Reiseguide: Nepal

Titelbild: (c) Cornelia Michna

Lebende Gottheiten, Affentempel und majestätische Bergriesen. Nepal, das höchstgelegene Land der Welt, hat viel zu bieten. Damit man auch im Fall eines Sauerstoffmangels in den luftigen Höhen nicht den Überblick verliert, findet ihr hier nützliche Reisetipps

Was Nepal an Größe fehlt – das kleine Land zwischen China und Indien ist gerade einmal so groß wie Österreich und Bayern zusammen – macht es mit der Anzahl versammelter Höhenmeter gewiss wieder gut. Über vierzig Prozent des Landes liegen auf über dreitausend Meter – für bergaffine Reisende also ein Muss. Wer seine Wanderschuhe lieber zu Hause lässt, für den bietet Nepal dennoch genug: Tief verwurzelte Religiosität, omnipräsenter Räucherstäbchengeruch und Kühe als Verkehrsteilnehmer schaffen eine einzigartige Atmosphäre, die Reisende nicht mehr so schnell loslässt.

Tipp 1: Höhenluft schnuppern
Acht der vierzehn Achttausender dieser Welt liegen, zumindest teilweise, in Nepal – inklusive des Stars der internationalen Bergwelt, Mister Mount Everest höchstpersönlich. Heißt man nicht gerade Reinhold Messner, sollte man die Idee einer Gipfelbesteigung wohl besser auf dem Wunschfriedhof begraben. Unzählige Wanderrouten bieten nichtsdestotrotz die Möglichkeit, die Bergwelt des Himalayas zu erforschen. Zu unterschätzen sind diese Touren jedoch nicht: Stellen in der österreichischen Heimat Dreitausender mächtige, felsbekleidete Gipfel dar, sind diese in Nepal saftig grüne Miniatur-Berge für einen Sonntagnachmittags-Spaziergang. Um also zumindest ansatzweise in die Nähe der höchsten Gipfeln auf Erden zukommen, muss man schon hoch hinaus – wie zum Beispiel zum Annapurna (4130 Meter) oder zum Everest Base Camp (5364 Meter).

Tipp 2: Nicht den Alpenrepublik-Bürger raushängen lassen
Wäre tagelanges Bergaufwandern nicht schon anstrengend genug, gibt es hierbei auch noch ein klitzekleines physikalisches Problem: Die Luft enthält in der Höhe zwar nicht weniger Sauerstoff, durch den mit zunehmender Höhe geringeren Luftdruck nimmt der menschliche Körper aber weniger Sauerstoff auf. Dies kann den Effekt verursachen, dass der Körper wortwörtlich nicht ganz auf der Höhe ist. Fachlich korrekt als Höhenkrankheit bezeichnet, können erste Symptome bereits in 2500 Meter Höhe auftreten. Wobei es bei den Meisten ab 4000 Meter, mit dem Gefühl mindestens drei Bier zu viel getrunken zu haben, beginnt. Mit dem Argument, den Strapazen der Höhe sicherlich trotzen zu können, da man ja stolzer Bürger der Alpenrepublik Österreich ist, kommt man sich also plötzlich ziemlich dumm vor (vor allem, wenn man eigentlich aus dem Flachland Niederösterreichs kommt). Vorbeugend wirken also weder Nationalität noch Fitnesslevel, sondern nur eine langsame Akklimatisation an die Höhe. Überambitionierte Tagesetappen sind tabu. Ist das Ziel erreicht, fühlt man sich aber so, als hätte man nun zumindest den Vorgarten der Achttausender-Gipfel erreicht. Mit einem Bergpanorama, das seinesgleichen sucht.

Brahmane Kathmandu

Foto: Brahmane in Kathmandu (c) Cornelia Michna

Tipp 3: Keine Fotos von lebenden Gottheiten
Möchte man einen Einblick gewinnen, wie tief verankert die Religion im täglichen Leben Nepals ist, sollte man dem Kumari Chowk Tempel am Durbar Square in Kathmandu einen Besuch abstatten. Einmal täglich erscheint dort auf dem reich verzierten Holzbalkon des Innenhofes ein kleines Mädchen. In verheißungsvolles Rot gekleidet, mit zahlreichem Silberschmuck behängt und einem kunstvoll in die Mitte ihrer Stirn gemalten dritten Auge blickt sie für ihr junges Alter recht erhaben herab. Der unablässige, aufgeregte Ruf „Don’t make photos!“ des Personals lässt erahnen, dass hier wohl gerade etwas Bedeutsames stattfindet. Während die gläubigen Hindus beim Anblick des Mädchens in Aufruhr geraten, stehen westliche Touristen etwas überfordert von der skurrilen Szene da. Erst hilfsbereite Guides klären darüber auf, dass es sich bei dem Mädchen um die Living Goddess Kumari, also eine Reinkarnation der hinduistischen Göttin Kumari, handelt.

Ziemlich verrückte Sache – das Auswahlverfahren, in dem eine neue Kumari bestimmt wird, toppt das Ganze aber noch um Welten. Eine Art Ältestenrat wählt aus hunderten von Mädchen zwischen drei und fünf Jahren jene aus, die einer Liste von 32 Eigenschaften entsprechen: Unter anderem müssen sie einen Nacken wie eine Muschel haben, einen Körper wie ein Feigenbaum und Wimpern wie eine Kuh. Diese Mädchen werden zu Mitternacht in den Hof des Tempels gesetzt, umgeben von frisch abgetrennten Büffelköpfen und wild tanzenden Männern in Dämonenmasken. Die Furchtloseste wird zur neuen Living Goddess erkoren. Sobald sie zum ersten Mal menstruiert, wird sie jedoch ausgetauscht und muss fortan ein normales Leben führen. Wie das Zusammenleben mit einer pubertierenden, ehemaligen lebenden Gottheit aussieht, möchte man sich wohl lieber nicht ausmalen.

 Über Yogis, Digital-Detox und Affentempel

Reiseguide von Cornelia Michna

Titelbild: (c) Cornelia Michna


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