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Eine Unzahl an Filmen zeigt auch heuer das „Crossing Europe“, trotz geringerem Budget
Nächste Woche wird gefeiert, getanzt und vor allem viel gesessen und geschaut, denn von 20.- 25. April 2010 findet in Linz das „Crossing Europe“-Filmfestival statt. Heuer zum siebten Mal zeigt die geheime Hauptstadt des Europäischen Kinos sechs Tage lang ein dichtes Programm an Filmen, Diskussionen und musikalischen Ergüssen und während hierzulande der Frühling hereinschneit, können sich Kinofreunde und Filmliebhaber auf kuschelige Stunden im Dunkeln freuen. Insgesamt sollen 117 Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilme aus 25 verschiedenen Ländern, die meisten davon Österreichpremieren und Uraufführungen, das Publikum in die Kinos locken.
Arbeitswelten und Krisenherde
Obwohl das Festival heuer mit einem reduzierten Budget auskommen muss,
da es die letzten Jahre durch das Kulturhaupstadt-Jahr Linz09 gefördert
wurde, betont Festivalintendantin Christine Dollhofer, dass kaum
spürbar gespart wurde und präsentiert ein dichtes Programm. Neben dem
Wettbewerb „Europäisches Kino“, der Debüt,- und Zweitfilme junger
Regisseure zeigt, gibt es eine eigene Programmschiene zu
„Arbeitswelten“, die ein eher düsteres Bild wirtschaftlicher
Zusammenhänge zeichnet. Während der österreichische Film „Jobcenter“
von Angela Summereder die Mühen und Möglichkeiten der bürokratisierten
Arbeitsfindung lakonisch zusammenfasst, offenbart „Milltown, Montana“
des deutschen Regisseurs Rainer Komers anhand einer ehemaligen
Industrie-Stadt in den USA das, was nach einem Bergbauboom übrig
bleibt: verlassene Minen, Blues-Stimmung und enorme Mengen an
hochgiftigen Rückständen.
Horrorschinken und Bierkistenromantik
Weiterer Schwerpunkt ist die „Nachtsicht“, die sich auf Produktionen aus
dem Horrorgenre spezialisiert hat. Darunter wird der Thriller „My son,
my son, what have ye done“ von Werner Herzog gezeigt, in dem ein
Schauspieler die tragische Rolle der griechischen Figur Orestes in die
Realität trägt und den Tod seines Vaters an der eigenen Mutter rächt.
Neben den großen Leinwänden im Moviemiento und im City-Kino ist das
Kulturzentrum und Beisl Kapu alternativer Spielort des Festivals. In der
charmant-spröden Atmosphäre aufgestellter Heurigenbänke und Bierkisten
wird vor allem auf subversive und musikaffine Filmverpflegung gesetzt,
wie der Beitrag von Oliver Stangl und Christian Tod „Es muss was geben“,
der die oberösterreichische Musiklandschaft porträtiert und auch zur
Eröffnung gespielt wird.
Lokales Filmschaffen
Im Wettbewerb „Local Artist“ versammelt das Festival lokale Kost aus
der Region. Filmschaffende mit geringen finanziellen Mitteln haben
dabei die Möglichkeit, ihre Werke einem internationalen Publikum zu
präsentieren und am Ende 6000 Euro zu gewinnen. Aus 150
Filmeinreichungen wurden 46 ausgewählt, die in einem
abwechslungsreichen Programm bestehend aus langen, kurzen,
dokumentarischen, experimentellen und Animations-Filmen gespielt
werden. Einen dieser 46 Filmbeiträge hat der aus Wels stammende, in
Wien ansässige Regisseur und Filmstudent Christoph Hornak beigesteuert.
Sein Film fällt in die Kategorie des experimentellen Kurzfilms, seine
filmische Herangehensweise definiert er folgendermaßen: „Ich arbeite
gerne mit dem Zufall, damit der Film echter und realer wirkt.“
„Schlupfloch Hauptwohnsitz“
Auf die „Local Artists“-Schiene wurde er
durch den Mailverteiler der Akademie der Bildenden Künste aufmerksam
gemacht. Sein Film „Icarus – Die Photographie des ausgelöschten
Schlosses“ entstand bei einem KinoKabaret im vergangenen Sommer in
Bratislava. Hornaks Beitrag hat zwar keinen Oberösterreichbezug, aber
das „Schlupfloch Hauptwohnsitz“ erwies sich mehr als dienlich. Als
Vorlage diente ein eigener autobiografischer Text, den er mit
Text-Zitaten von Siegfried Kracauer, Thomas Bernhard und Franz Kafka
ergänzt hat. Hornak dazu: „Der Film handelt eigentlich von einem
Beziehungsende, im Stil von „Marienbad“. Das Hauptthema des Films ist
Erinnerung. Zuerst war der Text da, aber wahrscheinlich sind später die
Bilder wichtiger geworden.“
Frische Festivalluft
Auf die Frage, was er sich von seinem Beitrag
am Crossing Europe erwartet und was dieser für ihn zukunftsweisend
bedeutet, meint Hornak: „Darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht.
Ich finde es in erster Linie cool, dass ein Film von mir gezeigt wird.
Und da habe ich natürlich eine breitere Öffentlichkeit, die ich
erreichen kann. Das Wichtigste ist mir sowieso, dass ich Leute mit
meinen Filmen erreiche und der Film gefällt. Wenn sich etwas ergibt,
dann ergibt sich etwas.“ Dabei sein ist eben wirklich alles, Preisgeld
hin oder her, aber die Teilnahme und die frische Festivalluft bleiben
unbezahlbare Erfahrungen.
und Susanne Teutsch





















































