Sex-Kino: Non-Stop Erotik mit Ablaufdatum?

Erotik-Kino Währinger Gürtel © Christina Seitz

Auf dem Kino-Programm steht prickelnde Lust und Leidenschaft. mokant.at war in zwei Wiener-Erotik-Kinos und hat dabei allerlei Aufregendes erlebt.

Traditionskino am Währinger Gürtel
Von außen betrachtet sehen die Wände und die Anzeigetafel des Kinos am Währinger Gürtel düster und schmuddelig aus. Den Eingang zum Kino muss man fast suchen. Etwas skeptisch treten wir ein. Der schrille Ton des Bewegungsmelders, kündigt dem Kassier neue Kundschaft an. Gegenüber der Eingangstür lugt aus einem kleinen eckigen Loch der Kopf eines Mannes hervor. Ohne etwas zu sagen winkt er uns mit einer Handgeste nach links in Richtung Kinosaal. Unsicher, ob wir schon eintreten dürfen, verharren wir einige Sekunden vor der Kinotüre und betrachten neugierig die DVD-Titel im Regal. Der Blick schweift durch den Vorraum des Kinos. Außer den „Pornotiteln“ an der Wand sieht der Vorraum aus wie in jedem anderen Kino auch. Auf roten Ledersofas könnte man die Zeit bis zur nächsten Vorstellung verbringen. Doch hier läuft alles ohne Unterbrechung. Ein Kinoplakat am Eingang verspricht „4 Hours of nonstop Lust“.

Angestaubtes Ambiente
Der Kassier scheint sich nicht weiter für uns zu interessieren und so öffnen wir die schwere, knarrende Holztür zum Kinosaal. Ein leicht modriger Geruch macht sich in der Nase breit. Aus der Ferne hört man schon ein leises Stöhnen. Der Film ist also schon im Gange. Der Kinosaal ist bis auf einen, am Eingang lehnenden Mann und einen in der Mitte des Saales sitzenden Mann, leer. Auf der Leinwand vergnügen sich mehr Menschen als der Kinosaal Zuschauer begrüßen darf. Wir platzieren uns in der letzten Reihe und lassen die orgiastischen Szenarien vorüberziehen. Die Handlung ist äußerst belanglos und sowohl uninspiriert gedreht als auch geschnitten. Der Fokus liegt auf den Genitalien der Darsteller und irgendwie wirkt alles etwas leidenschaftslos. Dennoch können wir unseren Blick nicht von der Leinwand nehmen, in der Hoffnung, dass der Koitus aufregender wird. Als der Mann in der Reihe vor uns entscheidet zu gehen und den Saal verlässt, hören wir das Knacksen des Kinobodens. Erst da fällt uns auf, dass wir uns in einem der ältesten Kinos Wiens befinden. Die Stühle sind altmodische, aber recht gemütliche, Plüschsessel zum Herunterklappen. An der mit gerafftem Stoff verzierten Wand hängen die typischen Kinoluster. Einzig der rauschende Beamer, der von der Decke hängt, holt einen wieder in das 21. Jahrhundert zurück.

Eindeutige Angebote
„Wollts ihr nur zuschauen oder wollt ihr selbst a bissl a Action?“ Diese Frage reißt unseren gebannten Blick von der Leinwand weg. Der Mann vom Eingang kniet neben uns und schaut uns erwartungsvoll an. Vom Film inspiriert und neuen Kontakten nicht abgeneigt, sieht er uns auffordernd an. Doch wir müssen ihn enttäuschen und lehnen dankend ab.
Die Darstellung auf der Leinwand wird mit zunehmender Zeit nicht besser und so beenden wir unseren Kinoabend. Beim Verlassen des Saals, sieht uns der kontaktfreudige Mittfünziger noch hinterher und kann sich ein leises „Schade“ nicht verkneifen. Hier zeigt sich der tiefere Sinn des Erotik-Kinos. Es geht nicht nur um das Betrachten von Pornofilmen, sondern auch um das Kennenlernen von eventuellen Sex-Partnern. Dieses Bild bestätigte sich auch während der Recherche. In einschlägigen Foren kündigen Paare oder Singles ihren Besuch im Erotik-Kino ihrer Präferenz an. Dabei wird das Datum und die Uhrzeit genannt um so dem Zufall etwas nachzuhelfen. Während vor dem Kino-Besuch die Frage im Raum stand, wer solche Kinos besucht, hat sich hier nun etwas Licht im Dunkel aufgetan. Um der Kundschaft einen Rückzugsort zu geben, bietet das Erotik-Kino am Währinger Gürtel kleine Separees an. In den kleinen Kinokabinen können bis zu drei Personen die Darsteller und Regisseure ihres eigenen Liebesspiels sein. Als wir das Kino verlassen, eilt eine Nonne an uns in Richtung U-Bahn-Station vorbei. Ob sie wohl unsere angeregte Diskussion über Erotik und Fetische mitbekommen hat?

Was wir im Erotikkino im 15. Bezirk erlebt haben, liest du hier

Titelbild: © Christina Seitz


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1 Comment

  1. HomeMovieCorner

    2. September 2016 at 16:56

    Über W24 bin ich über das Fortunakino gestolpert: http://www.w24.at/Nachrichten/245565

    Aber die zeigen auch einmal im Monat einen regulären Filmklassiker. Im Dezember soll „Zwei glorreiche Halunken“ spielen. Das ist wohl der Zeitpunkt, wo ich mich auch in dieses Kino traue.

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