Zukunft der Arbeit: Weg vom Gießkannenprinzip (2)

(c) Barbara Bürscher

Jobs der Zukunft
Über siebzig Prozent der Beschäftigten sind bereits im Dienstleistungssektor tätig – diese Zahl wird Schätzungen zufolge noch größer. Vor allem personenorientierte Dienstleistungen, wie Pflege- oder Sozialberufe würden in Zukunft an Bedeutung gewinnen. Einerseits erhöhe sich nämlich der Bedarf an pflegebedürftigen Personen – erklärt Gudrun Biffl, Leiterin des Departements Migrantion und Globalisierung der Donau-Universität Krems, zum anderen geht der Trend laut Eichmann und Nocker in Richtung Ganztagsbetreuung von Kindern in der Schule. Auch der Bildungssektor hat in den letzten Jahren einen Aufwärtstrend verzeichnet. Mit einem Anhalten dieses Trends sei zu rechnen.

Eine weitere Zukunftshoffnung liegt in sogenannten „Green Jobs“. Aufgrund der Verknappung fossiler Energiereserven und des Klimawandels steigt die Notwendigkeit einer CO2-armen Wirtschaft. Der Umsatz aus der Umweltwirtschaft erreicht bereits jetzt über 10 Prozent des Brutto-Inlands-Produkts.

Reduzieren oder Flexibilisieren?
Dennoch ist die Arbeitslosenquote in den letzten Jahren gestiegen. Was ist also notwendig, damit wir in Zukunft nicht alle zu Langzeitarbeitslosen werden? Wie kann das Einkommen gesichert werden?

Immer wieder wird über eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit gesprochen. Im Sozialministerium erklärt man uns, dass eine Reduktion der Wochenarbeitszeit diskutiert werden sollte. Verschiedene Experten, die wir befragt haben, halten es jedoch für unrealistisch, dass das in Österreich derzeit umgesetzt wird. Franz Fischler verweist etwa auf kleine Unternehmen, in denen eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit schwer umzusetzen wäre.

Die Zukunft der Arbeitszeit liegt wohl eher nicht in einer Reduktion der Arbeitszeit, sondern in einer Flexibilisierung. „Es gibt bereits Modelle, wo man zum Beispiel alle zwei Jahre mit dem Arbeitgeber die Arbeitszeit neu ausverhandelt – zwischen mindestens 15 und maximal 40 Stunden pro Woche kann geswitcht werden – das halte ich für sehr gut. Ein anderes Modell wäre auch, dass der Arbeitnehmer einmal aussteigen kann – Sabbaticals, Telework und so weiter“, so Reiter.

Durch die Flexibilisierung kann aber auch eine Reduzierung der Arbeitszeit erreicht werden. „In den letzten Jahren wurden verstärkt individuelle Möglichkeiten diskutiert, Arbeitszeit zu reduzieren“, erklärt uns ein Sprecher des Sozialministeriums. Als Beispiele führt er Freizeitoption, also die Möglichkeit anstelle einer Lohnerhöhung zusätzliche Freizeit zu vereinbaren, und Bildungsteilzeit an.

Auch Andreas Reiter wünscht sich individuelle Lösungen. „Wir müssen weg von diesem Gießkannenprinzip!“, meint der Zukunfstforscher.

Titelbild: (c) Barbara Bürscher

Dieser Artikel ist Teil des Schwerpunkts Work in Progress. Weitere Texte dazu findest du in den kommenden Wochen hier


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Barbara Bürscher ist als Redakteurin für mokant.at tätig. Kontakt: barbara.buerscher[at]mokant.at

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