Faymann: Wunschkonzert im ORF? (2)

Foto: (c) David Steiner

Werner Faymann ist am Sonntag der einzige Gast bei Ingrid Thurnher Im Zentrum. Trotz heftiger Kritik im Vorfeld hat ein Solo-Interview durchaus auch etwas Gutes. Ein Kommentar von David Steiner. 

Einzelgespräch auf Initiative Faymanns?
Das scheint unwahrscheinlich. Wenn man neben den Redezeiten auch die Studio-Besuche in Betracht zieht, fällt auf, dass Faymann in Nachrichtensendungen ein eher seltener Gast ist. Am allerseltensten wohl in der ZiB2. Das Sommergespräch mit Armin Wolf im Jahr 2012 schwebt noch in entfernter Erinnerung. Faymann schien Interviews mit dem ORF-Anchor danach zu meiden. Kritik verträgt er nur schlecht. Außerdem hat er andere Kanäle zur Verfügung.

Meinung macht Faymann vor allem über österreichische Boulevard-Zeitungen. Eine SPÖ-Domäne, wie sich zuletzt bei der Wien-Wahl zeigte. Ein Indiz dafür ist die Link-Liste vergangener Interviews mit Radio- und Print-Medien auf der Webseite des BKA. Von den letzten dreißig Interviews sind 14 in  der Tageszeitung Österreich erschienen. Für Österreich, Heute und Krone spricht natürlich die Reichweite. Es ist aber auch kein Geheimnis, dass die SPÖ ein guter Inseratenkunde ist.

Wie kam Faymann also zu dem Solo-Interview Im Zentrum? Ging die Initiative von ihm aus? Wahrscheinlich nicht. Es gibt aber eine Erklärung dafür, warum der Bundeskanzler die Einladung in die Sendung gerne annahm. Die Konzeption von Im Zentrum als Einzelgespräch kommt ihm gelegen. Er muss sich nicht direkt einem politischen Kontrahenten in einer Diskussion stellen und außerdem hat Armin Wolf sonntags frei.

Es ist gut, dass die Zuseher Faymann am Sonntag live erleben dürfen. Sein Umschwenken in der Asyldebatte auf innen- wie außenpolitischer Ebene und die aktuellen Entwicklungen bieten dringenden Gesprächsbedarf. Viele Fragen sind bis jetzt nur ungenügend beantwortet worden und einige überhaupt noch offen. Etwa wie Faymann dazu steht, dass der Parteinachwuchs seine letze Rede störte und forderte, er solle  „raus aus dem rechten Eck“. Ingrid Thurnher hat sechzig Minuten Zeit, Antworten zu erfragen. Bleibt nur zu hoffen, dass sie es schafft, die gecoachten Argumente zu durchdringen und Faymann da und dort aus der Reserve zu locken.

    Im Zentrum als Einzelgespräch

Titelbild: (c) David Steiner


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