Nach Trump Sager: Die Suche nach dem Terror

Donald Trump scheint bei seiner Rede einen Terroranschlag in Schweden am Vorabend anzudeuten. Sofort finden „alternative“ Medien mit den „Ausschreitungen von Rinkeby“ auch schon den passenden Vorfall, der ihm Recht geben soll. Sie vergessen, dass er zwei Tage später passiert ist.

Foto: Raimund Appel

Foto: Raimund Appel

Krawalle? Schwere Ausschreitungen? Straßenschlachten? Gar bürgerkriegsähnliche Zustände? Glaubt man so mancher Meldung, die gerade im Internet kursiert, müsste man meinen, Stockholm sei gerade einer der gefährlichsten Orte der Welt. Und das ausgerechnet nach Donald Trumps Schweden-Sager bei seiner Rede am Samstag. Nur Zufall? Nein, bestimmt nicht. Aber der Reihe nach.

Am Samstag hält Donald Trump eine Rede vor Anhängern in Florida. Er spricht über das Einreiseverbot für muslimische Länder und nennt verschiedene Anschlagsziele in Europa, etwa Nizza oder Brüssel. Unter anderem fallen folgende Worte: „Schaut euch an, was in Deutschland passiert, schaut euch an, was gestern Abend in Schweden passiert ist!“ Freitagabend in Schweden? Man ist ratlos. Was soll am Freitagabend in Schweden passiert sein? Am Sonntag erklärt Trump in einem Tweet seine Aussage: “My statement as to what’s happening in Sweden was in reference to a story that was broadcast on @FoxNews concerning immigrants & Sweden.“

Trump dürfte sich auf die Sendung „Tucker Carlson Tonight“ vom Freitagabend beziehen, in der der Journalist Ami Howoritz über Migranten in Schweden interviewt wird. „Das Video beinhaltet viele Fehler und Übertreibungen“, schreibt die schwedische Zeitung „Aftonbladet“ daraufhin. In ihrem Beitrag listet sie zahlreiche Fehler auf und berichtigt sie.

Für Trump-Befürworter im deutschsprachigen Raum ist das jedoch kein Grund Trumps Aussagen zu hinterfragen. Stattdessen scheint man nach etwas zu suchen, was seine Aussage untermauern kann. Und man wird fündig. „Hatte Trump Recht? Straßen-Terror in Schweden ausgebrochen!“ titelt etwa der in Oberösterreich ansässige „Wochenblick“.

Googelt man nach „Ausschreitungen Schweden“ finden sich gleich zu Beginn zahllose Berichte vor allem von Webseiten wie „Info-Direkt“, „unzensuriert.at“, „pi-news“ oder „Schall und Rauch“.  Alles Websiten, die sich damit rühmen, die „alternativen“ Nachrichten zu bringen, die „andere weglassen“, die die sogenannte „Lügenpresse“ und die „Mainstream-Medien“ verheimlichen würden. Auch auf Facebook wird es von diversen Seiten fleißig verbreitet.

Was ist jetzt das problematische an der Berichterstattung dieser Seiten? Lügen sie? Nein. Schreiben sie von Dingen, die nicht stattgefunden haben? Auch nicht. Sie verwenden richtige Zahlen. Ja, es gab 50 Jugendliche, die Montagnacht in Stockholm randaliert haben. Ja, sie haben Steine auf Polizisten geworfen und Autos angezündet. Ja, es gibt zwei Personen, die daraufhin ins Krankenhaus eingeliefert worden sind. Das alles hat die Stockholmer Polizei auch auf eine Anfrage von mokant.at bestätigt.

Doch ein Terroranschlag war das nicht. Und nichts anderes schien Trump anzudeuten, als er Schweden in einem Atemzug mit Brüssel und Nizza nannte, beides Anschlagziele im letzten Jahr. Und am Vorabend seiner Rede ist trotzdem so absolut gar nichts in Schweden passiert. Es muss wohl wirklich so sein. Schließlich haben selbst die „alternativen“ Medien nichts Erwähnenswertes gefunden.

Mehr dazu:
„Ausschreitungen“ in Schweden: Was wirklich passiert ist

 

Sofia Khomenko ist Chefredakteurin von mokant.at

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