Reiseguide: Luxemburg

Eine Stadt mit vielen Schattierungen und warum „Urlaubsleiberln“ hier tabu sind

„Es grünt so grün, wenn Spaniens Blüten blühen“ ist vermutlich bei der Durchreise durch das kleine Großherzogtum Luxemburg entstanden. Denn der erste Eindruck, den man auf dem Weg zur Jugendherberge oder zum Hotel bekommt, ist grün. Es gibt nicht eine einzige Ecke, an der kein Baum steht. Dass sich in jedem Viertel ein Park befindet, ist hier so etwas Ähnliches wie ein ungeschriebenes Gesetz. Obwohl Luxemburg zu den kleinsten Hauptstädten Europas zählt, hat es Großes zu bieten und kann im Geheimen als die Nummer eins Europas bezeichnet werden – zumindest sagen das die Luxemburger. Nationalstolz wird hier groß geschrieben.

Tipp 1: Regenschirm nicht vergessen
Es ist nicht erstaunlich, dass d’Stad, wie die Einheimischen sagen, vor grüner Farbe nur so strotzt. Denn laut Statistik regnet es in Luxemburg an 120 Tagen pro Jahr. Müsste man jeder europäischer Hauptstadt einen Song zuordnen, wäre es hier zweifelsohne der Klassiker „Raindrops keep falling on my head“ von B. J. Thomas. Man sollte daher auf jeden Fall Regenschuhe, -schirm und alles, was dazugehört, einpacken und auch mit sich herumtragen. Das Wetter in Luxemburg neigt dazu, unvorhergesehen umzuschlagen.

Außerdem ist es von ungeheurem Vorteil, eine zusätzliche Jacke dabeizuhaben. Sollte man nämlich mit dem silberglänzenden Aufzug in die Unterstadt fahren, sieht es dort nicht nur aus wie in einer anderen Stadt, sondern es hat meistens auch noch gefühlte fünf Grad weniger. Luxemburg ist nämlich nicht nur in verschieden Stadtviertel, sondern auch in Ober- und Unterstadt geteilt. Zur sogenannten Unterstadt gehören die Stadteile Grund und Clausen, die im Tal der Alzette liegen. Sie zählen zu den ältesten Stadtteilen Luxemburgs und waren lange vor der Errichtung der Festung auf dem Bockfelsen besiedelt.

Früher zählten sie zu den Armenvierteln, wo sich aufgrund der katastrophalen hygienischen Zustände schnell Krankheiten verbreiteten. Heute zählt Clausen als Partyviertel (sieht Tipp 4) und erinnert mit den blinkenden Lichterketten an den Häusern an Christkindlmärkte und Weihnachtsdörfer. Grund hat sich im Laufe der Jahre zu einer kreativen Szene entwickelt. Besonders nennenswert ist hier das alte Männergefängnis, die Abtei Neumünster. Die stand seit 1984 leer, wurde danach aufwendig restauriert und gilt seit 2004 als das Kulturzentrum schlechthin. Neben Ausstellungen, Lesungen und Konferenzen gibt es hier auch Open-air-Veranstaltungen oder Jazzabende.

Tipp 2: Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten
Luxemburg ist das Land der unbegrenzten Möglichkeitgen – zumindest, wenn man sich zu den Bankern, Anwälten oder EU-Angestellten zählt. Für diese Berufsgruppen gibt es hier nämlich Jobangebote en masse, egal ob es sich um dauerhafte Anstellungen oder Praktikaplätze handelt. Für alle, die auf Anzugträger schwören, gibt es hier ebenfalls ein Überangebot. Denn neben Grünzeug bietet Luxemburg auch eine reiche Auswahl an grauen oder schwarzen Businesslook-Männern.

Tipp 3: Luxembourg deluxe
Allerdings darf jetzt auf keinen Fall das Bild eines gräulich-grünen Urwalds mit ein paar langweiligen Beamten entstehen. Denn das Straßenbild wird durch die bunten Farben diverser Luxuswägen verschönert. Und auch die Zahl der Damen mit Ledertaschen eines französischen Luxuslabels ist hier enorm. Man könnte fast sagen, dass die LV-Taschen an die Schaf-pro-Kopf-Statistik in Irland (zwei Schafe pro Ire) herankommt. Das ist hier allerdings nicht verwunderlich, denn das Wort Luxus impliziert ja quasi schon der Namen des Landes. Das bedeutet auch, dass die Getränkepreise hier exorbitant sind und man selbst für ein kleines Mittagessen so viel zahlt, wie für ein Fünf-Sterne-Menü im Schwarzen Camel. Zu empfehlen ist allerdings das Restaurant der Auberge de Jeunesse, der Jugendherberge. So bekommt man nicht nur jeden Tag etwas Anderes, wirklich Vorzügliches zu essen, sondern lernt auch noch junge Leute kennen, mit denen man sich vielleicht doch ein teures Bier teilen möchte.

Tipp 4: White, we own the night
Apropos Bier: Feiern gehen lässt sich in Luxemburg leicht kategorisieren. Es gibt nämlich genau vier Möglichkeiten:
1) Die Schnöselclubs White und White House befinden sich nützlicherweise gleich nebeneinander. Schicker Dresscode und eine Kreditkarte sind hier Pflicht.
2) Wer einfach nur über den Durst hinaus trinken und schlechte Musik aus dem Jahr 2006 hören möchte, macht sich am besten auf den Weg nach Clausen. Hier reiht sich ein Local an das andere. Es sieht ein bisschen aus wie ein Weihnachtsdorf, erinnert aber bar- und clubtechnisch dann doch eher an die Wiener Nussdorferstraße mit Ride Club und Co.
3) Die besten Clubs für nette Abende befinden sich allerdings in der Oberstadt: Urban, Tube oder Steiler sind hier gute Adressen. Möchte man länger als ein Uhr früh ausgehen – ja, auch am Wochenende ist um diese Uhrzeit Sperrstunde – bieten sich Apoteca oder El Compañero an.
4) Ausgehen für Intellektuelle ist in Luxemburg besonders einfach, da die Stadt eine Vielzahl von kulturellen Angeboten bietet. Von Blues’n’Jazz-Ralleys über Rockkonzerte auf dem Knuedler, dem großen Platz vor dem Palais Grand-ducal, oder Lesungen ist hier alles zu finden und meistens ist der Eintritt auch noch frei.

Vier Insider Tipps
1. Zur Begrüßung und zum Abschied gibt man sich drei Küsschen auf die Wange.
2. Sollte man die Möglichkeit haben zwischen Ende August und Anfang September in Luxemburg zu sein, lohnt sich ein Besuch auf der Schueberfouer, dem jährlichen Kirtag am Glacis. Hier sollte man sich dann landestypische Spezialitäten wie Quetschentaart und Gromperekichelchen gönnen.
3. Sehenswert sind auch die vielen Erker. Jener der Place d’Arme wird von einem goldenen Einhorn bewacht; das nationale Motto der Luxemburger „Mir wëlle bleiwe wat mir sin“ steht auf dem Erker der Monkey’s Bar. Die Bar befindet sich in der Nähe vom MNHA, dem Museum für nationale Geschichte und Kunst.
4. Auch wenn das viele behaupten: Luxemburg ist ganz und gar nicht ausgestorben, nicht einmal an Sonntagen. Denn ab und zu haben die Geschäfte auch an diesem in anderen Ländern so streng gehüteten Ruhetag offen. Am besten man erkundigt sich danach im City Tourist Office.

Was du auf keinen Fall machen solltest
1. Davon ausgehen, dass dich eh niemand versteht. Luxemburg hat drei offizielle Amtssprachen: Deutsch, Französisch und Letzeburgisch. Die meisten Einheimischen sprechen aber oft noch bis zu zwei zusätzliche Sprachen.
2. Mit dem letzten Hemd herumlaufen. Luxemburger sind meistens sehr gut angezogen, was auf ihren Business-Look zurückzuführen ist, und erkennen dich dann sofort als Tourist.
3. Das Geld im Restaurant auf dem Tisch liegen lassen. Am besten gibt man das Trinkgeld dem Kellner direkt mit dem zu zahlenden Betrag in die Hand.
4. An hohen Feiertagen wie dem Nationalfeiertag am 23. Juni oder einer Hochzeit in der Großherzoglichenfamilie (wobei momentan keine in Aussicht steht) zu Hause bleiben. Denn bei diesen wenigen Gelegenheiten verwandelt sich die ganze Stadt in ein einziges Fest.

Lisa Radda ist als Redakteurin für mokant.at tätig. Kontakt: lisa.radda[at]mokant.at

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.