Angst: Albtraum-Stories der Redaktion

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Schlecht geträumt? Wir auch. Eine kuriose Sammlung von Angst- und Albträumen der mokant-Redaktion.

Genau wie um das Leben nach dem Tod rankt sich auch um das Kopfkino im Schlaf ein gewisser Mythos. Es ist wissenschaftlich schwer zu erforschen und umstritten, warum uns Albträume plagen. Neben allerlei schwindeligen Internetseiten über Traumdeutung könnte man beispielsweise dem guten alten Sigmund Freud Glauben schenken, dessen Theorien über das Unterbewusstsein bekanntlich nicht gerade vor Kreativität strotzen (Du träumst vom Reiten? Das heißt, du willst Sex. Du träumst vom Fliegen? Du willst Sex. Du verlierst im Traum deine Zähne? Du hast Angst, deine Sexualität zu verlieren).

Wir halten uns mit diesem Artikel lieber fern von jeglichem Traumdeutungshokuspokus und bieten stattdessen Erfahrungsaustausch. Anlässlich unseres Angst-Schwerpunkts verraten Mitglieder der mokant-Redaktion ihre Albträume und ihren Umgang damit. Das entstandene Sammelsurium unserer tiefsten und kuriosesten Ängste zeigt: Wir erfüllen jedes noch so abgedroschene Albtraum-Klischee.

Omas Sirenenschrei (Katharina E. #1)
Ein immerwährender Albtraum, der mich seit meiner Kindheit verfolgt, ist der Schrei meiner verstorbenen Oma – ganz schrill und hohl. Dabei schreit sie nicht einfach so, sondern baut auf eine ganz andere, ziemlich simple Geschichte auf: Es beginnt immer damit, dass ich auf der Spitze von einem Wiesenhügel stehe, der steil bergab auf ein Zuggleis führt. Die Schienen liegen dabei knapp nebeneinander und auf der anderen Seite geht es gleich wieder steil bergauf. Ich stehe nun auf dem Gipfel und gehe hinunter. Aber plötzlich schreit meine Oma und ich rutsche runter auf die Gleise und kann den Vorgang nicht aufhalten, denn die Wiese hat sich in glattes Metall verwandelt. Und hier warte ich dann panisch darauf, dass ein Zug kommt oder versuche wechselweise doch noch die steile Fläche hinaufzuklettern – mit und ohne Anlauf. Also wenn ich nicht eh schon durch den schrillen Schrei meiner Oma erwacht bin.

Mittlerweile hatte ich diesen Traum schon seit 5 Jahren nicht mehr. Vielleicht habe ich ein Trauma, das dem Traum zu Grunde legt, bereits überwunden. Doch die Bilder und Töne werden mir wohl nie aus dem Kopf gehen.

Sie werden mich kriegen (Rebecca)
Sie sind hinter mir her und ich kann sie nicht abschütteln. Vier oder fünf Männer, ich ein kleines Mädchen. Zuerst die Straße entlang bis zu unserer Haustür. Ich hinein, sie hinterher. Ich die Treppe hinauf, sie hinterher. Bum-bum, Bum-bum, ein ständiges, immer schneller und lauter werdendes Pochen im Hintergrund. Nach der Treppe muss ich mich für eine Richtung entscheiden. Ich wähle jedes Mal dieselbe: Durch die Küche und ins Wohnzimmer. Obwohl ich weiß, dass mich diese Entscheidung wie immer in eine Sackgasse führen wird. Im Wohnzimmer angekommen verstecke ich mich hinter unserem Sofa (auch in der realen Welt mein überaus kreativer Lieblingsplatz beim Versteckspiel). Dort kauere ich, lausche meinem inzwischen ohrenbetäubend lauten Herzschlag und beobachte durch einen kleinen Spalt zwischen zwei Couchteilen die Tür. Die Männer kommen durch die Tür. Sie gehen zielstrebig auf mein Versteck zu, schieben die beiden Sofateile auseinander, und ich wache auf.

Im Laufe der Jahre haben die ständigen Wiederholungen meines selbst-inszenierten Thrillers „Die Männer“ glücklicherweise aufgehört. Als Kind hatte ich diesen Albtraum jedoch gefühlte hundert Mal, vor allem wenn ich Fieber hatte. Ich wüsste gerne, warum sich ausgerechnet dieses Szenario in meinem Unterbewusstsein festgesetzt hat. Ein Filmkritiker würde die Dramaturgie, die jedem Hitchcock-Klassiker Konkurrenz macht, besonders lobend hervorheben (mein eigenes Herzklopfen als Soundtrack – darauf muss ein Kind, dessen Eltern jede zweite Zeichentrickserie als zu brutal fürs Töchterlein eingestuft haben, erst kommen). Der Traum lief außerdem jedes Mal bis aufs kleinste Detail exakt gleich ab. Mir war sogar während dem Träumen bewusst, dass sich alles wiederholt. Ich wusste, was mein frustrierend einfallsloses Traum-Ich als nächstes machen würde und dass sie mich kriegen würden. Ich fühlte mich der Szene hilflos ausgeliefert, da ich mich niemals wehrte oder einen anderen Weg einschlug. Vielleicht hätte mir damals mal jemand von der Technik des Luziden Träumens erzählen sollen.

(c) Rebecca Steinbichler

(c) Rebecca Steinbichler

Ich kann nicht schreien (Sofia)
Ich wache auf. Die schweren Vorhänge lassen nur einen dünnen Strahl gelblichen Lichts durch, sodass ich fast nichts erkennen kann. Neben meinem Bett steht wieder er. Steht einfach nur da. Still und drohend. Ich kann sein Gesicht nicht erkennen. Es liegt im Schatten, ist tief grau, wie seine gesamte Gestalt. Trotzdem weiß ich, dass er mich ansieht. Ich spüre kalten Schweiß meinen starren Rücken entlang rinnen. Ich kann nicht schreien. Ich kann mich nicht rühren. Es bleibt mir nichts anderes übrig, als ihn ebenfalls anzusehen. Ich weiß, dass er nicht real ist. Ich weiß, dass er nur ein Schatten ist, irgendwo in einer Welt der Dämmerung, zwischen Traum und Realität. Nein, nicht zwischen Traum und Realität, nur im Traum…oder?

Vor dem Aufprall (Katharina R.)
Als Kind hatte ich nicht oft Albträume. Wenn ich dann mal einen hatte, war es immer derselbe: Ich stand mitten in einem runden Treppenhaus, dessen Boden mit schwarz-weißen Fliesen ausgekachelt war. Ringsherum gafften mich riesige dunkle, geschlossene Wohnungstüren an. In der Mitte des Treppenhauses klaffte ein schwarzes Loch, wie eine Wunde. Ich blickte in die nicht endend wollende Finsternis hinab und verlor das Gleichgewicht. Während ich in die Tiefe fiel wollte ich nach Hilfe schreien, doch ich brachte kein Ton heraus. Ich versuchte es mit aller Kraft erneut, aber vergebens. Jedes Mal erwachte ich genau im Moment des eigentlichen Aufpralles in meinem Bett. Ängstlich, aber erleichtert.

 Weitere Albträume

Titelbild: (c) Rebecca Steinbichler


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Rebecca Steinbichler ist Redakteurin und stellvertretende Ressorleiterin (Gesellschaft) bei mokant.at. Kontakt: rebecca.steinbichler[at]mokant.at

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