Populismus: Das Spiel mit der Angst (2)

(c) Sophie Minihold

In der politischen Angstwelt der Populisten werden außerdem schnelle Antworten und Lösungen gefordert. Das geschieht meist durch die vereinfachte Darstellung von komplexen Sachverhalten. „Jedes politische Problem wird in ein Personen-Problem übersetzt. Um diese Art von Politik machen zu können, braucht es keine Sachkenntnisse“, sagt Ötsch. Ein gutes Beispiel sei das Thema Haushalt, denn der politische Haushalt werde mit dem einfachen Familienhaushalt gleichgesetzt. Dadurch fallen viele politisch relevante Themen unter den Tisch.

Dieser Aussage stimmt Elisabeth Wehling zu. „Populisten haben das Problem, dass sie keine Fakten auf den Tisch legen. Sie reden nur über Werte, haben aber keine handfesten Beweise.“ Trotzdem seien am Ende des Tages nicht die Fakten der Grund für politische Entscheidungen der Wähler, sondern das moralische Bauchgefühl. „Wenn die Populisten eines richtig machen, dann ist es das moralische Bauchgefühl der Wähler anzusprechen.“ In der Weltsicht der Populisten gebe es diese Werte und Ungerechtigkeiten, die sie propagieren. Deshalb stellt sie fest: „Man muss ihre Taktik nicht richtig finden, aber sie machen es gut.“ In einer von ihr durchgeführten Studie an der Universität von Berkeley zeigte sich, dass moralische Empörung für die Mobilisierung von Wählerstimmen am besten funktioniert.

Wahlentscheidungen: Das moralische Bauchgefühl
Moralische Empörung lässt sich gut mit Angst und Zweifel kombinieren. Für Ötsch sind dabei nicht die Ängste der Wähler das Problem, sondern die Übersetzung dieser Ängste durch Populisten in ein bestimmtes Weltbild. Die Flüchtlingssituation werde durch rechte Parteien dazu genutzt, um die Stimmung aufzuheizen und Menschen zu verunsichern, darin sind sich die Forschenden einig. Hier dient politische Sprache nicht nur zur Kommunikation, sondern sie konstruiert und beeinflusst gesellschaftliche Zustände. Die Ängste der Wähler sollen von Parteien angesprochen und sachlich behandelt werden. Problematisch sei, dass die FPÖ diese Ängste schürt und damit die österreichische Demokratie allgemein in Frage stellt, wie im aktuellen Fall der Wahlanfechtung.

Der Wahlgang zum Bundespräsidenten nahm für die Freiheitliche Partei einen unzufrieden stellenden Ausgang. Die logische Konsequenz der FPÖ ist Skepsis gegenüber der korrekten Auszählung der Stimmen. Doch damit stelle die Partei die Legitimität des Systems per se in Frage, sagt Walter Ötsch. Unabhängig davon, wie die Anfechtung der Wahl juristisch ausgeht, gehe es um die Aufrechterhaltung eines Verschwörungsmythos. Das lasse Teile der österreichischen Bevölkerung an der Legitimität zweifeln. Walter Ötsch fasst die Kombination von Angst und Populismus folgendermaßen zusammen: „Angsterfüllte Politik bringt keine Lösungen. Diese Politik dreht sich im Kreis.“ Angst sei nur die Antwort auf die Gegenwart, aber keine Grundlage für die Zukunft.

Titelbild: (c) Sophie Minihold


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Sophie Minihold ist als Redakteurin für mokant.at tätig und studiert Publizistik- und Kommunikationswissenschaft in Wien. In ihrer Freizeit ist sie auf Konzerten zu finden. Derzeitiges Lieblingslied: Beirut - No No No

2 Comments

  1. falsche@gmx.at'

    Ludwig von Leiner

    21. Juni 2016 at 18:05

    Mir ist das zu vereinfacht dargestellt. Klar bedienen sich rechtspopulistische Parteien diesen rhetorischen Mitteln. Aber das machen die „linkspopulistischen“ Parteien wie GRÜN und SPÖ doch ganz genau so. Würden sie das nicht genauso machen wären sie ja dumm. Ich weiß also nicht, warum diesem Thema so viel Bedeutung geschenkt wird.
    Rechtspopulistische Parteien werden gewählt weil sie die Ängste und Sorgen in Hinblick auf Verfehlungen beim Thema Migration ernst nehmen.

    Grüne Bewegungen werden gewählt weil sie die Ängste und Sorgen in Hinblick auf Verfehlungen beim Thema Umwelt, Natur, Klima ernst nehmen.

    Linke Parteien werden gewählt weil sie die Ängste und Sorgen in Hinblick auf die „nationalsozialistischen“ Strömungen ernst nehmen.

    Jeder spricht sein Wählerpotential an. Das Wählerpotenzial bei den rechten ist aktuell aufgrund der Flüchtlings- und Asylthematik größer als jenes der anderen.

    Aber auch Naturkatastrophen und andere Dinge werden irgendwann wieder aktuell(er) werden und davon profitieren dann die anderen Bewegungen.

    • anna1234@gmx.at'

      anna

      21. Juni 2016 at 22:22

      da ist ganz sicher was wahres dran und prinzipiell stimme ich ihnen zu. ich hab allerdings nichtd en eindruck, dass rechte bewegungen ängste und sorgen auf verfehlungen bei der migration ernst nehmen. ich hab eher das gefühl, dass sie ganz bewusst und gezielt eben diese ängste erst schüren. da ist ein großer unterschied. außerdem führen diese ängste dann zu vorurteilen, diskrminierung und schließlich oft sogar zu hass und gewalt. das ist bei ängsten in bezug auf naturkatastrophen nicht der fall

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