Kerzen gegen Trump: Wenn nach der Wahl getrauert wird

(c) Susanne Gottlieb

Der Sieg Donald Trumps bei den US-Wahlen war für viele in Österreich lebende US-Amerikaner ein Schock. Um diese Situation zu verarbeiten, trafen sich einige von ihnen vor der US-Botschaft zu einer „Candlelight Vigil“ für Demokratie und Toleranz.

Die Stimme der jungen Frau bebt, als sie spricht. „Die Demokratie macht keine vierjährige Pause. Wir müssen uns engagieren.“ Die Tränen in ihrem Gesicht reflektieren das Licht des Kerzenscheins. Die Menschen, die im Kreis um sie herumstehen, nicken zustimmend. „Hillary hat doch gewonnen!“, setzt sie fort. Sie will noch mehr sagen, doch die Worte kommen nur mehr in Schluchzern aus ihr heraus. Ihre Nachbarin nimmt sie in den Arm. Die anderen um sie herum klatschen.

Es ist eine Truppe von rund 30 Menschen, die sich Freitagabend, den 2. Dezember, neben der amerikanischen Botschaft in Wien eingefunden hat. Junge, Senioren und Kinder, Frauen und Männer, Heterosexuelle und Homosexuelle, Weltliche und Geistliche, sowie Menschen mit körperlichen Behinderungen. Jeder von ihnen ist dick eingepackt. Jacken, Mützen und Schals in Schwarz, Blau, Rot, Grün und Braun ziehen einen farbigen Schleier durch die Reihen. Was diese Menschen verbindet, ist ihre amerikanische Heimat und der Schock, den ihnen die Wahl am 8. November gebracht hat.
Foto: (c) Susanne Gottlieb

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Sorge um die nächsten vier Jahre
Ein Großteil der Anwesenden sind Mitglieder der Organisation Democrats Abroad, dem Veranstalter dieser abendlichen Mahnwache. Ziel der Organisation ist es, bei Veranstaltungen Spenden für die Mutterpartei in den USA zu sammeln und US-Amerikanern die Möglichkeit zu geben, auch außerhalb der Heimat zusammenzukommen. Außerdem motiviert sie US-Bürger, sich für die Wahlen zu registrieren und hilft ihnen bei den administrativen Schritten. Mit einem Präsident Trump hatten die wenigsten in der Organisation gerechnet. An diesem Abend wollen sie den Auslands-Amerikanern die Möglichkeit geben, zusammenzukommen und ihre Gefühle und Ängste zu teilen.

Die meisten Teilnehmer halten passend zum Thema einer „Kerzen-Nachtwache“ eine weiße Kerze in der Hand. Andere haben eigene Lichter mitgebracht. Sankt-Martins-Laternen, Friedhofskerzen und Gaslaternen scheinen zwischen den Kerzen hervor. Bei jedem Windstoß, der durch die Gruppe pfeift, flackern die Flammen und werfen Schatten in die Gesichter ihrer Besitzer. Manche Teilnehmer versuchen ihre Kerze mit der Hand zu schützen. Andere wehren sich gegen die Kälte, indem sie wiederholt von einem Bein aufs andere treten. Zwei Frauen halten statt Lichtern ein frisch gemaltes Banner in die Höhe. Es riecht nach Farbe und Lack. „On Fire for Democracy“ steht in Grün, Rot und Pink auf dem weißen Stoff. Daneben haben die beiden Symbole für gleichgeschlechtliche Liebe und das Friedenssymbol gemalt.

Foto: (c) Susanne Gottlieb

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„Was machen die da?“
Rund um die Teilnehmer ist es ruhig. Bis auf die Beleuchtung der Botschaft ist es dunkel in der Straße. Das einzige andere Geräusch neben dem Dialog der Gruppe ist das Funkgerät des Polizisten, der als Ordnungshüter etwas abseits der Gruppe steht und sie beobachtet. Gelegentlich spazieren dick eingepackte Menschen vorbei. Neugierig bleiben sie stehen, hören zu. „Was machen die da?“, fragt eine junge Frau mit amerikanischem Akzent ihre Begleiterin. Diese tritt noch ein wenig näher heran und lauscht der Sprecherin. „Die protestieren anscheinend gegen unsere Regierung“, erwidert sie schließlich. Beide verziehen kurz das Gesicht, dann gehen sie weiter.

Weiterlesen: Kerzen gegen Trump: Love Trumps hate

Artikel von Susanne Gottlieb


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Diese Reportage entstand im Rahmen der mokant.at Akademie für Nachwuchsjournalismus.

Titelbild: (c) Susanne Gottlieb

Die mokant.at Akademie für Nachwuchsjournalismus ist ein Projekt, das sich an Nachwuchsjournalistinnen und Journalisten richtet, um ihnen eine fundierte, praxisnahe und leistbare Ausbildung zu ermöglichen.

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