Thanks: „Du bist der Natur egal“

(c) George Barberis

mokant.at sprach mit Frontsängerin Jimi Hendrix von Thanks über ihr zweites Album, die Natur, die sich herzlich wenig für die Probleme der Menschen interessiert und die österreichische Musiklandschaft.

Thanks sind zurück. Die amerikanische Band aus Portland, Oregon präsentieren ihr zweites Album No Mercy on the Mountain in Europa. In Österreich spielt das Sextett sechs Shows zwischen Mai und Juni. Am 20. Mai stellen Thanks ihre neuen Songs, die mit melancholischer Dunkelheit und inneren Konflikten gespickt sind, in Wien vor. Wir haben uns mit Frontsängerin Jimi Hendrix unterhalten.

Das Interview wurde auf Englisch geführt und anschließend übersetzt. Hier gibt es das Interview in der Originalversion zu lesen: Thanks: „Mountains don’t give a fuck“

mokant.at: Ihr habt euer neues Album No Mercy on the Mountain genannt. Denkt ihr, dass Thanks bereits den Gipfel des Erfolgs erklommen haben?
Jimi Hendrix: Nicht wirklich, aber Erfolg ist echtes Ankommen, nicht?

mokant.at: Was bedeutet die Berg-Metapher im Albumtitel dann?
Jimi: Vor Jahren fuhr ich durch einen Gebirgspass während ich mich in einer schlechten Liebesbeziehung befand und generell an einem seltsamen Punkt in meinem Leben stand. Ich erinnere mich, dass ich den Bergen die Frage zuwarf, was ich denn machen soll. Das fühlte sich so an, als würde ich einen Spiegel fragen. Ich kannte bereits die Wahrheit und die Berge reflektierten das bloß auf mich zurück – ohne Gnade. Ich denke, es bedeutet vertraue deinem Bauchgefühl, auch wenn das nicht einfach ist. Die Metapher betrifft auch die Neutralität der Natur. Die Berge, das Meer kümmern sich einen Scheißdreck um uns. Wir existieren in ihrem Reich. Sie nach Antworten zu fragen ist nutzlos. Die Antwort ist immer dieselbe: Frage dich selbst.

mokant.at: Stichwort Erfolg: Denkt ihr, dass ihr in Europa oder in Amerika berühmter seid?
Jimi: Wir haben definitiv eine große Fangemeinde an der Westküste, vor allem in unserer Heimatstadt (Portland, Oregon, Anm.). In Europa sind unsere Fans jedoch weit verstreut. Deshalb ist das schwierig zu beantworten.

mokant.at: Was ist eure eigene Definition von Erfolg im Musik-Business?
Jimi: Unsere Jobs zu kündigen.

mokant.at: Apropos Job kündigen: In eurem letzten Interview mit mokant.at im Mai 2014 sagten Drew und Garrett, dass sie wegen der ersten Thanks-Europa-Tour ihre Jobs gekündigt haben. Haben sie ihre Jobs zurückbekommen, oder brauchtet ihr nach eurer ersten Tour keine anderen Jobs mehr neben der Musik?
Jimi: Wir haben alle unsere Jobs behalten und arbeiten noch immer.

(c) George Barberis

(c) George Barberis

mokant.at: Während ich mich durch euer neues Album gehört habe, fühlte ich eine innere Zerrissenheit zwischen Leben und Tod, Licht und Dunkelheit. Woher kommt dieser Konflikt?
Jimi: Ich war immer jemand, der beide Seiten und alle Blickwinkel betrachtet hat und ich bin von diesem Kontrast und dem Konflikt der beiden total fasziniert. Besonders vom Versuch das Gleichgewicht zu finden. Als wir die Songs geschrieben haben, machte ich eine wirklich schlimme Krankheit durch. Dadurch schwankte ich von einem Tiefpunkt zum nächsten. Das in der Musik zu behandeln war und ist richtig erlösend.

mokant.at: Wer schreibt denn die Songtexte?
Jimi: Ich schreibe sie.

mokant.at: Das heißt du setzt dich in den Songtexten oft mit wahren Erlebnissen aus deinem Leben auseinander?
Jimi: Absolut. Ich denke, das meiste Textmaterial kommt von persönlichen Erlebnissen und reflektiert vergangene Momente, Stimmungen und Entscheidungen.

mokant.at: Wenn ihr ein neues Lied kreiert, verwirklicht ihr dann zuerst die Musik oder den Liedtext?
Jimi: Jedes Lied ist verschieden. Normalerweise komponieren wir zuerst die Musik und danach den Liedtext. Stimmliche Melodien kommen danach.

mokant.at: Welcher Song war am schwierigsten zu komponieren?
Jimi: Die längste Zeit haben wir damit verbracht das Optimum in Breathing in Fatal Stillness zu finden. Warm Hands war – aus keinem besonderem Grund – lyrisch das schwierigste Leid. Die letzten Zeilen schrieb ich Minuten vor der Aufnahme.

mokant.at: Ich hatte den Eindruck, dass besonders das letzte Lied am Album, The Only Prayer,  ein Motivationslied ist, das den Zuhörern Selbstsicherheit vermittelt. War das die Absicht hinter dem Lied?
Jimi: Absolut. Als wir das Lied geschrieben haben, las ich gerade sehr viel über den Dichter E. E. Cummings. Dabei stolperte ich über diesen Satz von ihm: Möge ich bin ich das einzige Gebet sein – nicht möge ich groß oder gut oder schön oder weise oder stark sein“. Das hallte richtig nach und ich schrieb ein Lied rund um diese Wörter und die Macht dieser Aussage.

Titelbild: (c) George Barberis

Jimi über ihren Wohlfühl-Song und Laster


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Sophie Minihold ist als Redakteurin für mokant.at tätig und studiert Publizistik- und Kommunikationswissenschaft in Wien. In ihrer Freizeit ist sie auf Konzerten zu finden. Derzeitiges Lieblingslied: Beirut - No No No

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