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Pascal Honisch sieht den Oscar-Hype gelassen

Wiener Wahl-Berliner und Verlierer, die keine sind: Christoph Waltz als Held der Nation

Frenetisch bejubelt, als einer der größten Erfolge in der heimischen Filmhistorie, stolzierten die Bilder eines strahlenden Schauspielers in der letzten Woche unbeirrt durch die Medienlandschaft seines sonst so abseitsstehenden Herkunftslandes. Christoph Waltz, der Mann mit dem Oscar, dem wichtigsten Filmpreis, den es international zu holen gibt, ist geborener Wiener. In den Augen Vieler erklärt das seine Auszeichnung unweigerlich auch zu einer für Österreich.

 

Schell macht's vor
Und natürlich hat Waltz sein Handwerk dieserorts erlernt, nichtsdestotrotz wäre er wohl nicht da, wo er heute steht, hätte er es nicht auch mit einer Ausbildung am Lee Strasberg Theatre and Film Institute in New York ergänzt. Mittlerweile lebt der 53-Jährige unter anderem in London, jener Stadt, in der seine US-amerikanische Ex-Frau mit seinen drei Kindern lebt, ein viertes hat er mit seiner derzeitigen Lebensgefährtin, einer deutschen Kostümbildnerin. Seine ersten filmischen Erfolge feierte er perfiderweise auch nicht in Österreich, sondern vornehmlich in Fernsehproduktionen unseres geschätzten Nachbarlandes, das der Wahl-Berliner in ähnlichem Maße, wenn nicht sogar mehr, als seine heutige Heimat betrachtet. Waltz selbst bezeichnete sich kürzlich in Jay Leno's „Tonight Show“ ebenfalls als deutscher Schauspieler, womöglich aber auch nur, um dessen Schwarzenegger-Anspielungen aus dem Weg zu gehen.

Wie dem auch sei, möchte man doch meinen, dass es de facto nicht allzu weit hergeholt wäre, Waltz als deutschen Schauspieler zu bezeichnen, was man in eben jenem Nachbarland nun post Oscargala genauso ungeniert tut. Ähnliches geschah womöglich auch schon einmal im Jahre 1961. Damals war es der österreichisch-schweizerische Schauspieler Maximilian Schell, der für seine Rolle in „Das Urteil von Nürnberg“ die renommierte Auszeichnung entgegennehmen durfte. Übrigens der letzte deutschsprachige Darsteller, dem dies vor Waltz vergönnt war und das ironischerweise ebenfalls für ein Zweite-Weltkriegs-Szenario. Böse Zungen mögen behaupten, dass man sich auf diesem Fleck der Welt wohl auch am besten mit dieser Thematik auskennt, aber das sei dahingestellt. Überhaupt sind weder die beiden Filme noch Akteure miteinander zu vergleichen. Ein dramatisches Kammerspiel steht einem reißerischen Actionmovie à la Tarantino entgegen, ein ignoranter Pflichtverteidiger einem durchtriebenen SS-Standartenführer.
Oscar für ein ganzes Land?
Sicher ist nur eines: dass sowohl Waltz als auch Schell ihre Anerkennung nicht dafür erhalten haben, wer sie sind oder wen sie verkörpern, sondern aufgrund ihrer herausragenden darstellerischen Leistungen. Daher ist der Oscar auch weder als einer für Österreich noch für Deutschland zu betrachten, sondern als eine individuelle Auszeichnung, die sich einzig der Darsteller selbst in seinen Trophäen-Schrank stellen darf.

Im großen Rummel um das frischgebackene Goldkind schienen sowohl Deutschland als auch Österreich auf jemand Anderen völlig vergessen zu haben. Michael Haneke, der österreichische Regisseur, dessen Film nach langem Hin und Her schließlich für Deutschland ins Rennen um den Auslands-Oscar geschickt worden war, ging leer aus und ward somit schnell aus dem Rampenlicht des allgemeinen Interesses verschwunden. Macht der Umstand, dass Haneke für seinen Film nicht die begehrte Trophäe erhalten hat, diesen etwa schlechter? Wohl kaum, zumal er dafür bereits die goldene Palme einheimsen konnte und sich die Jury in Cannes im Gegensatz zu den Oscars nicht aus Verfechtern des Kommerz-Kinos formiert. Pardon, das war jetzt womöglich zu hart formuliert. Immerhin freuen wir Österreicher uns doch, dass der nunmehr dritte Film eines österreichischen Regisseurs in Folge für den Oscar nominiert wurde. Oder haben Sie das etwa vergessen? Ach stimmt, es hat ihn ja letztlich nur Einer gewonnen.
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