Giga Ritsch: Vergessene Muschi (3)

Giga Ritsch

Giga Ritsch singt und rappt wie ihr der Schnabel gewachsen ist. Wir haben über Extremismus, Frauen im Hip-Hop und Poetry Slams gesprochen.

mokant.at: Im Song Giga singst du „vü stön da es haxl und sogn, dass nix wird“ und „a Frau a Mikro? Bitte hoits de Polizei“ – fühlst du dich als Frau in der Musikszene diskriminiert?
Giga Ritsch: Oft nicht ernst genommen. Es wollen sehr oft Leute mit dir flirten, das kann ziemlich anstrengend werden. Du wirst einfach anders behandelt, es wird anders mit dir geredet, du wirst anders gegrüßt. Es sind diese Kleinigkeiten, die mich aufregen. Wenn Typen ein Festival planen, denken sie nicht daran, wie sie das möglichst divers gestalten können. Oft wird nur auf die besten Freunde zurückgriffen. Was man ja nachvollziehen kann. Nur, dadurch schauen die Frauen durch die Finger, weil es diese Netzwerke noch nicht gibt. Aber sie kommen und werden immer stärker. Es gibt aber auch ganz viel Support. Das wäre falsch, über die Wiener Szene zu sudern. Einer der Hauptpunkte ist, dass es sich viele Mädels nicht zutrauen. Da braucht es Vorbilder. Es ist wichtig, dass man Mädels und Burschen vermittelt, dass es so viele Möglichkeiten gibt, was sie in ihrem Leben sein können und sie nicht irgendeinem Ideal von Männlichkeit oder Weiblichkeit entsprechen müssen.

mokant.at: Für deine neue EP hast du unter anderem mit Yasmo und Mieze Medusa zusammengearbeitet. Mit wem möchtest du in Zukunft gerne mal zusammen Musik machen?
Giga Ritsch: Ana Tijoux.
mokant.at: Warum?
Giga Ritsch: Weil die einfach eine geniale Frau ist, das ist meine Heldin. Ana Tijoux, ist eine chilenische Rapperin, die viele gesellschaftskritische und feministische Texte macht. Ganz großartig ist ihr Lied Antipatriaca. Ich habe sehr viel Familie in Chile und eine Verbindung zu dem Land und die Frau berührt mich. Wenn ich mit ihr mal was machen könnte, (lacht) ein Mundart-Feature, das wäre natürlich das Allercoolste.

mokant.at: Du bist nicht nur Musikerin, sondern auch in der Poetry-Slam-Szene aktiv. Welche Themen verarbeitest du eher in einem Slam-Text und welche eher musikalisch?
Giga Ritsch: Es sind nicht die Themen, sondern, mit welchem Flow der Text kommt. Ich bin nicht eine, die sich hinsetzen kann und sagt: so und ich schreib jetzt einen Text. Es kommt immer in den Situationen in denen ich es nicht brauche, dann schreib ich es nieder und bastele ein bisschen daran. Wenn der Text länger ist und der Rhythmus immer mal wieder wechselt ist es eher ein Slam-Text.
mokant.at: Aber du startest grundsätzlich mit dem Text?
Giga Ritsch: Nein, wenn ich ein Lied schreibe sind der Text und die Melodie meistens gleichzeitig da. Mit den Wörtern kommen die Töne dazu. (lacht)
mokant.at: Und wenn keine Töne kommen…
Giga Ritsch: Wenn keine Töne kommen, wird es Rap. Wenn aber nicht genug Rhythmus da ist für Rap und das Ganze eine längere Wurst wird, dann wird’s Poetry Slam. (lacht)

mokant.at: Was unterscheidet einen Auftritt bei einem Poetry Slam von einem, bei dem du als Musikerin auf der Bühne stehst?
Giga Ritsch: Du hast beim Poetry Slam ganz andere Möglichkeiten, mit dem Publikum zu interagieren. In der Band ist immer ein Krawall da. Beim Poetry Slam wird auf jede einzelne Bewegung geschaut und es ist – vielleicht, weil es nur fünf Minuten sind – intensiver. Es ist ein anderer Spannungsbogen. Bei Giga-Ritsch-Auftritten ist es nochmal ganz anders. Bei wosisig war ich gleichzeitig Pianistin und Sängerin. Bei Giga Ritsch ist es unglaublich geil, dass ich kein Klavier habe, sondern einfach nur ich bin. Es war am Anfang ganz komisch, dass ich nicht dieses Riesending vor meinem Bauch gehabt habe, sondern mich bewegen und mehr tanzen konnte. Das macht ziemlich Spaß und ist eine ziemlich befreiende Erfahrung.

mokant.at: Ich habe noch drei abschließende Fragen. Dein Feel-Good-Song, der dich immer aufheitert?
Giga Ritsch: Antipatriaca von Ana Tijoux

mokant.at: Die Musik, die dich und dein Leben geprägt hat?
Giga Ritsch: Victor Jara, Violeta Parra und Austropop.

mokant.at: Dein Guilty-Pleasure-Song, zu dem du heimlich unter der Dusche tanzt?
Giga Ritsch: (lacht) Oh Gott, da gibt es so viele… Opern zum Beispiel.

Giga Ritsch ist am 28. Mai am Seewiesenfest zu sehen.

Giga Ritsch über politisches Engagement, Extremismus und ihr neues Video

Titelbild: (c) Barbara Bürscher


Seite 1 / Seite 2 / Seite 3 /


Blase_rotHat dir dieser Artikel gefallen? Jetzt kannst du Supporter werden und damit unabhängigen Journalismus fördern! Wenn du über unsere neuen Artikel informiert werden willst, kannst du dich hier zu unserer Dienstagspost anmelden.

Barbara Bürscher ist als Redakteurin für mokant.at tätig. Kontakt: barbara.buerscher[at]mokant.at

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.