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„Mit offenen Augen“ erzählt von einer Widerstandskämpferin

„Mit offenen Augen“ von Rosmarie Thüminger

 

Während die Verfilmung von George Taboris Theaterstück „Mein Kampf“ die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verschwimmen lässt und das Kinopublikum derzeit begeistert, beschäftigt sich der neue Roman von Rosmarie Thüminger mit der schockierenden, kaum fassbaren Wirklichkeit des Nationalsozialismus. Der Titel – „Mit offenen Augen“ – könnte dabei kaum besser gewählt werden. Denn die Hauptperson des Buches, Adele Stürzl, hat mit „offenen Augen“ die Gefahr, die von Adolf Hitler ausging, erkannt. Und damit beschäftigt sich das Buch mit der Faszination, die von all jenen ausgeht, sie sich nicht scheuten aktiv das Naziregime zu bekämpfen, während Millionen anderer ihre Hoffnung in den Nationalsozialismus steckten.

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Prägung und Festigung
Die Tiroler Autorin Rosmarie Thüminger baut den Roman auf gründlichen Recherchen auf. Der rote Faden, der sich von der ersten bis zur letzten Seite des Buches zieht: Die Frage, wie die Widerstandskämpferin Adele Stürzl zu dem ideologisch gefestigten Menschen wurde, der sie bis an ihr Lebensende war. Die Antwort wird chronologisch gegeben: Rosmarie Thüminger erzählt von Adele Stürzls Kindheit in armen Verhältnissen und als Waise, die sich als Pfarrhof-Magd ausgebeutet und minderwertig behandelt fühlt. Sie erzählt von Stürzls aufkeimendem Interesse an der Frauenbewegung und ihrem Beitritt zur Gewerkschaft. Von ihren Hoffnungen an die Sozialdemokratie im Kampf gegen den aufsteigendem Nationalsozialismus und den anschließenden Enttäuschungen, die sie letztlich zur Kommunistischen Partei führen; als deren Mitglied sie aktiv das Naziregime bekämpft und ihr Leben aufs Spiel setzt, um die Parteistrukturen der KPÖ aufrechtzuerhalten.

 

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Mehr als Biografie
Rosmarie Thüminger lässt den Leser in das Leben von Adele Stürzl eintauchen, lässt sie bei ihrem Widerstandskampf begleiten, der 1944 mit der Todesstrafe endete. Dabei bettet die Autorin in die sehr persönliche Erzählung von Adele Stürzls Leben die Geschichte der Arbeiterbewegung in der Zwischenkriegszeit und während des Nationalsozialismus erzählerisch ein. Ein gewisses Maß an Interesse für diese politische Bewegung ist somit Voraussetzung, um das Buch spannend zu finden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Schwarz. Weiß.
Bei der künstlerischen Aufarbeitung des Nationalsozialismus stört oft die Überzeichnung des Bösen. Sei es in der Literatur, im Film oder Fernsehen: Nationalsozialisten werden als Monster, nicht als Menschen dargestellt, die Erklärung menschlicher Untiefen wird ausgeklammert. Böse ist böse, da gibt's keinen Graubereich. Leider ist Rosmarie Thüminger in dieselbe Darstellungsfalle getappt. Sie zeichnet die Widerstandskämpferin Adele Stürzl als das schlichtweg Gute. Ohne Schattenseiten, ohne Graubereich. Das tut der Lesefreude hie und da einen Abbruch. Die Person Adele Stürzl wird im Buch nicht greifbar, erscheint nicht menschlich, eher übermenschlich.

Die Stärke des Romans liegt woanders: Die bemerkenswert intensiven Recherchen der Autorin, die eine andere Sicht auf die Zeit des Nationalsozialismus ermöglichen, einer Gegensicht, einer starken Widerstandssicht.

 

Aufgeblättert nachlesen ...


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