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„Die Fremde“: Zwischen Familie und Selbstbestimmung

Filmriss Pro und Contra: „Die Fremde“
Drama, D, 2009

 

„Die junge Türkin Umay (Sibel Kekilli) flüchtet mit ihrem kleinen Sohn vor ihrem gewalttätigen Mann und verlässt Istanbul, um zu ihrer Familie nach Deutschland zurückzukehren. Die sieht in Umay jedoch weniger eine eigenständige Frau als vielmehr eine Schande, ist sie doch Hals über Kopf vor ihrem Mann geflüchtet, anstatt ihm eine ergebene Ehefrau zu sein und seine Ausbrüche zu ertragen. Weil von ihrer Familie keine Hilfe zu erwarten ist, muss Umay lernen, auf eigenen Beinen zu stehen, jedoch nicht ohne den Kontakt zu ihren Eltern und ihren Geschwistern immer wieder zu suchen. Doch die Ehre der Familie ist zu tief verletzt, als dass sie das neue Leben der jungen Frau akzeptieren könnte.

 

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Der Schutz des Sohnes wird zum Überlebenskampf

Pro: Einfühlsames Familiendrama
Der Begriff „Ehrenmord“ geistert in der medialen Berichterstattung der letzten Jahre herum und hat eine breite Diskussion über Gewalt an Frauen entfacht. Nur zu logisch, dass das Thema nun auch filmisch aufgearbeitet wird: „Tatort“-Regisseurin Feo Aladag weiß die Problematik gekonnt in Szene zu setzen; vielschichtig erzählt sie die Geschichte der jungen Frau, die die Unvereinbarkeit von Traditionsbruch und Familienbande aufzubrechen sucht. Sibel Kekilli („Gegen die Wand“) in der Rolle der mutigen Heldin Umay schafft den Spagat, einerseits als moderne junge Frau aufzutreten, die dennoch in der Tradition ihrer Familie ihren Platz finden möchte. Ihre innere Zerrissenheit ist im Film deutlich spürbar; ein wichtiger Beitrag für das Verständnis eines komplexen Themas.

Contra: Plakative Gewalt ohne Antworten
Plakativ und unreflektiert stellt „Die Fremde“ zwar die Problematik des Ehrenmordes ins Rampenlicht, ohne jedoch eine Lösung dafür zu bieten. Langatmig plätschert die Handlung dahin; immer und immer wieder versucht Umay, ihren Platz in der Familie zu verteidigen, jedoch ohne Erfolg.

Das macht es schwer, Sibel Kekillis Rolle sympathisch zu finden. Dies führt so weit, dass das tragische Finale der Erzählung den Zusehenden beinahe ein „Geschieht ihr ganz recht“ entlockt. Naiv und gutgläubig versucht Umay, Grenzen aufzubrechen und für mehr Akzeptanz in ihrer Umwelt zu sorgen. Die Fragen, die der Film aufwirft, bleiben dennoch unbeantwortet, sodass Cineasten sich den Kinobesuch getrost sparen können.

 

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