Czak: „Intrigen stehen in der Politik am Tagesprogramm“

mokant.at: Einen Teil ihres Wissens haben Sie in der politischen Akademie der ÖVP gesammelt. Haben Sie sich schon einmal überlegt selbst in die Politik zu gehen?
Czak: Nein, das Gegenteil ist der Fall. Ich habe über zwölf Jahre für die ÖVP gearbeitet und gesehen, dass die Politik das Letzte ist. Ich unterscheide aber sehr stark zwischen Kommunalpolitik und Landespolitik. Bürgermeister einer Gemeinde zu sein ist in Ordnung, aber ab der Landesregierung ist das ein fürchterlicher Job: Schlecht bezahlt, schlechtes Image, eine schlechte Lebensqualität und furchtbare Intrigen stehen am Tagesprogramm. Das würde ich nie im Leben machen wollen.

mokant.at: Apropos Intrigen: 1970 sind sie ja dennoch in Vollkontakt mit der österreichischen Politik gekommen. Sie haben in der Sendung „Abendschau“ eine Aussage getätigt, die in Folge zum Untersuchungsausschuss über die SAAB-Flugzeuge geführt hat.
Czak: Es gab damals das Gerücht, dass die Parteien im Gegenzug für den Ankauf der Maschinen Schmiergelder bekommen haben. Ich war damals Generalstabsoffizier und bin in besagter Sendung in der ersten Reihe gesessen. Der damalige Bundeskanzler Bruno Kreisky hat über den großen Aufbruch Österreichs gesprochen und über uns Offiziere gewettert. Ich bin aufgestanden und habe gesagt, dass ÖVP und SPÖ im Zuge des SAAB-Deals fünf Millionen Schilling bekommen hätten. Ich war bei den Sitzungen ja dabei und habe gewusst, dass diese Maschinen langsamer als Passagierflugzeuge flogen. Alle Offiziere haben den Kauf damals abgelehnt.

Foto: (c) Christina Stowasser

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mokant.at: In einem Artikel von damals wurde doch auch der Vergleich genannt, dass die Flugzeuge so gut als Abfangjäger fungieren, wie ein VW zur Verfolgung eines Porsches imstande ist.
Czak: Genau. Ich habe dann eine Klage von der Firma SAAB wegen Geschäftsstörung um 900 Millionen Schilling bekommen. Insgesamt zehn Anwaltskanzleien haben mich damals vertreten. Zeitgleich hat man dann eben besagten Untersuchungsausschuss abgehalten. Das war ein Wahnsinn, bis auf die Sitzungsprotokolle habe ich ja nicht viele Unterlagen gehabt. Ich wusste nur, dass niemand dieses Flugzeug wollte. Fünf Tage vor der Anhörung hat mir die Konkurrenzfirma Unterlagen zugespielt, dann war ich natürlich der große Star. Ich wurde in Folge sogar vom Dienst enthoben. Fünf Jahre lang war ich deshalb ununterbrochen in der Presse und bin sehr bekannt geworden.

mokant.at: Seitdem bieten Sie sogenannte Intensivseminare für Kommunikationstraining an. Was kann man genau bei Ihnen lernen?
Czak: Ich habe bereits 1969 mein erstes Seminar gestaltet und in vier Jahrzehnten ein System entwickelt, das alleinstehend in Österreich ist. Die Herausforderung bei solchen Kommunikationsseminaren ist es, bereits zurechtgelegte Muster des Sprechens und des Verhaltens zu durchbrechen. Diese Verhaltensänderung ist eine wahre Herkulesaufgabe. Wir beginnen meist mit einer Selbstvorstellung, dem sogenannten „Elevator Pitch“. Außerdem verwenden wir das sogenannte Buddyprinzip: Dazu teile ich die Gruppe, die meistens aus 12 bis 14 Personen besteht, in Zweierteams ein. Beide Teilnehmer sind für den jeweils anderen verantwortlich und coachen einander. Die Schwachen werden somit automatisch hinaufgezogen. Am Ende des Seminars gibt es sogar einen Pokal zu gewinnen.

„Wir verwenden psychotropische Musik und ein eigenes Duftmanagement“

mokant.at: Wie kann man sich den Ablauf des Seminars vorstellen? Wie wird hier kommunikatives Verhalten verändert?
Czak: Während des Seminars werden die Teilnehmer sowohl von mir, als auch gegenseitig ständig gepusht, es herrscht ein sportlicher Wettkampf. Während des Kurses verwenden wir psychotropische Musik und ein eigenes Duftmanagement.

Foto: (c) Christina Stowasser

Foto: (c) Christina Stowasser

mokant.at: Was meinen Sie mit Duftmanagement?
Czak: Es gibt Düfte die beruhigen, und Düfte die zur Konzentration dienen. Dabei verwenden wir große Spender, wie sie auch in manchen Kaufhäusern zum Einsatz kommen. Je nachdem, was gerade gefragt ist, spielen wir die jeweilige Mischung in den Raum. Wir arbeiten damit, dass wir so die Leute aufputschen, oder eben beruhigen.

mokant.at: Ich möchte etwas konkreter auf Ihre Arbeitsweise eingehen: In einem Interview meinten Sie, dass Sie mit Methoden arbeiten, die auch die US-Marines verwenden. Welche sind das?
Czak: Ich selbst war als Leiter der Ausbildungsabteilung B im Bundesministerium zuständig für die Sonderausbildung- also Kampftaucher, Gebirgstruppen, Taucher, aber auch das Jagdkommando. Ich habe das Curriculum der Ranger aus den USA übernommen und angepasst. Mittlerweile arbeitet sogar die Cobra nach diesem Schema: Hier geht es darum, in kürzester Zeit eine starke Persönlichkeitsveränderung zu bewirken und das auch noch unter Gefahr, wie Terror oder eine Gefechtssituation. Unser Motto lautet „We Make Winners“. Ich selbst war Spitzensportler und dort ist es ähnlich. Es gewinnen nur die, die das auch wirklich wollen.

mokant.at: Herr Czak, danke für das Gespräch.

Czak über seinen Wahlkampf mit Richard Lugner

Titelbild: (c) Christina Stowasser


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Markus Füxl studiert Publizistik- und Kommunikationswissenschaft in Wien und ist als Redakteur für mokant.at tätig. Kontakt: markus.fuexl[at]mokant.at

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