Vaseva: „Wie Ennio Morricone mit Pop“

(c) Martin Posch

Vaseva – das sind die Cousins Maria und Severin plus gefühlte weitere zehn Familienmitglieder, die sie als Band begleiten. Wir haben uns mit ihnen vor ihrer Show im Wiener B72 getroffen und über ihren neuen Plattendeal, musikalisches Erbe, Volksmusik und die neue, hippe Innsbrucker Szene unterhalten:

mokant.at: Eure erste Single nennt sich 1070. Wollt ihr damit eure Liebe für den Wiener Neubau ausdrücken?
Maria: Nein, eigentlich nicht. Wir haben natürlich nichts gegen den Wiener Neubau, aber der Hintergrund ist, dass meine beste Freundin Hannah dorthin gezogen ist. Wir wollten zur Abwechslung mal ein Freundschaftslied statt einem Liebeslied machen. Und so ist 1070 entstanden.

mokant.at: Es geht hier also nicht um Hipness und Bobos?
Maria: Nein, ganz banal: Unsere Freundschaft war die Inspiration. Auch wenn das kitschig klingt.

mokant.at: Freundschaft statt Liebe, das ist mal was anderes. Trotzdem sagt ihr, dass ihr dem Neubau nicht abgeneigt seid. Gibt es in Innsbruck denn vergleichbare Gegenden?
Maria: Schwierig, dafür ist Innsbruck vielleicht ein bisschen zu klein. Sowas wie den 7. gibt es da nicht. Das Hippe fängt in Innsbruck erst an, das ist so in den letzten paar Jahren passiert.

mokant.at: Mit euch als Teil des Ganzen?
Maria: Weiß nicht, mal schauen. Bis jetzt nicht.

mokant.at: Das Video zeigt demnach eure Stadttour durch den Bezirk.
Maria: Genau, da sind wir durch den 7. gegeistert. Und Hannah spielt sogar mit.

mokant.at: Nicht ganz nüchtern wahrscheinlich?
Maria: Kommt darauf an, wer fragt. (lacht)
Severin: Nein, ich gebe schon zu, dass das nicht ganz nüchtern war. Es war ein Ausgehabend, an dem echt lustige Sachen passiert sind. Das Konzept von dem Video war „Kein Konzept“ und das ist schlussendlich aufgegangen. Wir wollten einfach durch 1070 gehen und schauen, was passiert und dann bleibt plötzlich ein Reisebus stehen und fragt, ob wir mitfahren wollen. Alles, was man im Video sieht, ist wirklich passiert.
Maria: Dann hab’ ich 1070 durch das Bus-Mikrofon gesungen und alle waren begeistert. Das Konzept könnte natürlich auch nach hinten losgehen.

mokant.at: Dann wärt ihr einfach nochmal ausgegangen.
Beide: Stimmt. (lachen)

mokant.at: Eure Musik wirkt sehr persönlich und auch emotional. Gibt es bei euch eine bestimmte Aufgabenverteilung, damit die Songs so werden?
Severin: Eine ziemlich klare sogar. Ich habe generell die Song-Ideen, spiele das zuhause ein und schicke es weiter an Maria. Sie sagt dann, ob’s ihr gefällt oder nicht. Wir sind uns eigentlich in fast jeder Entscheidung einig. Maria macht dann Text und Melodie dazu und dann setzten wir uns zusammen und machen gemeinsam das Arrangement.

mokant.at: Das klingt aber sehr reibungslos.
Maria: Dadurch dass wir uns schon so lang kennen hat das von Anfang an funktioniert. Jeder macht seinen Teil und zum Schluss ergibt es sich.

mokant.at: Ihr seid ja Cousin und Cousine. Inwiefern hat es Vor- oder Nachteile als Familie auf der Bühne zu stehen?
Maria: Bei uns hat es eigentlich nur Vorteile. Es ist eine andere Connection. Zusätzlich spielt mein Bruder Bass und unsere andere Cousine übernimmt die zweite Stimme.
Severin: Man kennt sich einfach schon in- und auswendig. Ich bin auf die Welt gekommen, da hat mich die Maria zum ersten Mal gesehen. Es ist vielleicht etwas ungewöhnlich aber auch nicht selbstverständlich.
Maria: Die Leute sagen uns auch manchmal, dass sie merken, dass wir zusammen gehören und fragen uns, ob wir verwandt sind. Ist schon cool, vor allem weil wir halt doch eine sehr lustige Familie sind.

mokant.at: Das heißt, ihr macht das auch schon relativ lange?
Severin: Eigentlich schon seitdem wir kleine Kinder waren. Wir haben nie aufgehört und uns irgendwann gedacht, wir machen einfach wirklich eine Band.

mokant.at: Ihr kommt ja beide aus Tirol. Glaubt ihr, dass es schwieriger ist, als Band aus dem Westen in Österreich Fuß zu fassen?
Maria: Ich glaube nicht, aber da gibt es ganz unterschiedliche Meinungen. Die meisten Bands aus Innsbruck gehen nach Wien, weil sie denken, dass sie das müssen. Ein logischer Gedanke eigentlich, aber ich habe nie den Drang gehabt. Außerdem hab’ ich das Gefühl, dass in Innsbruck gerade sehr viel passiert.
Severin: Die Innsbrucker Musikszene hat im letzten Jahr einen Push bekommen mit einer Art internem Hype. Es gibt auch sehr viele Bands mittlerweile, angefangen mit Vague, Vormärz, AUX PORTES, The Informal Thief, Jo Stöckholzer, MOLLY,…
Maria: Das ist schon recht cool, weil man nicht das Gefühl hat, dass die alle gegeneinander sind. Das ist eher ein cooles Miteinander, weil es eben vergleichsmäßig klein ist.

mokant.at: Es könnte doch aber auch anders herum und die Konkurrenz auf Grund der Größe umso größer sein, oder?
Maria: Das könnte auch passieren, aber ich denke nicht, dass das so ist. Genauso wenig, wie ich glaube, dass es in Westösterreich schwerer ist.

mokant.at: Das heißt, ihr habt jetzt so wie MOLLY vor, den Osten zu erobern?
Maria: Den Norden, den Osten, den Süden – alles!

mokant.at: Glaubt ihr, dass die Szene, ausgenommen von dem Aufschwung den es gerade gibt, monopolisiert wird von Wiener Bands?
Severin: Ich glaube nicht. Farewell Dear Ghost sind aus Graz, die Steaming Satellites aus Salzburg, Bilderbuch aus Oberösterreich,… das ist eigentlich recht flächendeckend.

Titelbild: (c) Martin Posch
Vaseva über ihre Musikrichtung „Desert Pop“


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Kathi hat Biologie und Kultur- und Sozialanthropologie studiert. Sie findet, dass die Kombination hilfreich ist, um sich professionell über die Menschheit zu wundern.

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