Fluchtwege: Mehr Tote im Mittelmeerraum

(c) Sabrina Freundlich

In den letzten sechs Tagen wagten wieder mehrere tausend Menschen die Flucht über das Mittelmeer. Der Vergleich zum Vorjahr zeigt: Obwohl weniger Menschen die Überfahrt antreten, gibt es mehr Ertrunkene

Seit Sonntag, den 28. August, hat die italienische Küstenwache laut eigenen Angaben mehr als 14.000 geflüchtete Menschen in über hundert Einsätzen im Mittelmeer gerettet. Die „Guardia Costiera“ arbeitet unter anderem mit der italienischen Marine, der EUNAVFOR MED-Operation „Sophia“ (European Naval Force Mediterranean, Anm.d.Red.) und NGOs zusammen. Außerdem beteiligen sich  immer mehr private Initiativen und Vereine an der Menschenrettung.

Allein vergangenen Montag nahmen Helfer auf ihren Booten 6500 in Seenot geratene Flüchtlinge auf. Das waren an einem Tag mehr als doppelt so viele Menschen wie in der Woche davor. Das Einsatzgebiet erstreckt sich bis vor die Küste Afrikas, allerdings nicht bis in nationale Hoheitsgewässer. Westlich von Tripolis, der Hauptstadt Lybiens, liegt die Stadt Sabrata. Von dort aus sollen am Montag die Boote gestartet sein. Bis in die erweiterte Wirtschaftszone  sind es vom Festland knapp über 22 Kilometer, bis zum nähesten Punkt in Italien, der Insel Lampedusa, weitere 278. Das entspricht in etwa der Distanz, die ein Flugzeug von Wien nach Ljubljana zurücklegen würde.

Die vergangenen Tage lassen vermuten, dass gegen Ende des Sommers wieder mehr Asylsuchende den Fluchtweg über das Mittelmeer nehmen. In Vergleich zum Vorjahr sind in Summe aber deutlich weniger Menschen über den Seeweg angekommen.

Mehr Tote als im Vorjahr
Laut IOM (International Organisation of Migration, Anm.d.Red.) flüchteten zwischen Jänner und August 2016 rund 272.000 Menschen über das Meer nach Italien, Spanien, Griechenland und Zypern. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es rund 355.000. Eine stiller Begleiter in diesen Statistiken sind die Menschen, die nicht ankommen. 2016 sind bereits 3165 Flüchtlinge ertrunken oder gelten als vermisst. Das sind rund 19 Prozent mehr als letztes Jahr.

Die Flucht über das Mittelmeer ist 2016 gefährlicher als je zuvor. Warum aber gibt es mehr Tote, obwohl weniger Menschen die Überfahrt antreten? Wie entwickelt sich die Operation „Sophia“ und welche Ziele hat sie? Reichen die eingesetzten Rettungskräfte nicht aus? Müssen diese ihre Zusammenarbeit besser koordinieren? Und wie lässt sich langfristig verhindern, dass Menschen auf ihrer Flucht im Meer ertrinken?

Mit diesen Fragen wendet sich mokant.at in den nächsten Wochen an politische  Vertreter  in Österreich, der EU und an NGOs. Weitere Beiträge sind in Planung.

Artikel von David Steiner und Markus Füxl

Titelbild: (c) Sabrina Freundlich


Passend dazu…

Mehr dazu…


Blase_rot-150x150Hat dir dieser Artikel gefallen? Jetzt kannst du Supporter werden und damit unabhängigen Journalismus fördern! Wenn du über unsere neuen Artikel informiert werden willst, kannst du dich hier zu unserer Dienstagspost anmelden.

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.