„Ausschreitungen“ in Schweden: Was wirklich passiert ist

(c) easel.ly/Sofia Palzer-Khomenko Ausschreitungen Schweden

Krawalle? Schwere Ausschreitungen? Bürgerkriegsähnliche Zustände? Alles völlig übertrieben, meint Nikolai Atefie. Der Journalist wohnt seit Jahren in Schweden. Er berichtet, was Montagabend in Stockholm wirklich passiert ist.

Dem Vorfall im nördlichen Stockholmer Vorort Rinkeby wird im Ausland wesentlich mehr Beachtung geschenkt als er verdient hätte.

Passiert ist Folgendes: Es gab zwei Vorfälle an diesem Abend. Begonnen hat alles gegen 20:00 am Montag, als eine Streife einen Verdächtigen festnehmen wollte. Daraufhin gingen ungefähr 20 Jugendliche auf die Polizei los und bewarfen diese mit Steinen. Die Situation eskalierte so, dass ein Polizist einen Schuss in Richtung Randalierer abgab, um sich zu verteidigen. Dabei wurde allerdings niemand getroffen. Die Reaktion des Polizisten ist umstritten:„Unverhältnismäßig“ schreiben einige Medien, der sozialdemokratische Innenminister, Anders Ygeman, hält das Vorgehen hingegen für legitim: „Die Polizei lässt sich nicht bedrängen und weicht nicht zurück“, sagt er gegenüber Journalisten.

Nach dem Vorfall heizte sich die Stimmung in dieser Gegend auf. Allerdings nicht in ganz Rinkeby. Rinkeby ist nicht so klein. Wenn jemand behauptet die ganze Nachbarschaft sei in Flammen gestanden, dann stimmt das einfach überhaupt nicht. Im Laufe des Abends gab es dann mehrere Vorfälle, bei denen etwa 50 Jugendliche randalierten, es wurden Steine geworfen, Auslagen beschädigt und einige Geschäfte ausgeraubt. Außerdem gingen acht Autos in Flammen auf.

An dem Abend wurde auch ein  Fotograf der unter anderem für die schwedische Tageszeitung Dagens Nyheter (DN) arbeitet von den Jugendlichen brutal angegriffen. Während der Ausschreitungen wurde eine weitere Person verletzt, beide wurden ins Krankenhaus gebracht, es wurde Anzeige gegen Unbekannt eingebracht. Da die Jugendlichen vermummt waren, ist ihre Identität nicht bekannt, auch nicht ihr ethnischer Background. Man geht davon aus, dass sie zwischen 15 und 25 Jahre alt waren.

Problembezirk Rinkeby?
In Rinkeby wohnen großteils Menschen mit Migrationshintergrund, die Arbeitslosigkeit ist hoch und die sozialen Spannungen sind hier besonders spürbar. Auch wegen der relativ hohen Verbrechensrate und den wiederkehrenden Ausschreitungen gilt Rinkeby als Problemort, der, genauso wie Malmö, in ausländischen Medien gerne als Beweis für den Misserfolg des schwedischen Integrationsmodells verwendet wird. Die Vorfälle hier, die meist nur wenige Individuen betreffen, haben allerdings keine statistische Signifikanz und können daher nicht auf das ganze Land umgemünzt werden.

Gastbeitrag von Nikolai Atefie
Nikolai Atefie ist ein österreichischer Journalist, der seit einigen Jahren in Schweden lebt. Er ist als freier Korrespondent für diverse Medien tätig.

Titelbild: (c) easel.ly/Sofia Palzer-Khomenko

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1 Comment

  1. Karl

    23. Februar 2017 at 09:52

    Warum ist der Autor nicht in der Lage solche Vorfälle zu kritisieren, Verständnis darf nur an 2ter Stelle stehen.

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