Gespensterführung: Vampire in Wien

Was Vampire und Blutliebhaber mit Wien zu tun haben? mokant.at hat bei einer Gespensterführung nachgeforscht

Wien als Inspirationsquelle
Nach ein paar weiteren Stopps gelangen wir zur Augustinerstraße. Ein ganz besonderes Haus befindet sich in dieser Straße – ein heruntergekommenes, das dringend einen neuen Anstrich gebrauchen könnte, mit der Hausnummer 12. Vis à vis steht die Augustinerkirche und in der Ferne kann man die Umrisse der Staatsoper ausmachen. Elisabeth Báthory-Nádasdy, besser bekannt als die „Blutgräfin von Wien“, wohnte in diesem Haus. Angeblich soll sogar Bram Stoker von der Geschichte und der Bewohnerin jenes Hauses zu seinem Roman Dracula inspiriert worden sein.

Die Blutgräfin war keine lebende Tote und vermutlich auch keine wirkliche Vampir-Dame, allerdings hat sie ihren Namen aufgrund ihrer eigenartigen Schönheitskur erhalten: Sie stellte viele junge alleinstehende Mädchen aus problematischen Familienverhältnissen als Hausmädchen ein, sperrte sie in das Haus in der Augustinerstraße und tötete sie dann nach der Reihe. Danach verwendete sie deren Blut um darin zu baden und es gelegentlich zu trinken. Dies sollte sie nicht nur schöner, sondern auch jünger aussehen lassen. Dafür mussten insgesamt 613 junge Mädchen ihr Leben lassen. Ob es sich gelohnt hat für diese Schönheitskur zur Serienmörderin zu werden, lässt sich heute nur schwer beurteilen – genauso wie der Wahrheitsgehalt der Geschichte. Mittlerweile geht man sogar von Verschwörungstheorien gegen die Familie Báthory-Nádasdy aus, da diese nicht gerade zu den Freunden des Kaiserhauses gezählt haben soll. Eine erfreuliche und gleichzeitig beunruhigende Nachricht: Das Haus wird heute noch genutzt.

Foto: (c) Juliane Mego

Der Kaiser (G)ruft
Der letzte Stopp führt uns zur Kaisergruft. Dort angekommen ziehen sich einige der Führungsteilnehmer Kapuzen und Hauben noch weiter ins Gesicht. Der Wind fegt immer stärker durch die Straßen und Kälte und Müdigkeit machen sich bemerkbar. Vor dem Tor des Gebäudes lässt uns Thomas wissen, dass wir es bald geschafft haben. Er erzählt noch etwas über die Innenräume und die Funktion der Kaisergruft, da wir diese heute nicht mehr besichtigen können. So legten die Habsburger beispielsweise Wert auf die externe Bestattung der Eingeweide. Besonders auf die separate Herzbestattung wurde viel Wert gelegt, da diese als politisch-religiöses Ritual angesehen wurde. Aber auch der Glaube daran, dass das Herz der Sitz der Seele und des Charakters sei, war ausschlaggebend. Erst die Körper der letzten beiden österreichischen Kaiser wurden nicht getrennt bestattet.

Foto: (c) Juliane Mego Foto: (c) Juliane Mego

An der orangefarbenen Außenwand ist in großen Lettern das Wort „Kaisergruft“ angebracht. Thomas macht uns darauf aufmerksam, dass der Buchstabe G nicht ganz so abgegriffen und andersfarbig ist. Der Grund dafür ist der Diebstahl jenes Letters. Jedoch wurde das fehlende G so bald als möglich von den empörten Mönchen, die die Kapuzinergruft leiten, ersetzt. So wurde aus „Kaiser ruft“ wieder „Kaisergruft“.

Die etwas andere Stadtführung durch Wien ist beendet. Selbst die Tatsache, dass keine Gespenster zum Vorschein kamen, hat der Tour keinen Abbruch getan. Nur die kühle, keineswegs angenehme, Brise hat uns verfolgt.

Teil 1 der Gespensterführung

Bilder: (c) Juliane Mego


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