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Für Abuzahra von den JMÖ gibt es nicht ein „wir und die anderen“

Amani Abuzahra über integrierte Muslime und Studien, die missverständlich sind

 

mokant.at: Werden Muslime als Teil der österreichischen Gesellschaft betrachtet?
Amani Abuzahra: Teilweise. Es gibt schon viele positive Erfahrungen. Wir haben Projekte und Kooperationen mit nicht-muslimischen Organisationen und Vereinen und es funktioniert wirklich wunderbar. Also ich persönlich würde das nicht so pauschalisieren, so wie manche sagen: „Die Österreicher wollen uns eh nicht. Es ist egal, was wir machen.“ Ich sehe das überhaupt nicht so. Für mich sind das aber auch nicht wir und die anderen. Ich sehe mich selber als Österreicherin. Es gibt Rassismus, es gibt Diskriminierungen, das passiert aber Menschen, die nicht Muslime sind, genauso.

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Abuzahra setzt sich für ein starkes Frauenbild im Islam ein
mokant.at: Laut einer Studie vom Marktforschungsinstitut GfK zum Thema Integration sind es aber vor allem Muslime, die sich benachteiligt fühlen – über fünfzig Prozent. Warum ist das so?
Abuzahra: Die Musliminnen und Muslime, die in Österreich aufgewachsen sind, sehen sich als Österreicherinnen und Österreicher und möchten in ihrer österreichisch-islamischen Identität anerkannt werden. Sie werden aber oft nicht als Österreicher akzeptiert. Man sieht sie als Muslime und automatisch als Ausländer. Es wäre ein wichtiger Ansatz, dass man beginnt, Musliminnen und Muslime als normalen Teil der Gesellschaft zu sehen, als Österreicherinnen und Österreicher mit einer islamischen Religion. Wenn man immer nur die Religion in den Vordergrund stellt, sieht man nur das Trennende. Es gibt aber auch sehr viele verbindende Elemente.

mokant.at: Bei derselben Studie gaben 45 Prozent der türkischen Muslime „mangelndes Einverständnis mit der österreichischen Gesellschaft, ihrer Lebensweise und dominierenden Werten“ an. Wie erklären Sie sich das?
Abuzahra: Das ist genauso eine Sache mit der Anerkennung. Was passiert bei diesen Studien? Es sind oft polarisierende Fragen, das merkt man auch an diesem Statement. Das sind dann solche Fragestellungen wie: Bist du Moslem oder bist du Demokrat? Bist du für Gott oder bist du für den Staat? Man hat dann das Gefühl, dass es zwei Gegenpole sind. Entweder Islam oder Demokratie. Entweder Muslim sein oder Österreicher. Und wenn die Muslime erleben, dass sie in ihrer österreichischen Identität nicht anerkannt werden, aber in ihrer muslimischen sehr wohl, dann sind sie eher dazu geneigt, sich für „Muslim“ oder „Islam“ zu entscheiden. Es heißt aber in Wirklichkeit nicht, dass sie sich nicht als Österreicherinnen und Österreicher sehen oder gegen die Demokratie sind.

Die Musliminnen und Muslime in Österreich erkennen die österreichische Verfassung und die Demokratie an und gerade das macht Österreich ja so lebenswert für sie. Das stellt für sie überhaupt keinen Widerspruch zum Islam dar. Hier wird in der Theorie ein Problem, ein Gegensatz kreiert, der für mich in der Praxis nicht da ist.

mokant.at: Das erwähnte Statement war in der Studie aber nicht die Antwort auf eine Frage, die als Gegensatz formuliert war, sondern eben auf die Frage nach dominierenden Werten.
Abuzahra: Aber was sind denn dominierende Werte? Was versteht der Autor darunter? Ich persönlich denke, dass viele Muslime gar nicht genau wissen, was damit gemeint ist oder vielleicht davon ausgehen, dass sie sich entscheiden müssen. Also mich würde das Demokratieverständnis der österreichischen Mehrheitsbevölkerung auch interessieren. Was versteht sie unter Demokratie und unter den dominierenden Werten?

mokant.at: Was könnten Muslime unter den dominierenden Werten verstehen?
Abuzahra: Ich weiß es nicht, weil ich nicht weiß, wie die Studie aufgezogen wurde. Aber schon allein dieser Ausdruck „dominierende Werte“ hört sich wie etwas an, das mit dem Islam unvereinbar sein muss. Diese Fragestellung finde ich irreführend. Werte wie Gleichberechtigung, Freiheit und die Menschenrechte sind alle im Islam verankert.

mokant.at: Sie haben erwähnt, dass Islam und Demokratie keine Gegensätze sind. Letztes Jahr gab es eine Studie über Islamlehrer, wo herausgekommen ist, dass für etwa ein Viertel Islam und Demokratie nicht miteinander vereinbar sind.
Abuzahra: Das sind genau diese Sachen, die so polarisierend gefragt werden. Ich finde es immer schade, dass nur diese Studien bekannt werden. Es gibt sehr viele andere Studien, die positive Ergebnisse zeigen, über die von den Medien nicht berichtet wird. Da ist immer die Frage: Was für ein Bild versucht man zu zeigen, wenn die Realität eine andere ist? Was für ein Bild vom Islam will man darstellen?

Kritik ist wichtig, Selbstkritik ist noch wichtiger, auf beiden Seiten. Man muss die eigenen demokratischen Werte, wie Freiheit und Gleichheit, nicht nur in den Mund nehmen, sondern sich auch fragen, wie es in unserer Gesellschaft wirklich ist. Zum Beispiel auch auf die Frau bezogen: Frauen verdienen immer noch nicht so viel wie Männer, obwohl die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau eigentlich ganz ein großer Wert ist. Hier müssen alle sagen: Wir haben Defizite und die gilt es aufzuarbeiten.

mokant.at: Auch auf der JMÖ-Website sprecht ihr von „islamischen Feminismus“. Für viele hier ist islamisch und feministisch ein Widerspruch. Was verstehen Sie darunter?
Abuzahra: Ja, für viele ist feministisch gleich antiislamisch. Es gibt aber viele muslimische Frauen, die sich als muslimische Feministinnen bezeichnen. Sie nehmen nicht nur ihr Leben selbst in die Hand, sondern sie interpretieren auch Religion aus einer weiblichen Perspektive. Und sie versuchen damit der Gesellschaft zu zeigen, dass Frauen im Islam eine sehr positive und starke Rolle haben können.

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