Uni Wien: Identitäre stören Theatervorstellung

(c) Katharina Egg

Während einer Theateraufführung geflüchteter Menschen stürmen Identitäre das Audimax der Uni Wien. Die Aktion sei nicht gegen die Darsteller gerichtet.

Unter dem Titel Schutzbefohlene performen Jelineks Schutzbefohlene traten geflüchtete Menschen heute im Audimax der Universität Wien als Theaterakteure auf die Bühne. Während der Vorstellung stürmten mehrere Personen mit roter Farbe und Banner den Saal und störten die Veranstaltung.

Karin Stanger, Vorsitzende der ÖH Uni Wien stand nach eigener Aussage direkt beim Eingang und habe Martin Sellner, Leiter der Identitären Wien erkannt. „Ich habe mich ihm in den Weg gestellt und ihn daran gehindert, auf die Bühne zu kommen. Er hat mir dafür eine verpasst“, so Stanger. Einige der rund zwanzig Personen gelangten jedoch auf die Bühne und beschmierten unter Anderem die Darsteller mit Farbe.

Tara Albakri, eine der Darstellerinnen beschreibt die Situation: „Ich hatte große Angst. Wir haben uns nebenan in der Garderobe eingesperrt und gewartet. Als alles vorbei war haben wir dann gemeinsam beschlossen: ‚We are strong, let’s go!‘ Dann sind wir alle wieder auf die Bühne gegangen, um fertig zu spielen“. Nachdem die Identitären nach weniger als zehn Minuten wieder weg und mehrere Polizeibeamte eingetroffen waren, wurde das Banner mit dem Zeichen der Identitären zerschnitten und die Vorstellung fortgeführt. Der Applaus war unüberhörbar.

Schutzbefohlene

Tara Albakri, Darstellerin
Foto: (c) Rebecca Steinbichler

Die Identitären bekannten sich zu der Aktion und benennen auf Twitter nicht die „Schutzbefohlenen“ als Ziel, sondern „die Heuchler im Publikum“. Laut einer Erklärung auf Twitter soll die rote Farbe das Blut der Opfer der vergangenen Terroranschläge in Europa darstellen: „Ihr habt Vergewaltiger beklatscht und den Terror nach Europa geholt. Durch eure Ignoranz und Heuchelei mussten Menschen sterben. An euren Händen klebt das Blut von Bataclan und Brüssel.“ Eine Besucherin kommentiert das Posting mit „das hätten sie dann auch woanders machen können.“

„Sie sind die Heuchler, sie verbreiten Hass,“ sagt eine weitere Besucherin dazu und ergänzt: „Bisher haben die Identitären eine gewisse Grenze zwischen künstlerischen und politischen Aktionen gezogen, die sie mit dieser Aktion überschritten haben. Es sagt doch schon alles, dass sie sich dazu herunterlassen, eine künstlerische Aktion, bei der auch kleine Kinder auf der Bühne stehen, zu stören.“

Die Polizei sagt offiziell noch nichts zu dem Vorfall. Nach ersten Infos sei aber ein Notruf eingegangen, wonach 30 bis 40 Personen die Veranstaltung gestört hätten. Bei einem vollen Saal und wenig Beleuchtung könne man die Anzahl aber schwer einschätzen. Ein paar Verdächtige wurden aufgehalten, die Plakatreste eingesammelt und die Besucher machten sich in Grüppchen auf den Heimweg – die Darsteller wurden von Polizeibeamten begleitet. Verletzte sollen sich bei der Polizei melden.

Artikel von Katharina Egg und Rebecca Steinbichler.

Titelbild: (c) Katharina Egg

Blase_rotHat dir dieser Artikel gefallen? Jetzt kannst du Supporter werden und damit unabhängigen Journalismus fördern! Wenn du über unsere neuen Artikel informiert werden willst, kannst du dich hier zu unserer Dienstagspost anmelden.

Katharina Egg leitete zwei Jahre lang das Ressort Politik. Jetzt ist sie als außerordentliche Redakteurin bei mokant.at tätig und untersucht als Publizistik-Studentin Wirkungen Sozialer Netzwerke auf Politische Kommunikation. Ihre freie Zeit verbringt sie am liebsten am Fahrrad, auf Reisen und im Wiener Nachtleben. Kontakt: katharina.egg[at]mokant.at

4 Comments

  1. Alex

    15. April 2016 at 00:49

    Man kann die Identitären ablehnen, aber die Aktion war gewaltfrei, Rangeleien gab es nur durch Übergriffe von linksextremen Studenten. Von daher ist es unredlich wenn sich Frau Stanger hier als Opfer darstellt, obwohl sie mit der Tätlichkeit begonnen hat.

    Ich persönlich bin froh, dass sich Rechtextreme mittlerweile die kreativen Methoden der Linken zu eigen machen und nicht wie damals bei den Skins Leute brutal zusammenschlagen.

    • Andi

      15. April 2016 at 09:54

      Interessant, wie Sie die IB in die Opferrolle stellen und als wahre Täter die „linksextremen Studenten“ benennen (natürlich waren nur linksextreme Studenten bei dem Theaterstück anwesend, versteht sich von selbst).
      Auch wer hier angefangen hat entbehrt sich jeder Grundlage. Die IB hat dieses Theaterstück gezielt gestört und ist eingedrungen. Natürlich wollte man sie rausbefördern. Alleine schon der Kinder wegen!
      Womit ich zum nächsten Punkt kommen möchte:
      Gewaltfrei – Geflüchtete Minderjährige erschrecken und Kunstblut verspritzen (besonders bei Menschen, die aus Kriegsgebieten geflüchtet sind) ist einfach widerlich.
      Ja, die IB meint, diese Aktion wäre gegen das Publikum gerichtet, im Subtext lässt sich dennoch leicht erkennen, dass sie kommende Anschläge diesen Jugendlichen und Geflüchteten im Allgemeinen andichten wollen.
      Unterste Schublade. Diskussion von politischen Themen und Aktivismus sehen anders aus.

    • mp

      15. April 2016 at 10:42

      Das unerlaubte Eindringen und Verspritzen von Kunstblut ist Gewalt. VErbale Beleidigungen sind ebenfalls eine Form von Gewalt.

  2. Pingback: Identitäre attackieren Aufführung von „Die Schutzbefohlenen“ im AudiMax – Protokoll + Kommentar – FEEZ

Leave a Reply

Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.