Reiseguide: Nepal (2)

Lebende Gottheiten, Affentempel und majestätische Bergriesen. Auf der Reise durch das höchstgelegene Land der Welt – Teil 2

Tipp 4: Entdecke den Yogi in dir
Selbst dem rational denkendsten Agnostiker wird es in Nepal schwer fallen, keinen Anfall von Spiritualität zu bekommen. Mantren singende hinduistische Brahmanen, sich drehende Gebetsmühlen, buddhistische Mönche und zwischendrin in sattem Blutrot beschmierte Opferaltare für diverse Naturgottheiten – das ist der wilde und faszinierende Religionen-Mix Nepals. Allgegenwärtiger Räucherstäbchengeruch und sanfte Meditationsklänge aus den Souvenirläden an jeder Straßenecke tun das Übrige. Bald stoppt man selbst an jeder Gebetsmühle, um eine Runde zu drehen. Und das Mantra „Om mani padme hum“, quasi ein vertontes Nationalheiligtum, entwickelt sich zum persönlichen Ohrwurm und unkonventionellen Sommerhit. Diese spirituelle Anwandlung führt einige Nepal-Besucher auch in eines der zahlreichen Yoga Center. In diesen versuchen geduldige Yogis und Yoginis (ja, so nennt man Yoga-Praktizierende wirklich) gestresste und muskulär-verkürzte Touristen in die Yoga-Philosophie einzuweisen. Besonders spirituell infizierte Reisende zieht es oftmals sogar spontan ins buddhistische Kloster – im Rahmen eines zehntägigen Silent Retreats. Natürlich inklusive Digital-Detox-Programm.

Affentempel Kathmandu

Foto: (c) Cornelia Michna

Drei Dinge, die du nicht tun solltest:
1. Monkey Business: Klar, die zahllosen Affenhorden beim gleichnamigen Affentempel sind süß und für Affenverhältnisse auch nur dezent kleptomanisch veranlagt. Dennoch: Halte die Kamera zurück. Keiner möchte sich zu Hause mehr als dreihundert Affenfotos ansehen.

2. Meide geschäftstüchtige Brahmanen! Die hinduistischen Gelehrten und Priester verfügen über außerordentliches Geschick, sich in perfekter Meditationshaltung vor den Kameraobjektiven der Touristen zu positionieren. Ein tolles Fotomotiv geben sie ja ab, besonders in Gruppen – aber mit den fünf Dollar Fotogebühr pro Brahman rechnet niemand.

3. Wandern in der Regenzeit: Gut, es hat auch Vorteile, in der Nebensaison in Nepal wandern zu gehen. Niedrige Preise, freie Zimmer und die traumhafte Naturkulisse sind dann fast gänzlich für sich alleine zu haben. Dagegen spricht aber ein einziges, schlagkräftiges Argument: der Regen. Die Frage, warum man sich das eigentlich antut, kommt nicht nur einmal auf, wenn man bereits seit über fünf Stunden im Regen marschiert. Aber keine Angst: Die Nässe nimmt man fast nicht mehr wahr, wenn schon seit drei Tagen alles bis zur Unterhose feucht ist und die Schuhe vor lauter Wasser bei jeder Bewegung ein Schmatzkonzert hinlegen. Ach ja, und dann wären da noch die Blutegel.

 Von schwindelnden Höhen und lebenden Gottheiten

Reiseguide von Cornelia Michna

Titelbild: (c) Cornelia Michna


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