Czak: „Für mich sind die Leichen von Strache gerannt“

Foto: (c) Christina Stowasser

Ex-Offizier Peter-Erik Czak war als Wahlkampfleiter von Richard Lugner für die Kasperlinszenierung verantwortlich. Der Kommunikationstrainer wollte damit seinem ehemaligen NLP-Schüler Norbert Hofer Stimmen stehlen.

Peter-Erik Czak ist vermutlich alles, nur kein unbeschriebenes Blatt. 1958 beginnt er seine Berufsausbildung an der Militärakademie Wiener Neustadt, 1970 gerät er in einer Sendung des ORF mit dem damaligen Bundeskanzler Bruno Kreisky aneinander und zettelt einen Untersuchungsausschuss über die damals frisch eingekauften Abfangjäger der Firma SAAB an. Er wird in Folge wegen Geschäftsstörung verklagt, der Prozess dauert fünf Jahre. Czak wird vorzeitig aus dem Dienst enthoben und bekommt in Folge laut eigenen Angaben einen „Freibrief“ vom Verteidigungsministerium. Mittlerweile bietet er Kommunikationstrainings an und gilt dabei als der härteste Trainer Österreichs. Anfang dieses Jahres coacht er Richard Lugner während des Bundespräsidentenwahlkampfes. Czak wird allerdings vom Baulöwen gefeuert, weil er einen gezielten Wahlkampf gegen die FPÖ führen will. Der Erfinder des Kasperls von Österreich über Intrigen in der Politik, seinen damaligen NLP-Schüler Norbert Hofer und warum ihn Cathy Lugners Ostblockfrisur so dermaßen stört.

mokant.at: Herr Czak, 1981 waren Sie als Brigadier 14 Jahre Verteidigungsattaché in Ungarn, Bulgarien, Schweiz, Deutschland und Holland tätig, das heißt Sie waren dort der oberste militärdiplomatische Beauftragte Österreichs. 2016 waren Sie Wahlkampfleiter von Richard Lugner. Was war die größere Herausforderung?
Czak: Ich habe Lugner ja bereits 1999 bei der Nationalratswahl unterstützt. Die Zeitungen haben damals über mich „Des Lugners General“ getitelt. Jetzt hat er mich wieder angerufen und ich habe zugesagt, ihn zu coachen. Ich persönlich komme mit dem Lugner ganz gut zurecht. Das Problem ist eben die Veränderung: Ein 19-Jähriger nimmt meine Inhalte viel schneller auf und kann sie umsetzen. Es ist allerdings schwierig, ein 83-jähriges Zirkuspferd zu coachen. Das ist mir aber gelungen, solange er meine Texte abgelesen hat. In dem Augenblick wo er anfängt frei zu sprechen, gibt es eine Katastrophe. Es war aber auch ganz lustig.

„Lugner hat geglaubt, Strache nominiert ihn als Kandidaten für die FPÖ“

mokant.at: Unter Ihrer Anweisung ist ja auch das Video Lugner For President entstanden. Das sollte in dieser Form aber gar nicht veröffentlicht werden, oder?
Czak: Genau, das war als Trainingsvideo gedacht. Richard und Cathy Lugner hätten den Text üben und ihn dann bei einer weiteren Veranstaltung frei herunterreden sollen. Der Text ist vollständig von mir und zu dem stehe ich auch, Wort für Wort. Ich wollte den Lugner ja von Anfang an gegen Norbert Hofer aufstellen. Der Text auf einem unveröffentlichten Plakat von mir war „Lugners gegen Rechts. Most Attractive Presidential Couple. Gegen den Schatten über Österreich“. Bevor man den Hofer wählt, hätte man Lugner wählen sollen, das war meine Botschaft. Beim Sammeln der Unterstützungserklärungen sind für mich die Leichen von Strache gerannt. Die von der FPÖ gefeuerten Funktionäre haben damals die letzten 800 erforderlichen Stimmen gebracht, das wäre sich sonst nie ausgegangen. Leider ist Richard Lugner ein Fan von Strache und Hofer. Das hat er schon lange vor der Wahl ausgedrückt: Bevor wir die Kandidatur bekannt gegeben haben, hat er gemeint, wir sollen noch etwas warten. Er hat im Ernst geglaubt, Strache nominiert ihn als Kandidaten für die FPÖ!

Foto: (c) Christina Stowasser

Foto: (c) Christina Stowasser

mokant.at: Das heißt ihre negative Einstellung gegenüber der FPÖ war für ihn der Grund, Sie zu feuern?
Czak: Lugner hat gesagt, er möchte keinen Wahlkampf gegen die FPÖ machen. Seine Einstellung ging nur gegen Rot-Schwarz. Er hat ja dann auch diesen komischen Rap gemacht, das war fürchterlich. Das haben ihm damals seine FPÖ-Buben eingeredet und damit war unsere Zusammenarbeit auch beendet. Er hat mich aber weiterhin nach sämtlichen Presse- und Fernsehveranstaltungen angerufen und gefragt: „War ich nicht gut?“. Wir hätten durchaus Chancen auf die Stichwahl gehabt und einen Gag nach den anderen gesetzt. Ich hätte beide auf die 48er drauf gesetzt, damit sie runter winken. Das hat dem Lugner sogar gefallen! Im Endeffekt hat ihm die Cathy ja das Ganze vermasselt mit ihren Outfits und so dummen Aussagen wie „Ich habe zwei gesunde Hände und einen gesunden Mund, deshalb brauchen wir kein Viagra.“ Ich habe anfänglich per WhatsApp sogar bestimmt, was sie anziehen soll. Aber die Cathy ist dahingehend sensationell. Die kann die teuersten Sachen geschmacklos anziehen- eine Handtasche um 4000 Euro, Kleider um 3000 Euro, aber die Zusammenstellung ist derart geschmacklos. Auch diese Ostblockfrisur bei den Auftritten, ganz gelb. Wenn sie spricht wirkt das bei ihr aber immer so fein, weil sie Deutsche ist. Wenn sie Österreicherin wäre, hätte sie einen fürchterlichen Dialekt.

mokant.at: Aus der Stichwahl mit Lugner ist bekanntlich nichts geworden. Wer war denn aus Ihrer Sicht zwischen Van der Bellen versus Norbert Hofer rhetorisch begabter?
Czak: Ich habe ja selbst die NLP Ausbildung bei der FPÖ genossen. 1997 war der Hofer dann mein Schüler. Er war ein schmächtiger, unscheinbarer, im Mittelfeld landender Bursche – völlig unauffällig und schüchtern. Rhetorisch war er aber um Klassen besser als Van der Bellen.

mokant.at: Sie selbst haben ja auf Hundstorfer gewettet, Lugner gecoacht und Griss gewählt…
Czak: Ja, ich selbst habe im ersten Durchgang Irmgard Griss gewählt, das wurde mir dann auch vehement vorgeworfen. Für mich war eine Herausforderung im Wahlkampf, gestalterisch zu wirken. Das macht Rhetorik aus: Ich kann meine Vorstellungen in die Realität umsetzen, indem ich Menschen überzeuge. Ich selbst lehre ja auch, dass man Geschichten erzählen soll, die logisch sind. Die Wahrheit ist dabei egal. Das machen bei ihren Auftritten übrigens alle Politiker. Mit einer theoretischen Botschaft alleine erzielen sie keine Wirkung. Bei der Tempelberggeschichte von Norbert Hofer im ORF ist das halt ein wenig schief gegangen. Nehmen wir als positives Beispiel die Bibel. Der heilige Martin teilt den Mantel und gibt sie den Armen. Daraus entwickelt man die Botschaft: Du sollst mit den anderen Teilen. Das ist Rhetorik.

Czak über seine Rolle im SAAB-Untersuchungsausschuss

Titelbild: (c) Christina Stowasser


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Markus Füxl studiert Publizistik- und Kommunikationswissenschaft in Wien und ist als Redakteur für mokant.at tätig. Kontakt: markus.fuexl[at]mokant.at

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