Demonstration: Schreiduelle ums Burkaverbot

(c) Barbara Bürscher

Am Sonntag demonstrierten rund 30 Menschen am Minoritenplatz gegen das Burkaverbot. Kurz kam es zu Schreiduellen mit einer verschleiterten Gegendemonstration. Insgesamt verlief die Kundgebung friedlich.

Noch bevor die Kundgebung richtig losgeht, biegen Gegendemonstranten um die Ecke. Die Gruppe hat eine aufblasbare Palme im Gepäck. Einige von Ihnen sind mit Niqab bekleidet. „Ihr demonstriert gegen das Burkaverbot. Wo sind eure Burkas?“, schallt es aus dem Megafon. Die Teilnehmer der Kundgegbung reagieren schnell und versammeln sich mit ihren vorsorglich mitgebrachten Transparenten vor den Gegendemonstranten. Die Polizei bringt sich zwischen den Parteien und ihren Schreiduellen in Stellung. Nach wenigen Minuten zieht die Gegendemonstration, die von der rechten Gruppe der Identitären organisiert wurde, samt Palme und Niqab davon. Danach startet die Kundgebung.

Die Identitären mit Vollverschleierung bleiben bei der Demonstration gegen das Burkaverbot die einzigen, die das umstrittene Kleidungsstück tragen. Keine, der rund 150 vollverschleierten Frauen, die in Österreich leben, befinden sich unter den etwa 20 bis 30  Teilnehmern.

(c) Barbara Bürscher

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Niqab und Burka sind nicht die traditionelle Bekleidung muslimischer Frauen. Im Koran ist die Vollverschleierung nicht vorgesehen. Die Ausbreitung des Gesichtsschleiers in der heutigen Form startete erst in den 1970er Jahren und gilt als Bekenntnis zu einer salafistischen Lebensweise, heißt es in einem Kommentar der Wochenzeitung Die Zeit. Obwohl viele Gegnerinnen des Burkaverbots keine Freunde der Vollverschleierung sind, sind sie gegen das Burkaverbot. Oder besser gesagt: Sie sind dagegen, sich von anderen vorschreiben zu lassen was sie anziehen sollen.

Auf dem Minoritenplatz wird daher nicht nur gegen das Burkaverbot demonstriert, sondern gegen die Unterdrückung und Bevormundung von Frauen und Minderheiten. Es ist eine Kundgebung gegen Kapitalismus, das Patriarchat und gegen White Supremacy. Dagegen, dass weiße Männer darüber diskutieren, was Frauen anziehen bzw. ausziehen müssen.

Verbale Attacken, Spucken und Schubsen
Muslimische Frauen würden sich angesichts der anhaltenden Hetze gegen die gesamte Religionsgemeinschaft auf den Straßen nicht mehr sicher fühlen, sagt eine Veranstalterin. „In den letzten Monaten, nach mehreren Attacken gegen mich oder Freundinnen – von verbalen Attacken über Anspucken über Schubsen beim Überqueren der Straße – setze ich mich in der U-Bahn bewusst mit dem Rücken zur Glaswand. Ich stehe nicht mehr in der Nähe des Gleises, sondern suche mir Punkte, wo ich weiß ich kann mich festhalten, falls jemand mich schubsen möchte“. Immer, wenn es um das Kopftuch gehe, werde so getan, als wären Frauenrechte wichtig: Während bei alltäglicher Belästigung von Frauen – sei es aufgrund ihrer Hautfarbe, Kleidung, Sexualität oder anderen Aspekten – die Mehrheit schweige, wollen alle Musliminnen befreien und „sind plötzlich Frauenrechtler“. In der Realität sieht es anders aus: Laut der Dokumentationsstelle zur Durchsetzung von Gleichbehandlung für Muslime richteten sind 95 Prozent der islamfeindlichen Ereignisse gegen muslimische Frauen.

Hier ein paar Fotoeindrücke von der Demonstration:

(c) Barbara Bürscher

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Nach dem Schreiduell ziehen die Gegendemonstranten wieder davon.

(c) Barbara Bürscher

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Vor dem Integrationsministerium halten die TeilnehmerInnen Transparente hoch. „Habt ihr keine anderen Probleme?“, „Nein zu sexualisierter Gewalt“ oder „Hey minister, hands off my sister“ ist darauf zu lesen.

(c) Barbara Bürscher

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Unter den 20 bis 30 Demonstrierenden finden sich Frauen und Männer.

(c) Barbara Bürscher

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Demonstriert wird nicht nur gegen das Burkaverbot, sondern auch für mehr Solidarität und Toleranz.

Titelbild: (c) Barbara Bürscher


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Barbara Bürscher ist als Redakteurin für mokant.at tätig. Kontakt: barbara.buerscher[at]mokant.at

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