Archiv

filmladen filmverleih
Hitler-Verfilmung der etwas anderen Art: „Mein Kampf“

Filmriss Pro & Contra: „Mein Kampf“
Komödie, D, 2009

 

Adolf Hitler (Tom Schilling) kommt als junger Mann in die österreichische Hauptstadt mit der Überzeugung, die Wiener Akademie der bildenden Künste werde ihm einen Studienplatz gewähren. Allerdings scheinen die Herren der Prüfungskommission nicht die Ansicht des jungen Künstlers über sein Talent und die Genialität seiner Werke zu teilen. Zusätzlich zu der Schmach, keinen Studienplatz an der Akademie erhalten zu haben, muss Hitler sich sein im Männerheim angemietetes Zimmer auch noch mit zwei Juden teilen: Lobkowitz (Bernd Birkhahn), der sich für Gott hält und Schlomo Herzl (Götz George), der eine Autobiographie mit dem Titel „Mein Kampf“ verfasst. Wenn der gescheiterte Maler schon nicht seine Karriere verwirklichen kann, so will er doch wenigstens das junge Gretchen (Anna Unterberger), das ihr Herz ausgerechnet an den alten Schlomo verloren hat, erretten …

 

filmladen filmverleih
Der gescheiterte Künstler auf seinem Weg zum Diktator
Pro: Tragikomik einer Begegnung
Urs Odermatt stellt in seiner Verfilmung „Mein Kampf“ Hitlers Zeit in Wien auf groteske und zugleich berührende Weise dar. Nicht die Wiedergabe historischer Fakten, sondern die Erzählung eines Gleichnisses, in dem das Gute dem Bösen seine Hilfe anbietet, ist die Intention des Regisseurs. Ausgerechnet von dem Juden Schlomo Herzl muss der junge Hitler sich bei seinem Versuch, die Künstlerkarriere in Gang zu bringen, helfen lassen. Der angehende Führer, grandios gespielt von Tom Schilling, zeigt sich alles andere als dankbar für die väterlichen Ratschläge des Straßenverkäufers. Keine Gelegenheit auslassend die Besonderheit des arischen Volkes zum Besten zu geben, wird die narzisstische Persönlichkeit Hitlers deutlich erkennbar. Jegliche Abweisung, Niederlage oder Kritik wird von ihm geleugnet und seinem Wunschdenken passend umgewandelt, wobei sowohl der Hitler wohl gesonnene Schlomo als auch das junge, naive, blonde Gretchen seine Verdrehungen von Realität und Traum mitspielen. Schlussendlich verlässt der Zuschauer das Kino mit dem Gedanken „Wieso hat bloß niemand …?“.

Contra: 104 inhaltslose Minuten
Abgesehen von der erschreckend passenden Besetzung der Rolle des Giftzwergs Adolf Hitler mit Tom Schilling und einem gewohnt versiert spielenden Götz George bleibt ansonsten nicht viel übrig, das den Film sehenswert machen könnte. Zäh schleppt sich eine Handlung dahin, die am Ende ohne Pointe bleibt. Ursprünglich als Theaterstück konzipiert, gelingt es Urs Odermatt nicht, die Geschichte als Film zu adaptieren. Die einzelnen Szenen scheinen wahllos aneinandergereiht; manche scheinen die einzige Funktion darin zu haben, den Film unnötig zu verlängern. Einen Vorteil bietet eine solch lahme Handlung: Die Zigarette zwischendurch ist durchaus möglich, ohne den Anschluss zu verpassen.
Filmriss nachlesen ...


Rezensionen von

Kommentare (0)






Erlaubte Tags: <b><i><br>Kommentar hinzufügen:


Erzähle von uns:


 
mkant.at collage > foto: (c) thimfilm.at
Mika Kaurismäkis
Mama Afrika im Filmriss
© Schloß Schönbrunn Kultur- und Betriebsges.m.b.H. / Bildagentur Zolles; Fotograf: Markus Wache
Wie man eine richtige Hofdame wird, lernt man in Schönbrunn