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Herr Jodorowsky hat's nicht immer leicht, Produzenten zu finden

Schock hat einen Namen: Alejandro Jodorowsky im Porträt

 

Man will wegsehen, doch ist gebannt. Man versucht die richtigen Worte zu finden, doch man bleibt still. Alejandro Jodorowskys ist schwere Kost, und wer sich auf ihn einlässt, wird mit Filmen der ganz anderen Art belohnt. Zur kürzlich erschienen deutschen Erstausgabe des „The Rainbow-Thief“ Filmes eine kurze Respektive über Schaffen und Werk des umstrittenen Regisseurs.

Sex auf offener Straße, explodierende Frösche, gehäutete Tiere. Literweise Blut auf den Straßen und Vögel, die aus Einschusslöcher von Leichen herausfliegen. Und mitten drin in diesem gewaltigen, surrealistischen Bildermeer eine verzerrte Jesusfigur auf dem Weg der Läuterung. Das sind Bilder, wie sie nur Alejandro Jodorowsky kompromisslos auf Zelluloid bannen kann.

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Prominenter Fan: John Lennon
Der chilenische Regisseur, noch immer eher Geheimtipp denn geläufiger Name, versteht es, seine Zuschauer an ihre Grenzen zu bringen, und das mit merkbarer Freude. Seine Filme haben zwar einen Anfang, ein Ende und eine Charakterentwicklung - gleichzeitg verstört er jedoch durch die Art, wie er die Geschichte vermittelt. Seine Symbole sollen sich nicht sanft ihren Weg in unser Hirn bahnen, sie tun es hart. Freizügig, ohne viel Zeit für Erklärungen zu verschwenden.

Werden in El Topo (1971) noch die Grundwesenszüge des Anti-Westerns mit surrealistischen Interpretationen und extremen Charakteristiken erweitert, so kann sein dritter Film, Montana Sacra - The Holy Mountain (1973), nicht mehr wirklich einem Genre zugeschrieben werden. Die Geschichte um einen Dieb (ein entfremdeter Jesus) und einen Alchemisten, die zusammen auf der Suche nach dem ewigen Leben sind, wird opulent in Szene gesetzt. Tausende von Statisten, gewagte Kameraeinstellungen, Tonnen von Material wie Gips und viel Farbe sind das Fundament von „The holy Mountain“, was Jodorowsky zum Teil John Lennon zu verdanken hat. Der war nämlich von El Topo so begeistert, dass er den ehemaligen Beatles-Manager Allen Klein von einer Finanzierung des Filmes überzeugen konnte.

 

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Extreme Gewaltdarstellung
Nach den beiden Filmen wagt sich Jodorowsky an den Stoff von Dune – Der Wüstenplanet. Der Filme sollte seinen Vorstellungen entsprechend etwa zehn Stunden Lauflänge haben, Pink Floyd und Magma hätten den Soundtrack beisteuern und jeweils die Haupthäuser darstellen sollen. Demnach scheiterte er schon in der Vorproduktion, da sich die Geldgeber aus dem Projekt zurückzogen. David Lynch bekommt schließlich den Auftrag, den Film zu realisieren, doch auch er scheitert trotz aufwendiger Inszenierung an Differenzen zum regulären Unterhaltungsfilm.

Das Jodorowsky damals wie heute mit viel Kritik für beide Filme kämpfen muss, mag an seiner expliziten Darstellung von Sex und Gewalt liegen. Wenn beispielsweise eine Frau das Geschlecht eines Stier in den Mund nimmt und dieser dann über ihr ejakuliert, gerät vielleicht die Story für manche zu sehr in den Hintergrund. Doch anders als John Waters (Hairspray) und George Romero (Night oft the living Dead), versucht Jodorowsky mit seinen Bildern neben der Kritik an soziale und politische Umstände ihrer Schaffensperioden auch noch tiefer liegende Bedürfnisse und Ziele der inneren Zufriedenheit bildlich einzufangen.

 

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Sein Comeback erfolgte mit dem Film Santa Sangre (1989). Auch hier lässt Jodorowsky keine falsche Scheu aufkommen und bebildert das Drama um Ehebruch und dessen Folgen wieder mit distanzierten, aber extremen Bildern. Sein letztes vollendetes Filmwerk stellt The Rainbow Thief (1990) dar, welches mit Peter O'Toole, Christopher Lee und Omar Sharif in den Hauptrollen besetzt wurde. Dass der Film zum größten Teil in den Händen der Produzenten liegt und dem Regisseur die meiste kreative Freiheit genommen wird ist hier klar erkennbar.

Jodorowskies Versuche, weitere Filme auf die Beine zu stellen, scheiterten bisher. Seitdem schreibt er erfolgreich Bücher und arbeitet mit Zeichnern zusammen an Comics.

In seinem Schaffen musste Jodorowsky viel auf sich nehmen, um seine Filme frei von Einschränkungen drehen zu können. Dass seine Filme wohl nie großen Ruhm kommen werden, steht wohl zu ihren Gunsten, denn unter den Kultfilmen zählen die Werke Jodorowskys wohl zu den mächtigsten und aufwendigsten.

Porträt von
Philipp Richter

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