FILM/RISS: LOS FELIZ

Szenenbild LOS FELIZ 1

Das erste Roadmovie, das zur Gänze im Studio gedreht wurde, erzählt von Illusion, Monotheismus und dem Wunsch für immer jung zu bleiben.

Der österreichische Künstler und Regisseur Edgar Honetschläger bringt mit LOS FELIZ seinen ersten Spielfilm auf die Leinwand. Beinahe 15 Jahre dauerte es, bis das Filmprojekt umgesetzt und Mitte Februar im Blickle Kino des 21er Hauses präsentiert werden konnte. Honetschläger arbeitet alleine fast vier Jahre an den Kulissen, die jene Illusion des Roadtrips ikonographisch hinterlegen. Illusion deswegen, weil die 16 x 4 Meter großen Leinwände an einer eigens dafür konzipierten Maschine gedreht werden und somit den Eindruck verleihen, das Auto würde sich bewegen.

Alle Wege führen nach Hollywood
Die drei Insassen des blauen 50er-Jahre Mercedes Benz reisen innerhalb von einer siebentägigen, genesisähnlichen Odyssee von Rom nach Hollywood, genauer nach Los Feliz, einem hippen Stadtteil von Los Angeles. Von dem früheren Zentrum der Bilder zu dem der heutigen Zeit. Die junge Französin Lydia, sehnt sich nach Ruhm und möchte in Amerika berühmt werden. An der Seite des Teufels, in Gestalt eines britischen Mannes mit Schnurrbart, scheint dies endlich möglich zu werden und sie schließen einen Pakt: Die Liebe aller Menschen gegen die Gabe, selbst lieben zu können. Hand drauf. Am Steuer des Autos sitzt die japanische Shinto-Göttin Kaya, die wie eine Außerirdische versucht, die Rätsel des romantischen Liebe sowie den Unterschied zwischen Gut und Böse zu verstehen. Auf nach Hollywood…

Doch bevor die Reise gen Westen losgeht, beauftragen drei katholische Kardinäle aus Rom den Teufel, die Macht der Bilder, die jene zu verlieren befürchten, zu retten. Ohne Bilder – kein Glaube – keine Macht. So lautet die Botschaft der Kirchenväter. Sie verkörpern den Westen und stapeln sich im selben Moment wie intellektuelle Clowns übereinander um die Kurbel der Kulisse in Bewegung zu bringen. Obwohl die Reise über einen gesamten Kontinent zu gehen scheint, bewegt sich rein gar nichts vorwärts. Die gezeichnete Landschaft Amerikas ist in flaches Schwarz-Weiß getaucht und die gezeigten Charaktere mit Stereotypen behaftet. Und doch wirft dieser eindimensionale Spiegel ein Bild zurück, in dem man sich wieder finden kann. Die Eindimension wird zur Dreidimension.

(c) LOS FELIZ

Foto: (c) LOS FELIZ

Forever young!?
Den Rahmen des Plots bildet eine klassisch anmutende Roadgeschichte mit ironisch wirkender Gewalt, um den Zitate aus der amerikanischen Filmgeschichte geflochten werden. Die turbulente Reise wird von klassischer Musik von Richard Strauss und Wolfgang Amadeus Mozart sowie von radikaleren Tönen von Peter Ablinger begleitet. Die Musik scheint stärker als Gesprochenes zu sein. Im Laufe der Geschichte treten sich die Protagonisten in unterschiedlichen Konflikten gegenüber: Lydia bricht den Pakt mit dem Teufel, weil sie sich verliebt und erfährt die negativen Seiten des Ruhmes. Die Shinto-Gottheit Kaya versucht ihre Hand schützend über die Natur zu halten, in dem sie sich sorgfältig um einen Topf Gras kümmert. Als der Teufel eben diesen mutwillig zerstört, verschwindet Kaya zwar, lebt jedoch in der Natur weiter und wacht wie ein Schutzengel über Lydia. Diese scheint nur einen Ausweg aus den Fängen des Teufels zu sehen und nimmt Rache.

Nicht alles, was wir sehen, muss auch so sein. Die Illusion, mit der der Film per se arbeitet wird zum Thema: Die Suche nach einer perfekten Welt. Diese ideale Welt thematisiert Honetschläger in LOS FELIZ mit der künstlichen Stadt Los Angeles, in der alles immer grün und immer gleich ist. Nichts verändert sich. Jedoch die Menschen, die in ihr leben, altern und bekommen Falten. Getrieben von der Sehnsucht immerwährend gleich zu bleiben, so wie das Umfeld, entsteht der Wunsch immer schön und jung zu bleiben. In LA angekommen, lernt Lydia ihr zukünftiges Über-Ich kennen, das ein erfolgloses und vom Jugendwahn besessenes Dasein fristet. Sie erkennt den Schein der Glitzerwelt Hollywoods oder der „westlichsten Stadt des Westens“, wie Honetschläger sie nennt.

(c) Klemens Ortmeyer

(c) 21er Haus, Klemens Ortmeyer

Mono, Mono, Mono
Über dem Ganzen steht der Hauptkonflikt, wer die Macht der Bilder eigentlich besitze. Als eine Armee kommunistischer Chinesen westliche Darstellungen in Massenproduktion herstellt, erklärt der Teufel, dass es nicht um die Produktion der Bilder, sondern vielmehr um deren Kreation ginge, die zur Macht führe. Die geschickte Anspielung auf die filmische Konkurrenz Chinas gipfelt in einem Kampf zwischen den Chinesen und den Kardinälen. Die Schlachtrufe „Monokultur“ sowie „Monotheismus“ münden in einem vereinheitlichtem „Mono“, welches alles, was mit Mono zu tun hat, in Frage zu stellen scheint. Humor und Gewalt ziehen am selben Strang und verleihen den vielschichtigen und ernsten Themen die nötige Leichtigkeit.

Edgar Honetschläger ist es gelungen, mit LOS FELIZ ein Roadmovie der besonderen Art zu schaffen. Trotz der eigentlichen Bewegungslosigkeit und Standhaftigkeit der Bilder zaubert er eine philosophische Dynamik an die Leinwand. Nach der Vorstellung muss man sich kurz erst mal sammeln. Mit den Zeilen eines Gedichts von Fernando Pessoa beendet er die Reise und somit seinen Film:

The Gods, by their example
Help only those
Who seek to go nowhere
But into the river of things


Kinostart: LOS FELIZ ist ab 08. bis zum 13. März 2016 bei der Diagonale – dem Festival des österreichischen Films und ab 14. März 2016 österreichweit in den Kinos sowie im Metro Kinokulturhaus des Filmarchivs Austria in Verbindung mit einer Retrospektive des filmischen Gesamtwerks von Edgar Honetschläger zu sehen.

Titelbild: (c) LOS FELIZ


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