Crispies: „Sehen uns als Miami Sunny Boys“ (2)

mokant.at: Wenn man ein wenig über euch im Netz nachliest, tauchen Bandnamen wie Led Zeppelin oder The Black Keys auf. Wenn ihr euch von einer anderen Band einen Musiker ausborgen dürftet, wen würdet ihr nehmen?
Tino: Puh, das ist eine echt schwierige Frage. Von Alisson Mosshart hab ich mir auf alle Fälle viel hinsichtlich Bühnenpräsenz abgeschaut. Ich hör aber gerade so viel Trap und Hip-Hop und bin sehr verwirrt, welche Antwort ich dir geben soll. Ich kann jetzt auch nicht Asap Rocky sagen. (lacht)

mokant.at: Aber The Crispies mit Asap Rocky-Feature klingt auf Papier doch sehr vielversprechend.
Tino: Ja, aber man muss halt aufpassen, dass es nicht so klingt wie Anfang 2000 mit diesem ganzen Crossover-Rock. Das wäre meine Angst dabei.

mokant.at: Beim Video zu Noose’N’Go sind verwackelte Kamerabilder zu sehen, als Datum ist der 5. April 2014 eingeblendet, Kurt Cobains 20. Todestag. War das bewusst oder Zufall?
Tino: Nein, das hat sich wirklich zufällig so ergeben, ich hab einfach irgendein Datum gesagt. Wir wollten eigentlich irgendwas aus den 80er Jahren nehmen, aber je weiter man in der Zeit zurückgeht, desto mehr interpretieren die Leute hinein. Es ist auf jeden Fall eine coole Verbindung mit Kurt Cobain, die aber so nicht geplant war.

Foto: (c) David Steiner

Tino von den Crispies: „Sehen uns als Beach Punker“

mokant.at: In einem Interview habt ihr gemeint, dass euch der Vergleich mit den White Stripes nervt. Warum? Das ist doch eigentlich ein ziemlicher Ritterschlag, oder?
Tino: Wir verstehen die Verbindung einfach nicht. Ich sehe diese Blues-Rock-Komponente nicht so stark bei uns, wie es andere tun. Wir sehen uns eher so als Beach Punker, als Miami Sunny Boys.

mokant.at: Alleine vom Look her würde ich dem zustimmen: Lederjacke, Sonnenbrille. Wie wichtig ist dir der Look auf der Bühne?
Tino: Sehr! Musik ist mittlerweile durch das Internet und Applikationen wie Instagram nicht nur eine auditive Kunst, es geht auch um den Künstler selber, den ganzen Lifestyle dahinter. Es muss nicht eine Banduniform mit Krawatte geben, so wie es The Hives machen, aber das Publikum soll schon das Gefühl haben, dass wir zusammen passen. Wir wollen nicht wie eine Schulband wirken, die gezwungen ist, miteinander zu spielen.

mokant.at: Ausgehend davon musst du mir kurz eine Bravo-Frage erlauben: Du hast ja eine sehr aufwändige Frisur. Wie lange brauchst du morgens im Bad?
Tino: (lacht) Das kommt ganz darauf an: Das Schwierigste ist es, die Haare so trocken zu kriegen, dass man das ganze Zeug einarbeiten kann. Dann reichen aber meistens sieben Minuten an einem normalen Tag. Warte mal, ich schnorr mir schnell eine Zigarette. (Tino steht auf und erfragt sich am Nachbartisch eine Zigarette. Feuer habe er selber.)

Foto: (c) Markus Füxl

„Alle wollen exklusiv sein und etwas mit Kunst machen“ – Tino Romana

mokant.at: Bei einem Song von euch geht es ja um eine stalkende Exfreundin.
Tino: Es sind sogar zwei Songs: Den ersten, Pearl, habe ich in der Phase geschrieben, als das Psychozeug sehr heftig war. Der Song ist aus ihrer Perspektive geschrieben, ich hab alles reingepackt, was sie damals so gesagt hat. Zu Weihnachten hat sie zum Beispiel ein Geschenk vor meiner Tür liegen lassen, auf dem „Frohe Weihnachten, deine Perle“ gestanden ist. Noose’N’Go habe ich dann über meine Angst geschrieben, dass sie sich etwas antun könnte. Deshalb ist auch die Grundstimmung in den beiden Liedern sehr unterschiedlich: Der erste ist eher verzweifelt, der andere eher „low key“ und entspannter.

mokant.at: Und wie ist die ganze Story schließlich ausgegangen?
Tino: Ich bin ihr nicht mehr böse, was ich lange Zeit war. Auch wenn es verrückt war, habe ich gelernt, ihre Situation zu verstehen. Jetzt ist alles viel entspannter, aber wir sind jetzt auch nicht die besten Freunde oder so.

mokant.at: Du hast einmal gesagt: „Unsere Generation lebt im Überfluss.“ À Propos Überfluss: Von was hast du selbst zu viel oder nimmst du zu viel?
Tino: (lacht) Also mit dem Überfluss habe ich in erster Linie gemeint, dass es in unserem Internetzeitalter wahnsinnig einfach ist, an Grenzen zu gelangen und sich damit zu spielen, sei es über Drogen oder andere Reize. Damit wird dieser Alltag, von neun bis fünf Uhr arbeiten zu einem langweiligen Prozess, den niemand anstrebt. Alle wollen exklusiv sein und etwas mit Kunst machen. In 90 Prozent der Fälle führt das zu nichts. Aber zu deiner Frage, von was habe ich zu viel…? Also ich habe nicht zu viel Geld! (lacht) Ich lebe eigentlich nicht so sehr im Überfluss. Genau genommen hab ich von allem zu wenig, außer von Party.

Tino von den Crispies über Sex, Drugs, Rock’n’Roll und Krankenhausbesuche

Titelbild: (c) Markus Füxl


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Markus Füxl studiert Publizistik- und Kommunikationswissenschaft in Wien und ist als Redakteur für mokant.at tätig. Kontakt: markus.fuexl[at]mokant.at

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