Wasser: Das Gold der Zukunft?

Wasser

Die herrschende, globale Wasserarmut stößt in Mitteleuropa kaum auf Interesse – man sei schließlich nicht davon betroffen. Dass der wasserärmste Staat der Welt jedoch nur zwei Flugstunden von Wien entfernt liegt, weiß trotzdem fast niemand. Zeit, umzudenken, sagt mokant.

Von einer globalen Wasserkrise ist die Rede, von Wasser als Mangelware, wertvollem Rohstoff und Auslöser für die Kriege der Zukunft. Hierzulande schüttelt man bei pessimistischen Prognosen dieser Art höchstens den Kopf. Von Wassermangel ist in Österreich keine Spur: 2.194 Süßwassergewässer mit einem Einzugsgebiet von über zehn Quadratmeter fließen durch das Land – türkisblaue Idyllen, die sich eindrucksvoll in die Berglandschaften einbetten. Sie eignen sich als ideale Rückzugsgebiete und Freizeitideale, sofern der Regen nicht einen Strich durch die Rechnung macht. Dieser fällt mit einer durchschnittlichen Niederschlagsmenge von insgesamt 98 Milliarden m³ Wasser oder von über 12.000 m³/Jahr pro Kopf doch nicht allzu knapp aus und macht die Republik zu einer der wasserreichsten Staaten Europas. Das regenreiche Wetter, über das in Österreich gerne gejammert wird, wäre für andere Länder ein Segen.

Das wasserärmste Land – in Europa?
Wer hier an weitentfernte Länder innerhalb des Saharagebiets denkt, hat natürlich Recht. Wer jedoch glaubt, dass Wasserarmut ein Problem ist, das ausschließlich in Entwicklungsländern besteht, täuscht sich. Der laut den Vereinten Nationen wasserärmste Staat der Welt befindet sich nämlich nur zwei Flugstunden von Wien entfernt. Die Rede ist von Malta – bekannt als europäischer Zwergstaat, Touristenmagnet und Inselparadies.

Umgeben von nichts Anderem als unendlichem Blau ist Wassermangel auf Malta geradezu ein Paradoxon. Doch auf dem Inselstaat lässt sich tatsächlich kein einziger Fluss und kein einziger See finden. Die einzige Süßwasserquelle ist das Grundwasser. Bei bloßen 568 mm Niederschlag pro Jahr, wovon der meiste Teil im Winter fällt, gleicht jedoch auch der Grundwasseranteil unterhalb der maltesischen Erdoberfläche einem Trauerspiel. Das Problem selbst wird auf Malta jedoch gerne ignoriert, und das aus einem einfachen Grund: Öffnet man den Wasserhahn, stößt man ohne Umstände auf trinkbares Mineralwasser – mit einem leicht salzigem Nachgeschmack. Grund dafür sind die fünf Meerwasserentsalzungsanlagen, die auf der kleinen Insel errichtet wurden und die somit zur Illusion beitragen, dass Wasser auch auf Malta ein unendlich verfügbares Gut ist. Doch für welchen Preis? Eine einzige Anlage entsalzt im Sommer 30.000 Kubikmeter Meerwasser, rund 100.000 Kilowattstunden Strom werden dafür täglich verbraucht. Umweltschutz sieht anders aus, weshalb die maltesische Regierung die Trinkwassermenge, die in einer solchen Anlage produziert werden darf, eingrenzen ließ. Die Alternative: Tankerladungen mit Trinkwasser aus Sizilien.

Titelbild: (c) Dominik Knapp
Ein Land auf Sparflamme – Bitte nicht föhnen!


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