Ehrenamtlich: Flüchtlingen eine Zukunft geben

Die Sprache des Landes sprechen, in dem sie jetzt wohnen, ist für viele Flüchtlinge der erste Schritt in ein besseres Leben. Doch Deutschkurse sind nicht billig. Die Grazer Drehscheibe Volksgarten schafft Perspektiven.

Graz – Pfarrhaus der Kreuzkirche. Die Luft ist von Stimmengewirr erfüllt, die verschiedenen Sprachen sind kaum auseinander zu halten. Auf dem Boden vor der Tür stehen dutzende Paar Schuhe; ihre Besitzer suchen drinnen gerade Plätze an Tischen oder am Boden. Wie jeden Montag und Mittwoch öffnet die Drehscheibe Volksgarten im Pfarrhaus der Grazer Kreuzkirche ihre Türen für Menschen, die Deutsch lernen wollen. Im vergangenen Jahr sind etwa 69.000 Asylanträge von Flüchtlingen in Österreich (BMI – Stand 2015) gestellt worden. Viele der Flüchtlinge wollen so schnell wie möglich die Sprache ihrer neuen Heimat erlernen. Die Drehscheibe Volksgarten trifft daher mit ihrem Angebot für kostenlosen Deutschunterricht den Nerv der Zeit. Zweimal die Woche treffen sich hier etwa 50-70 Schüler, um in der deutschen Sprache “alltagsfit” zu werden. Geleitet wird der Unterricht von ehrenamtlichen Helfern. Viele von Ihnen sind Lehramtsstudenten oder Germanisten von der Karl-Franzens-Uni Graz.

Mund-zu-Mund-Propaganda
Die Idee ist noch jung. Erst Mitte Mai wurde die Drehscheibe Volksgarten gegründet, unter anderem, um die jungen arbeitslosen Ausländer von der Straße und aus dem Volksgarten zu holen und Ihnen mit Jobvermittlung und sonstiger Hilfe den Weg ins österreichische Leben zu erleichtern. Denn zuletzt wurden die Bedenken der Anrainer rund um den Grazer Volksgarten immer lauter; der Park sei ein Treffpunkt für Drogendealer, man fühle sich nicht mehr sicher in der Nachbarschaft. Julia Kosmus und Fereydun Zahredi von der Drehscheibe bekamen Anfang Juli von der Kreuzkirche einige Räume im Pfarrhaus zur Verfügung gestellt. Seitdem finden regelmäßig Deutschkurse statt. Fereydun berichtet: “Am Anfang sind wir wirklich durch den Park gegangen und haben die Menschen angesprochen und über unsere Deutschkurse informiert. Schnell hat es sich dann aber herumgesprochen, dass es bei uns kostenlose Kurse gibt. Teilweise haben wir jetzt bis zu 100 Teilnehmer.” Viele der Lerner wohnen auch gar nicht direkt in Graz, sondern kommen aus der Grazer Umgebung. Sie leben oftmals schon mehrere Monate in Österreich, hatten aber in den eher kleineren Städten keine Möglichkeit, die Sprache systematisch zu erlernen. Kursteilnehmer Halim* erzählt halb deutsch, halb englisch: “Ich komme aus Afghanistan. Seit fünf Monaten wohne ich in Gratkorn bei Graz.” Für den Unterricht kommt er, wie viele andere, zweimal die Woche nach Graz. Auch Frauen finden sich in den Kursen. “Mittlerweile gibt es eine Gruppe von 10 – 20 Frauen, die regelmäßig zu unseren Kursen kommen”, sagt Fereydun.

* Name von der Redaktion geändert

Alphabetisierung als erster Schritt

Titelbild: (c) Laura Schilling


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