Grundeinkommen: Verdienen ohne zu arbeiten? (2)

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Politiker, Bürgerinitiativen und Unternehmer diskutieren immer öfter über die Idee des Grundeinkommens. Die Gesellschaft für Angewandte Wirtschaftsforschung berechnete, welche Effekte die Einführung in Österreich hätte. 

 Woher kommt das Geld?

In ihrer Simulation nehmen die Wirtschaftsforscher für Österreich ein Flat-Tax-Steuermodell an. Derzeit berechnet das Bundesministerium für Finanzen Einkommenssteuern nach einem progressiven Tarif. Das heißt, der Steuersatz steigt mit der Höhe des Einkommens.  Eine Flat-Tax ist im Gegensatz dazu unveränderlich, in der Simulation beträgt sie 45 Prozent. Das ist ein vergleichsweise hoher Prozentsatz. Unter den EU-Ländern mit Flat-Tax hat Lettland mit 23 Prozent die höchste. Ein solches Modell sei aber, wie Wakolbinger sagt, nur eine von mehreren Möglichkeiten, ein Grundeinkommen über Steuern zu finanzieren.

Er und seine Kollegen kommen zu dem Ergebnis: „Ein Grundeinkommen für Erwachsene in der Höhe von 1362 Euro pro Monat wäre bereits mit einer Flat-Tax in der Höhe von 45 Prozent – bei gleichzeitiger Abschaffung aller dienstnehmerseitigen Abgaben auf den Faktor Arbeit – zu 100 Prozent finanzierbar.“

Das Grundeinkommen würde sämtliche Sozialleistungen wie Karenzgeld, Familienbeihilfe und Mindestsicherung ersetzen. Außerdem ist es als Nettobetrag zu verstehen. Einkommenssteuern und Sozialversicherungsbeiträge wären durch die Flat-Tax abgedeckt.

Wer würde profitieren?

Ein zentrale Forderung von Grundeinkommensbefürwortern ist eine sozial gerechtere Verteilung von dem Wohlstand, den eine Gesellschaft erwirtschaftet. Als Maßstab für individuellen Wohlstand ziehen Wakolbinger und seinen Kollegen das sogenannte Nettoäquivalenzeinkommen heran. Das ist das jährliche Nettoeinkommen eines Haushaltes unter Berücksichtigung der Anzahl der darin lebenden Personen. Der Grundgedanke: Menschen, die zusammenwohnen, können sich Miet- und Betriebskosten teilen. Alleinstehende müssen für Wohn- und Lebenskosten selbst aufkommen und können sich vergleichsweise weniger leisten.

Die Berechnungen der Gesellschaft für Angewandte Wirtschaftsforschung ergeben, dass die untere Hälfte der für die Simulation herangezogenen Haushalte nach der Einführung mehr Geld zur Verfügung hätte. Familien mit Nachkommen profitieren besonders, da auch Kinder Anspruch auf ein Grundeinkommen hätten. Die Haushalte in der oberen Einkommenshälfte würden mit einem Minus aussteigen. Insgesamt hätte das Modell positive Effekte auf Armut und Ungleichheit, so Wakolbinger.

Das große Aber

Bisher unbeantwortet ist und bleibt die Frage, ob die Menschen nach der Einführung eines Grundeinkommens weiterhin ihrer Arbeit nachgehen würden. In dieser Frage trennen sich die Meinungen und auch die Menschenbilder der Grundeinkommensbefürworter und Gegner.

Die Wirtschaftsforscher berechneten, dass Erwerbstätige weniger Stunden arbeiten, aber nur wenige ihre Arbeit ganz aufgeben würden. Mathematisch ausgedrückt würde das Arbeitszeitvolumen um 13,9 Prozent und die Erwerbsquote um 1,8 Prozent sinken. Das Problem: Mit abnehmender Beschäftigung müssten zur Finanzierung des Grundeinkommens die Steuern erhöht werden. Mit steigendem Steuersatz schwindet das Plus für die ärmeren Haushalte.

Wie Wakolbinger und seine Kollegen analysieren, komme es letztlich auf die Produktivität der Menschen an, auch abseits des Arbeitsmarkts. Es sei zentral, zwischen Erwerbsarbeit und Arbeit zu unterscheiden. Sie halten fest, dass ein Grundeinkommen nach Schweizer Vorbild trotz spürbarer Arbeitsmarkteffekte finanzierbar und dessen Einführung vor allem eine Frage des politischen Willens ist.

   Hat die Idee des Grundeinkommens Zukunft?

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1 Comment

  1. Ludwig von Leiner

    27. Januar 2017 at 09:03

    Das Problem des BGE sind ja nicht nur die Effekte auf den Arbeitsmarkt, sondern generell wirtschaftliche Effekte. Wenn sich die Leute die Dinge besser leisten können, dann konsumieren sie mehr. Also steigt die Nachfrage. Und wenn die Nachfrage steigt, steigt eben auch der Preis des Produkts. Dann kostet der Liter Milch nicht mehr einen Euro, sondern 2 oder 3 und die Miete nicht mehr 500 Euro, sondern der Mieter erhöht auf 1000. Geld würde an Wert verlieren und auf Geldwertverfall reagiert eine Wirtschaft mit höheren Preisen, sofern sie nicht überhaupt kollabiert.

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