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Warten heißt, sich auf wartelose Zeiten freuen, oder doch nicht?

Warnung! Du bist im Begriff einen absolut miserablen Freizeittipp zu lesen. Zum Wohle deiner eigenen Lebensqualität: Bitte nicht nachmachen!

 

Der Puls rast. Das eigene Gewicht wird zur tonnenschweren Belastung der Füße. Die Augen werden schwer, die Hände kalt. Es ist wie die Vorstufe zur Hölle, nur dass die Gewissheit fehlt, dass man irgendwas verdammt falsch gemacht hat im Leben, um so etwas verdient zu haben. Nein, niemand hat es verdient und doch müssen wir es alle tun: Warten. Dieser Anti-Freizeit-Tipp ist nur etwas für Fortgeschrittene und Hartgesottene. Denn freiwillig warten, das ist Selbsthass pur. In Wartephasen werden alle Sinneseindrücke fade, quasi die umgekehrte Wirkung als bei Drogenkonsum. Oder wie es Leonard Cohen so passend singt: „The Maestro says it's Mozart but it sounds like bubble gum when you're waiting“.
mokant.at > peter unterthurner

Diese Freizeitbeschäftigung braucht keinerlei Utensilien. Das ist dann aber auch schon der einzig positive Punkt am Warten, selbst für Optimisten. Warten kann man immer, in Wirklichkeit warten wir nämlich unser ganzes Leben lang. Warten an der Supermarktkassa. Warten auf den Feierabend. Warten auf einen bestimmten Satz von einem bestimmten Menschen. Warten auf den Urlaub. Warten auf die Seminarnote. Warten auf bessere Zeiten. Warten, warten und noch mal warten. Kein Wunder, dass manche Menschen sogar eine Phobie gegen das Warten entwickeln. Die Macrophobie nennt sich das dann. Der Macrophobiker weiß zumindest besseres mit seiner Zeit anzufangen, er vermeidet nämlich jegliches langes Warten – er stellt sich nirgends an und er setzt sich in der Arztpraxis erst gar nicht hin. Wieso sollte eine solche Phobie eigentlich therapiert werden? Und kann ein Macrophobiker überhaupt therapiert werden oder hat er auch Angst davor, auf seine Heilung zu warten?

 

mokant.at > peter unterthurner
Egal. Wem langweilig ist, der kann auch gleich die Phase der Langweile dazu nutzen, auf Beschäftigung zu warten. Eine absolut sinnleere Freizeitaktivität, die man immer und überall betreiben kann. Aber hier ein paar Tipps, wie man zu seinen Wartezeiten kommt: Einfach mal im Supermarkt bewusst bei der längsten Kassaschlange anstellen und sich freuen, wenn eine alte Dame der Kassiererin alle Details über ihre Operation erzählt, weil man dann noch viel länger warten muss als die armen gestressten Schweine an der Nachbarsschlange. Oder eine Stunde vorm Zahnarzttermin in der Praxis erscheinen, um bei sanften Bohrklängen mal so richtig ausspannen zu können. Das Bohren klingt irgendwann nach Meeresrauschen und das schmerzerfüllte Stöhnen nach krähenden Möwen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

mokant.at > peter unterthurner
Sich dieser Warteprozesse bewusst anzunehmen und sie als Freizeitaktivität zu erleben, erfordert Selbstdisziplin und den Willen zur Selbstgeißelung. Der Psychologe Robert Levine hat sogar Spielregeln für die Freizeitaktivität Warten aufgestellt, etwa:

1) Wir warten auf das, was wir schätzen.
2) Wir schätzen das, worauf wir warten müssen.
3) Der Mächtigere bestimmt, wer wie lange warten muss.
4) Je länger man auf dich wartet, umso höher ist dein Status.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

mokant.at > peter unterthurner
Resümee: Was lernen wir daraus? Warten tut weh, führt uns aber immer wieder vor Augen, was uns eigentlich wichtig im Leben ist. Vielleicht ergibt es dann auch Sinn, das Warten zum Hobby zu machen, um die wartelose Zeit extra gut genießen zu können. Vielleicht. Aber eher nicht.

Vergeudete Zeit: Das ganze Leben

Langeweilefaktor: Inbegriff der Langeweile. 5 von 5 Punkten.

Peinlichkeitsfaktor: Das Schöne am Warten: Jeder tut es, deswegen fällt es auch niemanden auf. 0 von 5 Punkten.

Wahrscheinlichkeit, dass der Satz „Nie mehr wieder“ fällt: Hoch, aber es wird beim Vorsatz bleiben. Außer man entwickelt in weiser Vorsicht eine Macrophobie.

Auch du hast in deiner Freizeit Dinge getan, die du nie und nimmer wieder tun würdest? Du möchtest deine Mitmenschen davor warnen? Dann poste deine Anti-Freizeit-Tipps oder schick uns eine Mail. Sagen wir gemeinsam der Freizeit den Kampf an!

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