Akademikerball Demo: Das letzte Urteil?

(c) Michel Mehle Prozess: Akademikerball Demo

Nach zwei Jahren wurden die letzten Anklagen im Fall der Akademikerball-Demo 2014 entschieden. Der Konflikt ist damit nicht vorbei.

Vor dem Wiener Landesgericht weht die Fahne der Antifa-Bewegung. Davor demonstrieren einige junge Erwachsene in schwarzem Gewand. Sogar einen kleinen Pavillon haben sie aufgebaut. Drinnen hängen Transparente mit Schriftzügen gegen Faschismus und Repression.

Die Männer und Frauen vor dem Wiener Landesgericht warten auf eine Urteilsverkündung zu einem Fall, der über zwei Jahre zurückliegt. Damals, im Jänner 2014, bei Demonstrationen gegen den Akademikerball, entlädt sich der Zorn einiger Demonstranten vor einer Wiener Polizeiinspektion. Mit einer Eisenstange und einem Bengalen wird ein Polizeiauto zerstört. Beamte werden mit Steinen beworfen.

Der Deutsche Josef S. wird damals als Rädelsführer ausgemacht und im Juli 2014 zu vier Monaten unbedingter Haft verurteilt. Doch damit ist der Fall nicht abgeschlossen. Gut zwei Jahre nach den Ausschreitungen mussten sich heute zwei weitere Demonstranten vor dem Wiener Landesgericht verteidigen. Beide sollen Steine auf das zerstörte Polizeiauto geworfen haben. Einer auch auf Beamte. Der drohende Strafrahmen: bis zu zwei Jahre Haft.

Der Großteil der Vorwürfe fällt relativ schnell in sich zusammen. Dem Angeklagten D. kann letztlich nur mehr vorgeworfen werden, dunkel gekleidet und lachend vor der Wiener Polizei geflüchtet zu sein. Der zweite Angeklagte S. gab an, Steine aus Porenbeton in Richtung der Polizei geworfen zu haben – auch das reicht in diesem Fall nicht für eine Verurteilung aus.

Angeklagter D. bekommt einen glatten Freispruch. Angeklagter S. muss mit drei Monaten bedingter Haft rechnen – jedoch aufgrund eines anderen Tatbestands: In Spielfeld versetzte er mutmaßlich 2015 einem Mann bei einer Demo von Identitären einen Schlag gegen den Hinterkopf. Beide Urteile sind noch nicht rechtskräftig.

Die Verhandlung ist trotzdem heikel. Die Sitzbänke des Gerichtssaals sind während der Verhandlung bis auf den letzten Platz gefüllt. Unterstützer der Angeklagten aus Deutschland und Österreich sind angereist. In den Pausen werden sie aufmerksam von der Justizwache gemustert. Draußen wird von Anhängern der Antifa demonstriert. Auch hier passen Polizisten nach der Urteilsverkündung auf, dass nichts passiert. Auf einmal scheinen die Fronten von 2014 wieder lebendig zu sein. Selbst wenn das letzte Urteil hierzu eigentlich gesprochen wurde.

 

Titelbild: (c) Michel Mehle

Passend dazu…

Blase_rotHat dir dieser Artikel gefallen? Jetzt kannst du Supporter werden und damit unabhängigen Journalismus fördern! Wenn du über unsere neuen Artikel informiert werden willst, kannst du dich hier zu unserer Dienstagspost anmelden.

Michel Mehle ist als außerordentlicher Redakteur für mokant.at tätig. Kontakt: michel.mehle[at]mokant.at

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.