Payasos Sin Fronteras: Die Kraft der roten Nase

titel clowns ohne grenzen

Clowns ohne Grenzen reisen ehrenamtlich in Krisengebiete und tragen dort zur Traumaverarbeitung bei. Seit der Wirtschaftskrise fällt es der spanischen NGO schwer, die Reisen zu finanzieren. Zu Besuch im Hauptquartier der „Payasos Sin Fronteras“ in Barcelona.

Der Mann steht alleine in der Mitte der großen Bühne, direkt unter dem Scheinwerferlicht. Er verreibt die dickflüssige Farbe hastig mit beiden Handflächen in seinem Gesicht. Alles muss weiß sein, Wangen, Hals, Lippen, Augenlider. Sein ganzer Körper wippt mit, ein aufgeregtes Auf und Ab. Er wischt sich die Hände an der übergroßen Karohose ab, dann kommt das Schwarz, dann das Rot, und zum Schluss die rote Nase. Als der Mann fertig ist, ist er kein Mann mehr.

Seit er 19 Jahre alt war tritt Jaume Mateu Bullich als professioneller Clown auf. Seine Clownfigur Tortell Poltrona ist mittlerweile eine Zirkuslegende in Katalonien. Der heute 61-Jährige gründete die NGO Payasos Sin Fronteras (zu deutsch: Clowns ohne Grenzen), nachdem er 1993 in Kroatien zum ersten Mal in einem Flüchtlingslager spielte. Bei seinem Auftritt erkannte er die positive Wirkung, die Clownerie auf Menschen in Not ausübt. Seitdem gibt es die Organisation in 14 Ländern weltweit, unter anderem in Brasilien, Frankreich, den USA, Deutschland und Österreich. Alleine 2015 wurden insgesamt 942 Auftritte in 45 Ländern vor mehr als 410.000 Menschen organisiert. Die ehrenamtlichen Darsteller reisen immer dorthin, wo sie gebraucht werden und spielen vor Flüchtlingsfamilien, Gefängnisinsassen, Waisenkindern oder anderen Menschen in schwierigen Verhältnissen. Ein Vergleich mit den Ärzten ohne Grenzen liegt nahe. Sie bringen jedoch keine Medizin, sondern ein paar Stunden Ablenkung.

(c) Rebecca Steinbichler

Jaume Mateu verwandelt sich in Clown Tortell Poltrona. (c) Rebecca Steinbichler

Weniger Geld, weniger Hilfe
„Ich bin nicht Clown geworden, um Geld damit zu machen“, sagt Jaume, während er in der Künstlergarderobe sitzt und auf seinen Auftritt wartet. Er glaube daran, dass ein friedliches Leben für alle möglich sei, sagt er. Auch wenn das naiv klinge, wolle er diesen Gedanken so weit wie möglich verbreiten: „Mit dieser Idee lebe ich, und mit dieser Idee werde ich sterben.“ Die Show an diesem Abend ist allerdings anders als sonst. Das liegt nicht an den Artisten oder ihren Darbietungen, sondern am Publikum. Die Location ist keine staubige Straße in einem Krisengebiet, sondern ein Theatersaal in Santa Coloma de Gramenet, einer Stadt im Großraum Barcelona. Das Ziel des Events: Spenden zu lukrieren.

Im Foyer stehen einige Mitarbeiter in Clown-T-Shirts hinter einem großen Tisch. Sie versorgen die Gala-Gäste mit Merchandise-Artikeln und Informationen über die NGO. Rote Nasen, Shirts und Schlüsselanhänger wechseln gegen ein paar Euro die Hände. Einer der Menschen hinter dem Tisch ist Carlos Requena, Geschäftsführer der Payasos Sin Fronteras. Dafür, dass er seit 17 Jahren mit Clowns arbeitet, ist Carlos ein sehr ruhiger und ernsthafter Zeitgenosse. Er wählt seine Worte sorgfältig aus und unter seinen dunklen, allmählich ergrauenden Locken zeichnet sich von Zeit zu Zeit eine Sorgenfalte ab. Zu erzählen hat er viel.

 Wenn Komik auf traumatisierte Menschen trifft

Titelbild: (c) Payasos Sin Fronteras


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Dieser Artikel entstand im Rahmen von eurotours 2016, einem Projekt des Bundespressedienstes. Das österreichische Bundeskanzleramt kam für Übernachtung sowie für An- und Abreise auf.

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Rebecca Steinbichler ist Redakteurin und stellvertretende Ressorleiterin (Gesellschaft) bei mokant.at. Kontakt: rebecca.steinbichler[at]mokant.at

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