ist. Ich gebe
es offen zu, als klassischer Grafiker würde ich jetzt nicht dort
sitzen, wo ich jetzt bin.
mokant.at: Sie sind noch sehr jung – gibt es Ängste oder Risiken bei der Gründung eines Unternehmens, wenn man noch so jung ist?
Mario Debout: Ängste – im Endeffekt kann ja nichts passieren, man
muss das dann auch immer ein bisschen distanzierter sehen, sonst
überlebt man nicht in der Branche. Ich habe ja auch mit Florian Matthies
und Filip Zganjer meine Partner, ich habe ja nicht gesagt, ich nehme
riesige finanzielle Schulden auf mich und mach irgendetwas ins Blaue
hinein, sondern ich habe zwei Personen, die mehr Erfahrung haben als ich
und die das auch schon einmal erfolgreich gemacht haben. Da ist das
Risiko, muss man auch ehrlich zugeben, gering. Es ist eher eine Chance,
und toll, dass die einen als kreativen Jungspund dazunehmen.
mokant.at: Wird man da überhaupt ernst genommen?
Mario Debout: Ich bin bis jetzt ganz gut gefahren, muss ich
sagen. Ich hatte nie das Problem, dass mich niemand ernst genommen hat.
Sicher gab es ein paar Kommentare, etwa bei einem Artikel auf dem
Online-Standard, wo es geheißen hat „das Bubi frisch aus der Schule“.
Aber weder beim Kunden noch bei Kollegen hatte ich jemals das Problem,
dass ich als zu jung eingeschätzt wurde. Im Internet ist das ja auch vom
Vorteil: Ich bin damit groß geworden und bin damit vertraut, anders als
bei jemandem, der klassische Werbung macht und sagt, ich mach jetzt
auch Online.
mokant.at: Wie stehen Sie zu Datenschutz im Internet? Passen Sie auf, was Sie wo preisgeben?
Mario Debout: Klar, muss man auch. Man darf das auch nie
unterschätzen, im Endeffekt ist es Selbstdarstellung, und man darf da
nichts vermischen. Ich habe mich auch lange gegen Facebook gewehrt, habe
es aus beruflichen Gründen jetzt, weil es wahnsinnige Vorteile bringt,
vom Netzwerken her. Aber mehr ist es dann auch nicht, man darf es nicht
überschätzen.
mokant.at: Ihr Facebook-Profil ist ein Arbeitsprofil?
Mario Debout: Es ist ein Arbeitsprofil, genau wie der
Twitteraccount ein Arbeitsaccount ist. Man darf es nicht überschätzen,
dreiviertel der Freunde, die man auf Facebook hat, würde ich eher als
Bekannte bezeichnen. Es ist ein Netzwerk, das gepflegt werden muss.
Deshalb sollte man auch vorsichtig sein, was man da reinstellt. Es ist
wieder eine Frage der Relevanz, interessiert es die Leute wirklich, was
ich da reinstelle, hat das halbwegs einen Mehrwert oder ist das nur ein
dramatischer Blödsinn? Man kann da ganz schnell ein falsches Bild von
sich vermitteln.
mokant.at: Was glauben Sie, interessiert die Leute daran?
Mario Debout: Ich würde sagen zwanzig Prozent Kontaktpflege,
vierzig Prozent Voyeurismus und vierzig Prozent Egoismus. Für den, der
es reinstellt, ist es das eigene Ego, und für den, der es anschaut, ist
es purer Voyeurismus. Das ist das älteste Prinzip der Menschheit. Ich
will das nicht schmälern und es funktioniert auch super, wenn man es
richtig einsetzt. Ich muss zugeben auch ich check morgens als erstes,
was auf Facebook passiert.
Bei Twitter ist es was anderes: Wenn du schreibst, dass du im Flieger
sitzt, fünftausend Euro nach Cannes, dann verschwindest du auch ganz
schnell wieder. Das interessiert die Leute nicht. Es sollten 75 Prozent
relevante Informationen und 25 Prozent persönliche Informationen sein,
weil die Leute dann das Gefühl haben, es ist etwas Persönliches dabei.
Aber wenn du schreibst, was du frühstückst, hast du keine Relevanz auf
Twitter und bist auch wieder weg. Deshalb bin ich nie auf Twitter, denn
was soll ich den Leuten denn erzählen? Wenn du jetzt aber der
Agenturchef einer großen, internationalen Agenturkette bist – klar hat
das Relevanz. Ich folge den Leuten auch selbst und kriege meine
Informationen über Twitter, Facebook und die gängigen Medien, aber du
hast alle Informationen gebündelt in einem Kanal und kannst die
rauspicken, die du haben möchtest. Da musst du halt relevant sein, damit
du unter denen bist, die herausgepickt werden.
„Milch muss nicht twittern“
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