Sex-Kino: Non-Stop Erotik mit Ablaufdatum? (2)

Erotik-Kino Währinger Gürtel © Christina Seitz

Erweiterte Produktpalette als Geschäftsmodell
Dem Erotik-Kino noch nicht überdrüssig, wagen wir einen zweiten Versuch im „Cinema Erotic“ im 15. Bezirk. Das blaue Hinweisschild mit weißer Schrift ist stark ausgeleuchtet und der Eingang ist nicht zu übersehen. Dem eigentlichen Kino ist ein Sexshop vorgelagert. Der Angestellte mustert uns kurz und lässt uns dann ohne zu bezahlen passieren. Dabei handelt es sich um das sogenannte Gentleman-Agreement. Herren bezahlen in den Kinos den vollen Preis, Damen kommen meist kostenlos rein.
Der Sexshop des „Cinema Erotic“ ist gut ausgestattet. Von Spielzeug über Gleitgele und Präservative hin zu einer breiten Palette an Filmen des internationalen Pornobussines. Durch eine große Tür kommen wir in den menschenleeren Kinosaal. Der Raum ist wie in einem Theater zur Leinwand hin abfallend. Schwarz-rote Ledercouches und Sessel laden zum Niedersetzen ein. Der süßliche Geruch von Raumspray liegt in der Luft. Auf der Leinwand gibt sich ein Paar auf einer Terrasse dem „Outdoor“- Liebesspiel hin. Auf einem Podest vor der Leinwand liegt eine lederüberzogene Matratze. Hier dürfen mutige und von den erotischen Szenen, inspirierte Menschen ihre Lust ausleben. Während wir den schlecht synchronisierten Film schauen, kommen aus dem hintern Teil des Kinos zwei Männer und mustern uns kurz. Nach wenigen Sekunden verziehen sie sich aber wieder in Richtung Separees. In den kleinen Räumen können sich Kinobesucher zurückziehen oder andere bei ihrem Liebesakt zuschauen lassen. Ein LED-Schild an der Wand weist den Weg zum „Darkroom“. Hier hat unsere Neugierde seine Grenze erreicht und wir entscheiden uns zu gehen. Beim Verlassen des Kinos durch den Sexshop bleibt der Blick an den manchmal sinnigen aber auch erheiternden Titeln der Porno-DVDs hängen. Da steht die „Ich bin jung und brauche das Geld“-DVD-Reihe neben „Wahl der Qual“ im Regal.

Cinema Erotic im 15. Bezirk © Christina Seitz

Cinema Erotic im 15. Bezirk © Christina Seitz

Lustvolle Geschäfte
Es mag ein Zufall sein, dass in beiden Kinos an unterschiedlichen Abenden wenig Betrieb war. Es wäre interessant gewesen, herauszufinden wie sich Erotik-Kinos neben der großen Konkurrenz aus dem Internet durchsetzen. Leider war keiner der Betreiber für ein Statement erreichbar. Wahrscheinlich ist das Konzept von Erotik-Kinos unter dem Strich nicht das Geschäft mit dem Film, sondern viel mehr das Geschäft mit dem Sex an sich. Unter einem Dach Inspiration zu finden um anschließend mit echten Menschen echten Geschlechtsverkehr zu haben, ist wohl nirgends so einfach wie hier. Wenn, wie im Fall des Kinos im 15. Bezirk, ein Sex-Shop angeschlossen ist, dann werden hier wohl Einnahmen generiert, die durch die Film-Konkurrenz aus dem Internet ausbleiben. Nichts desto trotz haben die beiden Kinos ihre besten Jahre hinter sich. Spannend ist es aber allemal, wie sich das Geschäft mit der Erotik und der Lust weiter entwickelt.

Ein eindeutiges Angebot im Erotik-Kino

Titelbild: © Christina Seitz


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