Festivals: Pro und Kontra (2)

Wenn es um große Musikfestivals geht, scheiden sich die Geister. Auch unsere Redakteure Markus und Agnes haben recht unterschiedliche Meinungen dazu:

Foto: (c) Markus Füxl

Foto: (c) Markus Füxl

Markus: Die Leute
Sowohl am Zeltplatz als auch vor den Bühnen fungiert das Gelände als soziologisches Biotop, dem ich als Hobbypsychoanalytiker leidenschaftlich gerne beim Keuchen und Fleuchen zusehe: Bodysuits und Pferdeköpfe in der größten Hitze, Coachella-Modeattitüde samt Minirock und Blumen-Crop Top bei klirrenden Temperaturen: Auf Festivals kommt zusammen, was nicht zusammen gehört: Hier trifft die Bankerin mit dem kleinen Black Flag-Tattoo am Oberarm auf den in den 70er Jahren hängen gebliebenen Led Zeppelin-Fan, der mit nacktem Oberkörper und langer Mähne zu Wolfmother sein Bier verschüttet. Man plaudert und schließt Bekanntschaften, alles unter dem Deckmantel der Anonymität der Zeltgroßstadt. Vegas, Baby: Was auf dem Festival passiert, bleibt auf dem Festival.

Agnes: Die Unbequemlichkeiten
Was mir bestimmt nicht abgeht, sind die weiten Wege, die man zu Fuß zurücklegen muss. Wir sind halt jetzt auch nimmer die Jüngsten. Das fängt schon mal beim Weg vom Parkplatz zum Zeltplatz an und dann auch zu den Bühnen oder zwischen den Bühnen. Ich hatte im Dunkeln immer Probleme zurück zum Zelt zu finden und hab dann oft bei irgendwelchen Typen mit Bierbong oder anderen seltsamen Utensilien geschlafen. So lustig es auch war, dass mir damals 2009 am Nova Rock ein wildfremder Typ die Haare mit einem Buschmesser geschnitten hat, heute würde ich das wohl nicht mehr machen. Obwohl er sie überraschend gut ausgedünnt hat. Ein bisschen schräg geschnitten waren sie halt.

Markus: Der Gedanke
Obwohl mir der Altrocker begeistert über seine Erlebnisse mit den vergangenen Musikgrößen am Woodstock Festival berichtet, war ich selber natürlich nicht dort. Auf den großen Festivals in Deutschland und Österreich fröne ich dennoch gerne regelmäßig dem Goldenen Zeitalter Syndrom über eine Hippie-Ära, zu der ich noch nicht mal auf der Welt war. Wo sonst kann man sich so gut eins mit dem Universum fühlen als in einer riesigen Menschenmasse, die lautstark und unisono (mehr oder weniger) die gleiche Zeilen über die große Liebe, das Leben und den Tod und den Weltfrieden mitgrölen?

Agnes: Fazit
Auch wenn es vielleicht spießig klingt, aber für mich ist das mit den großen Festivals gelaufen. Ich geh gerne auf Konzerte, schlaf danach aber lieber in meinem Bett als in einem feuchten, ungemütlichen Zelt oder bei zwielichtigen Männern. Obwohl ich zugeben muss, dass mir die Fingerfarbenorgien ein bisschen abgehen, die wir immer veranstaltet haben. Aber alles zu seiner Zeit.

Markus: Fazit
Festival bedeutet für mich Urlaub. Zugegeben, über die Jahre bin ich bequemer geworden: Ich bevorzuge mittlerweile ruhiges Greencamping statt Dauerbeschallung aus Musikanlagen, das Fischbrötchen um fünf Euro statt halbwarme Dosenravioli und frischen Kaffee statt Red Bull. Das Survivalfeeling bleibt, auch wenn man etwas tiefer in die Geldbörse greift und sich etwas Luxus gönnt. Am Montag darauf sitze ich ohnehin wieder im Büro. Bis dahin ist man auch meist wieder nüchtern, ausgeschlafen, mit Antibiotika versorgt und der Sonnenbrand tut auch nicht mehr ganz so weh. Was bleibt, sind die Erinnerungen an drei Tage Hedonismus und die Gewissheit, das Ganze im nächsten Sommer zu wiederholen.

Pro und Kontra: Musikalische Perlen und teure Karten

Titelbild: (c) Markus Füxl


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Markus Füxl studiert Publizistik- und Kommunikationswissenschaft in Wien und ist als Redakteur für mokant.at tätig. Kontakt: markus.fuexl[at]mokant.at

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