Frage der Woche: Asylpolitik, nein danke? (2)

Foto: (c) Markus Füxl

Am Samstag, dem 19. März, nahmen tausende Menschen in Wien an einer internationalen Pro-Asyl-Demo teil. mokant.at hat nachgefragt, was die Demonstrierenden bewegt und was sie ändern würden

Foto: (c) Markus FüxlSvanlind, 74: „Stell‘ dir vor, sie spielen Krieg und die Leute weigern sich Soldaten zu sein.“

mokant.at: Wie denken Sie über die aktuelle Asylpolitik?
Svanlind: Ich find‘ die Asylpolitik ist so ein Mittelding zwischen Scheiße und Oarsch. Weil ihr habt gesagt: Darf man sagen. (Wir haben vorab vereinbart, nichts abzuändern, Anm.d.Red.) Wer Waffen liefert, wird Flüchtlinge ernten. Ich habe in einem Gratismagazin gelesen, dass die jungen Männer, die hier sind, lauter Fahnenflüchtige sind. Das sind die wirklichen Helden, die die Strapazen und Gefahren auf sich nehmen. Die haben sich geweigert, zu Soldaten und Mördern trainiert zu werden und für den Islamischen Staat, den syrischen Staat oder welchen Staat auch immer andere Leute zu erschießen. Es heißt ja nicht nur: Stell‘ dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin. Noch sinnvoller ist: Stell’ dir vor, sie spielen Krieg und die Leute weigern sich Soldaten zu sein.

Und ich krieg solche Knödel im Hals, wenn ich dann höre: Ja, man müsste die Flüchtlinge halbieren. Dann frag ich mich: längsgeschnitten, quergeschnitten oder überhaupt portioniert? Weil Flucht kein Verbrechen ist, weil Asyl ein Menschenrecht ist und weil wir immer noch unheimlich viel teilen können. Mit dem Geld, das wir für die Hypo-Alpe-Adria zahlen, könnten wir dreißig Jahre lang die Flüchtlinge menschenwürdig versorgen. Die paar kleinen hatscherten Milliönchen, die die Flüchtlinge kosten. Kein Mensch regt sich auf, welche Summen in die Rüstung und ins Militär fließen. Deutschland sollte sich einmal anschauen, was die deutsche Wirtschaft an Milliarden aus Waffenexporten lukriert hat. Das ist halt das, was zurückkommt.

mokant.at: Was würden Sie ändern?
Svanlind: Wie viel Macht gestehen Sie mir zu? (lacht) Zauberstab wäre: Alle Waffen vernichten und jegliches Wissen um Waffen auflösen. Alle Diktatoren und alle, die eine entsprechend grausliche Seele haben, sollen sich in Asche und Rauch auflösen. Das kann man nur leider nicht machen. Aber man kann zumindest die Leute unterstützen, die den Mut haben, etwas dagegen zu unternehmen – und das sind die Flüchtlinge. Wir können alle noch teilen: Wenn du mehr hast, als du benötigst, baue einen längeren Tisch und nicht einen höheren Zaun.

Foto: (c) Markus FüxlJonas: „Es gibt einen Rückfall in nationale, patriotische Muster.“

mokant.at: Wie denkst du über die aktuelle Asylpolitik?
Jonas: Die aktuelle österreichische oder europäische Asylpolitik?

mokant.at: Beides.
Jonas: Sie ist katastrophal. Es gibt einen Rückfall in nationale, patriotische Muster, angefangen mehr und mehr in Osteuropa. In Polen, Tschechien und die Slowakei zeigen sich seitens der Regierung  total krasse Entwicklungen. Entlang der Balkanroute, angefangen von Österreich bis runter nach Mazedonien, schließen die Staaten ihre Grenzen und machen sich primär Gedanken darum, wie sie Obergrenzen einführen können.

In Österreich herrscht eine ganz krasse Situation, denn es wurde sogar eine Abschiebe-Untergrenze eingeführt – 50.000 Menschen bis 2017, wenn ich das richtig im Kopf habe. Was ich total krank finde. Meiner Meinung nach müssen alle asylpolitischen Überlegungen in die Richtungen gehen, wie man Menschen möglichst gut helfen kann, die vor Krieg und krisenhaften Lebensumständen fliehen. Wie kann man sie supporten? In Europa aufnehmen? Was muss die Gesellschaft tun, damit das gelingt? Das sind die Fragen, die man sich stellen muss – und nicht wie man sich weiter abschottet.

mokant.at: Was würdest du politisch ändern?
Jonas: Zunächst würde ich politische Maßnahmen gegen zwei große Probleme setzen (deutet auf sein Schild): Nationalismus und Rassismus, der immer lauter und deutlicher wird. Gerade in Österreich mit der FPÖ sogar im Parlament. Mit Identitären oder sonstigen Leuten auch außerhalb des Parlaments. Ich würde mich dieser Probleme annehmen und versuchen, bildungstechnische und gesellschaftspolitische Maßnahmen zu setzen – und sichere Fluchtwege zu schaffen. Es kann nicht sein, dass Leute in ein wackliges Boot steigen und dann nicht wissen, ob sie überhaupt ankommen. Es muss Möglichkeiten geben, in den Herkunftsregionen Asyl zu beantragen und die Leute dann hier her zu bringen. Aber um noch früher anzusetzen, wäre es auch entscheidend, die Fluchtursachen zu bekämpfen und Strukturaufbau in den Regionen zu betreiben.

Foto: (c) Markus FüxlLuca, 16: „Ich würde die Grenzen mal aufmachen“

mokant.at: Wie denkst du über die aktuelle Asylpolitik?
Luca: Ich find‘s ur arg, dass das hier passiert.  Weil wenn man denken würde, dass bei uns so etwas (Krieg, Anm.d.Red.) passiert und dann würde uns zum Beispiel Amerika nicht aufnehmen. Es ist wahnsinnig arg, dass jetzt die Grenzen geschlossen werden und dass niemand mehr reingelassen wird.

mokant.at: Was würdest du ändern?
Luca: Ich würde die Grenzen mal aufmachen. Ich hätte gern andere Menschen an der Macht, nicht mehr Faymann, sondern die Grünen oder ANDAS. Ich würde einfach offener mit der Situation umgehen und versuchen zu helfen. Weil Österreich eh so ein privilegiertes Land ist.

Foto: (c) Markus FüxlBorni: „Es geht nur darum, Leiber zu verwalten und auf einen Abstellplatz zu verfrachten.“

Borni: Ich glaube tatsächlich, dass besonders schlimm ist, dass Österreich die  – auf jeden Fall auch illegale – Obergrenze proklamiert hat und dann unter Ausschluss von Griechenland die Balkanroute geschlossen hat. Das hat den eh schon sehr stockenden Prozess, irgendwie eine Lösung in der EU zu finden, gegen die Wand gefahren. Ich glaube, es ist auch wichtig zu begreifen, dass es eigentlich eher eine Leibesverwaltung ist und es nicht wirklich um die Probleme an sich geht. Es wird nicht wirklich versucht, eine Lösung zu finden, sondern es geht nur darum, Leiber zu verwalten und auf einen Abstellplatz zu verfrachten, neuerdings die Türkei. Ich glaube, dass das Konzept von Anfang an nicht stimmen kann, weil es nicht darum geht, diese Leute zu beheimaten oder die Flucht an sich als Problem zu lösen, sondern es geht nur darum, diese Bewegung woanders hinzuleiten.

Frage der Woche von David Steiner und Markus Füxl

Titelbild und Fotos: (c) Markus Füxl


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1 Comment

  1. Ludwig von Leiner

    21. März 2016 at 14:17

    Fräulein Svanlind <3

    Traumhafter Kommentar!

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