Giga Ritsch: Vergessene Muschi

Giga Ritsch

Giga Ritsch singt und rappt wie ihr der Schnabel gewachsen ist. Wir haben über Extremismus, Frauen im Hip-Hop und Poetry Slams gesprochen.

Sigrid Horn feiert nächstes Jahr ihr zehnjähriges Bühnenjubiläum. Begonnen hat alles 2007 mit der Band wosisig. Schon damals waren die Songtexte in Mundart. Im Moment steht sie solo auf der Bühne, als Giga Ritsch. Beim Stöbern in einem Wiener Mundartlexikion stieß sie auf ein vergessenes Wort: gigaritschn. „Gängiger ist es, wenn man Muschi sagt“, erklärt sie und lacht. Im Jänner hat sie ihre erste EP präsentiert.

mokant.at: Im Moment machst du ein Auslandsemester in Spanien – wie beschreibst du den Menschen, die du dort triffst, deine Musik?
Giga Ritsch: Ich sag immer, es ist Hip-Hop im Dialekt meiner Gegend gemischt mit dem Wiener Dialekt. Die Beats dazu kommen von einer Freundin bzw. einem Freund von mir, Makki und Selbstlaut.

mokant.at: Deine Texte sind alle in Mundart. Kommt es für dich auch in Frage, Hochdeutsch oder Englisch zu singen?
Giga Ritsch: Durchaus, aber dann wären die Texte nicht von mir geschrieben. Wenn ich ein englisches Pop- oder Rocklied oder einen Jazzstandard interpretiere, singe ich es nach ein, zwei Tagen üben in Mundart, weil ich es in meinem Kopf automatisch übersetze. Für mich ist die schönste Art zu singen in Mundart.
mokant.at: Es gibt oft das Klischee, dass in Mundart zu singen ein bisschen „tief“ wirkt.
Giga Ritsch: 2007 habe ich mit wosisig angefangen und wir haben von Anfang an Mundart gesungen, da war das Vorurteil noch viel stärker. Mittlerweile gibt es in Österreich doch ein bisschen eine neue Dialektwelle. Dadurch sind diese Vorurteile nicht mehr so stark. Es gibt so viele Leute die beweisen, dass man mit Dialekt und Mundart wunderschöne poetische Sachen schreiben kann und dass man nicht auf einem geistigen „Humtata“ stecken bleiben muss.

mokant.at: Was willst du mit deiner Musik bewirken?
Giga Ritsch: (überlegt) In erster Linie ist sie nur für mich. Ich mache Musik, weil das ein Teil von mir ist und es mir gut damit geht. Aber ich achte auf die Sachen, die ich sage, wie ich es mache, welche Leute ich frage. Das ist alles sehr bewusst. Aber es wäre egal ob ich Musikerin bin oder einen anderen Job habe. Ich versuche, in dem Bereich, in dem ich wirke, so zu leben, dass ich mit mir selber zufrieden sein kann. Man kann durchaus effektiv in die Politik oder in das, was in der Welt passiert, eingreifen, wenn man seinen Alltag proaktiv gestaltet.

mokant.at: Beeinflusst dein Musikgeschmack deine Musik?
Giga Ritsch: Ja, ich war nie der arge Hip-Hop-Head und hab immer auch ganz viele andere Musikrichtungen gehört. Zum Beispiel Jazz, Indie, ganz kurz ein bisschen Metal. Ich kann mich schnell für einen Sound begeistern, wenn er mich berührt und ich eine Connection aufbauen kann. Ich fische in vielen verschiedenen Teichen und bastle mir einfach zusammen, was mir gefällt. Das irritiert die Leute immer wieder. Teilweise habe ich mich bemüht, mich danach zu richten, mittlerweile denke ich mir „Was soll’s? Ich mach einfach was mir taugt“.
mokant.at: Also du bekommst schon das Feedback, dass es wichtig ist, dass du dich auf ein Genre festlegst.
Giga Ritsch: Ja, das habe ich durchaus gekriegt. Das war bei wosisig noch viel mehr Thema als bei Giga Ritsch. In Giga Ritsch weichen die Tracks auch untereinander teilweise stark voneinander ab. Aber im Grunde ist ein klarer Faden da. Das ist in der Musik ist schon wichtig, aber man darf sich durchaus trauen, von dem abzuweichen.

mokant.at: Kürzlich hat eine Gruppe von Identitären die Aufführung von Elfriede Jelineks Schutzbefohlenen im Audimax gestört, woraufhin du ein Cover mit leicht abgewandeltem Text von Es fangt genauso an von STS aufgenommen hast. Wie wichtig ist dir die politische Message in deiner Musik?
Giga Ritsch: Das ist mir enorm wichtig. Ich schaffe es leider nicht immer, die Texte so zu schreiben, dass die Botschaft rüberkommt, die ich mir wünsche. Aber die Sachen müssen aus meinem Kopf raus. Wenn dann ein Lied da ist, ist es mir umso lieber, wenn die Leute sich das anhören, zum Nachdenken anfangen oder sich in ihrer Meinung bestärkt fühlen. Es geht auch um diesen Solidaritätsgedanken – zu merken, dass wir nicht alleine sind.

Giga Ritsch über politisches Engagement, Extremismus und ihr neues Video

Titelbild: (c) Barbara Bürscher


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Barbara Bürscher ist als Redakteurin für mokant.at tätig. Kontakt: barbara.buerscher[at]mokant.at

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