Bienensterben: Was kann man dagegen tun?

(c) Lorenz P. Bicher / Instagram: @sundownshots

Seit einigen Jahren werden Landwirtschaft, Politik und Presse vermehrt auf das Thema Bienensterben aufmerksam. Zuflucht könnten die kleinen Bestäuber an einem bisher als unüblich betrachteten Ort finden – der Großstadt.

Wer den Suchbegriff „Bienensterben“ in Google eingibt, stößt schnell auf zahlreiche Artikel und Berichte von Zeitungen und Naturschutzorganisationen. Bienen und andere Pflanzenbestäuber wie Schmetterlinge und Falter sehen sich mit zahlreichen Gefahren konfrontiert – und die Liste wird von Jahr zu Jahr länger.

Insektizide, Pestizide, Klimaerwärmung und Parasitenbefall
Als eines der bekanntesten Insektizide gelten die der sogenannten Neonicotinoide, die vor allem in der industriellen Landwirtschaft eingesetzt werden. Kommen Insekten mit dem Gift in Berührung, wird die Weiterleitung ihrer Nervenreize gestört. Das führt zu starken Krämpfen und schlussendlich zum Tod.  Zu den häufigsten neonicotinoiden Wirkstoffen zählen Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam. Die zunehmend intensiver werdende industrielle Landwirtschaft lässt nicht mehr genügend Lebensraum für Insekten, wofür vor allem monokultureller Ackerbau und fehlende Diversität an Pflanzen verantwortlich gemacht werden können. Auch der Klimawandel setzt den Pflanzenbestäubern erheblich zu. „Die Imkerei wird zunehmend schwieriger, weil eine intakte Natur nicht mehr gegeben ist“, meint Dr. Egon Gmeiner, Präsident des Imkerverbandes Vorarlberg. „Honigbienen hatten früher im Winter eine circa dreimonatige Ruhephase. Heutzutage sind es noch ungefähr drei Wochen.“

Neben den ausgebrachten Toxinen auf Wald und Wiesen und der Klimaerwärmung müssen Bienen mit einem weiteren Problem kämpfen, der sogenannten Varroamilbe. Ursprünglich aus dem Orient stammend, wurde sie erstmals in den 1960er Jahren in Europa entdeckt. Der Parasit saugt sich an den Bienen fest und überträgt dabei zahlreiche Krankheiten, die deren Immunsystem schwächen. „Normalerweise tötet der Parasit den Wirt nicht, da dessen Tod auch gleichzeitig den Tod des Parasiten selbst mit sich bringt.“ Die Varroamilbe würde demnach mit der Biene sterben. Sie könne aber auch mit natürlichen, umweltschützenden Maßnahmen bekämpft werden, so Dr. Gemeiner.

Kleine Erfolge
Obwohl die Lage der Honig- als auch der Wildbienen derzeit nicht die beste zu sein scheint, gab es in den letzten Jahren auch einige Erfolge zu verzeichnen. 2013 setzte sich die EU-Kommission für eine eingeschränkte Nutzung von Neonicotinoiden ein, nachdem negative Auswirkungen auf Honigbienen nicht ganz ausgeschlossen werden konnten. Derzeit wird das Insektizid nur für bestimme Pflanzenkulturen und den gewerblichen Gebrauch eingesetzt.

Obwohl pharmazeutische Industriegiganten wie Bayer und Syngenta kurz danach beim Europäischen Gerichtshof Klage einreichten, gab es zahlreiche Unterstützer aufseiten der EU. „Die Entscheidung der Europäischen Kommission, die Zulassung  bestimmter neonicotinoidhaltiger Produkte wegen angeblicher Risiken für die Bienengesundheit weitgehend einzuschränken, […] stellt die Rechtssicherheit hinsichtlich erteilter Zulassungen von Pflanzenschutzmitteln im europäischen Markt in Frage“, so Utz Klages, Pressesprecher der Abteilung Crop Science bei Bayer auf Nachfrage nach den Gründen der Klage. Der Pharmakonzern bestehe darauf, dass die Pestizide bereits auf etwaige Risiken getestet wurden und verlange vor allem Klarheit über die Verlässlichkeit rechtlicher Rahmenbedingungen. Etwaige Untersuchungen der Risiken von Neonicotinoiden konnten bis heute nicht vollständig abgeschlossen werden.

Durch die mediale Berichterstattung sei auch das Interesse an der Imkerei und dem Schutz der Bienen stark gestiegen. „Viele Hobbyimker beginnen in erster Linie nicht wegen des Honigs, sondern aus Gründen des Umweltschutzes“, so Dr. Gmeiner.

Von der Waldwiese in die Großstadt

Artikel von Amina Maria Aidi

 

Titelbild: (c) Lorenz P. Bichler / Instagram: @sundownshots


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