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Hitler als tragischer Held seiner eigenen Geschichte: „Mein Kampf“ als Manga
Der im November 2009 erschienene japanische Manga-Comic, der Adolf Hitlers Autobiografie „Mein Kampf“ – „waga toso“ auf japanisch – zum Thema hat, soll japanischen Schülern die deutsche Geschichte näherbringen. Ein makaberer Scherz? Ganz und gar nicht – der japanische „East Press“-Verlag hat es sich zum Ziel gesetzt, mit seiner Manga-Reihe „manga de dokuha“ (auf Deutsch: Lernen mit Manga) Jugendlichen die Weltgeschichte in Manga-Format näher zu bringen.
Skandal-Manga als Lehrmittel?
Bis jetzt wurden in Japan bereits über 45.000 Kopien verkauft, Tendenz
steigend. Auch auf der japanischen Amazon-Seite ist der „lehrreiche“
Comic schon für knappe vier Euro zu haben. In Deutschland und Österreich
ist der Nachdruck von Hitlers Autobiografie seit 1945 zwar verboten,
die Veröffentlichung in Japan ist aber rein rechtlich gesehen kein
Problem.
In der „Lernen mit Manga“-Reihe werden Werke der Weltliteratur in
Comic-Format herausgebracht, wie etwa Tolstojs „Krieg und Frieden“,
Goethes „Faust“ und verschiedene Shakespeare-Werke. Und seit November
2009 zählt nun anscheinend auch Hitlers „Mein Kampf“ in der „Lernen mit
Manga“-Reihe zur Schul- und Weltliteratur. Kosuke Maruo, Redakteur des
„East Press“-Verlags, erklärt die Produktion des „Mein Kampf“-Comics
betont gelassen: „Es ist ein berühmtes Buch, das kaum jemand gelesen
hat. Wir denken, dass es daher gutes Material ist, um Hitler genauer
kennen zu lernen, den Mann, den wir mit dem Teufel gleichsetzen.“
Kritiker bezweifeln den Lehrwert eines solchen Comics und unterstellen
dem „East Press“-Verlag, nationalsozialistisches Gedankengut zu
verbreiten.
Geschichte im Comic-Format
„Mein Kampf“ ist allerdings nicht der erste japanische Comic über Adolf
Hilter. Der Comiczeichner Osamu Tezuka veröffentlichte bereits 1983
einen Krimi-Manga unter dem Namen „Adolf“, der unter anderem die
mögliche jüdische Abstammung Hitlers behandelt. Und NS-Symbolik wurde
schon öfters in Mangas und japanischen Zeichentrickserien, den Animes,
gezeigt und angesprochen.
Historische Ereignisse in Comicformat zu vermitteln, ist in Japan gang
und gäbe. In Hiroshima beispielsweise zeigt ein Atombombenmuseum die
Geschichte des Bombenabwurfs auf Hiroshima und die Folgen der Explosion.
Dort wird auch ein Zeichentrickfilm im Anime-Stil gezeigt, der den
Atombombenabwurf thematisiert. Was bei uns undenkbar makaber wäre,
gehört in Japan zu einem gängigen Aufarbeitungs- und Vermittlungsmedium.
Hitler als tragischer Held
Der japanische Comic „Mein Kampf“ basiert fast ausschließlich auf
Hitlers Originaltext. Er erzählt die Geschichte von Adolf Hitler aus
seiner persönlichen Sicht, von seiner Kindheit bis zu seinem Aufstieg an
die Spitze der NSDAP. Fast tragisch wird die Lebensgeschichte Hitlers
mangatypisch in schwarz-weiß dargestellt: wie das Kind Adolf Hitler von
seinem gewalttätigen Vater misshandelt wird, weil er lieber seiner
Kunstliebe nachgeht als in die Fußstapfen seines Vaters zu treten oder
wie er sich weinend auf den Sarg seiner Mutter wirft. Bei diesen
überspitzten Szenen wirkt Hitler weniger wie ein Diktator und
Massenmörder, vielmehr wie der tragische Held seiner eigenen
Geschichte. Im Manga wird außerdem die Frage thematisiert, wie aus dem
jungen Mann ein grausamer Diktator werden konnte.
Dass sich Wissenschaftler einig sind, dass „Mein Kampf“ keineswegs eine
wahrheitsgetreue Biografie darstellt, sondern vielmehr als
Propagandaschrift diente, um die Weltanschauung Hitlers zu verbreiten,
lässt die historische Lehrhaftigkeit des Mangas bezweifeln. Vielmehr
zeigt der Comic den japanischen Schülern und Schülerinnen Adolf Hitler
so, wie er sich gerne selbst gesehen hat.




















