Reiseguide: Peking

Reisetipps für Peking: China verändert sich und mit ihm seine Hauptstadt.

China blickt auf eine bewegte Geschichte zurück – Kaiserzeit, Bürgerkrieg, Kommunismus. In den letzten 30 Jahren erlebte es ein rasantes Wirtschaftswachstum und hat im vergangenen Jahr Japan als zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt abgelöst. Dementsprechend groß waren auch die Veränderungen in Chinas Hauptstadt, dem kulturellen und politischen Zentrum des Landes. Peking lässt sich daher vereinfacht in drei Städte unterteilen: Das Peking der Kaiserzeit findet sich im Kaiserpalast, in kaiserlichen Altären und Tempeln, aber auch in den teils erhaltenen zentralen Stadtteilen mit kleinen Hofhäusern und schmalen Gassen. Das kommunistische Peking, das während der Regentschaft von Mao Zedong entstand, zeigt sich vor allem in Plattenbauten, die genauso gut in Moskau stehen könnten. Das moderne Peking spiegelt sich wortwörtlich in gläsernen Bürogebäuden, westlichen Hotelkomplexen und leuchtenden Einkaufsstraßen. Kurzum, es gibt viel zu entdecken und es ist für fast jeden Touristentypus etwas dabei.

Tipp 1: Raus aus den Federn!
Den „Damenspitz“ vom Vortag gemütlich bis 12 Uhr ausschlafen? Keine gute Idee in Peking, zumindest wenn Sightseeing am Plan steht. Dann lieber verkatert um spätestens 9 Uhr aus dem Bett. Der Grund dafür sind vor allem die Öffnungszeiten – kaum eine Sehenswürdigkeit hat länger als 16 Uhr geöffnet, letzter Einlass ist meist früher. Beispiele rund um den Tian’anmen-Platz: Die Volkskongresshalle mit ihren 9.700 Plätzen sperrt um 14 Uhr, das gegenüberliegende Nationalmuseum, eines der größten der Welt, um 15:30 und das Mao-Mausoleum an manchen Tagen gar um 11:30 Uhr. Der Kaiserpalast, die „verbotene Stadt“, hat im Sommer zwar bis 17 Uhr geöffnet, empfehlenswert ist es aber trotzdem so früh wie möglich zu kommen. Einerseits wird es später sehr voll und andererseits kann eine genauere Besichtigung einen ganzen Tag in Anspruch nehmen. Ersteres gilt für fast alle zum Standardprogramm gehörigen Sehenswürdigkeiten, wie zum Beispiel auch für das Lamakloster mit dem größten Buddhatempel der Stadt.

Tipp 2: Das richtige Fortbewegungsmittel wählen
Die Distanzen in Peking sind groß, sehr groß. Selbst im Zentrum kann nicht alles zu Fuß erreicht werden. Sportliche und an den Verkehr einer Metropole gewöhnte Touristen können sich ein Fahrrad mieten, fast überall findet sich ein Radweg oder wenigstens ein breiter Radstreifen. Auch wenn die U-Bahn in der Rush-Hour oft überfüllt ist, ist sie dennoch das verlässlichste Verkehrsmittel, da Taxis zu dieser Zeit hoffnungslos im Stau stecken. Das U-Bahnnetz ist relativ gut ausgebaut, nichts desto trotz werden überall in der Stadt weitere Stationen und Linien gebaut. Die U-Bahn sperrt abends allerdings leider schon zwischen 10:30 und 11:30 Uhr. Eine Fahrt kostet umgerechnet gut 20 Cent. Auch Taxis sind für europäische Verhältnisse extrem billig – gut einen Euro für die ersten vier Kilometer und gut 20 Cent für jeden weiteren. Manchmal kann es allerdings dauern bis man eines bekommt. Nicht vergessen darf man den chinesischen Namen der Destination oder wenigstens eine Karte mit chinesischen Straßenbezeichnungen, sonst wird die Kommunikation schwierig, da die meisten Taxifahrer kein Wort Englisch sprechen.

Tipp 3: Ab ins Grüne!
Auch wenn Peking auf den ersten Blick nicht wie eine grüne Oase aussieht, so gibt es doch einige schöne und weitläufige Parkanlagen, für die meist eine niedrige Eintrittsgebühr zu zahlen ist. Hervorzuheben sind der „Behai“-Park rund um den „Behai“-See im Zentrum, der Kohlehügel mit Ausblick auf den Kaiserpalast und der Park des Himmelstempels südlich des Zentrums. Etwas mehr Zeit einplanen sollte man für den Sommerpalast im Norden der Stadt. Für alle gilt: Der optimale Zeitpunkt für einen Parkbesuch ist ein Tag nach einem Regentag, für 24 Stunden kann man dann den seltenen blauen Himmel genießen, dann wird die Stadt wieder vom Smog bedeckt.

Tipp 4: Paradies für Shopaholics
Peking hat eine extreme Dichte an Luxusläden, die sonst wohl nur in New York zu finden ist. Das ist aber längst nicht alles. An der größten Shoppingstraße der Stadt, der „Wangfujing“, sind, neben Menschenmassen und leuchtenden Reklametafeln, vor allem Niederlassungen westlicher und chinesischer Ketten zu finden. In einer Quergasse lassen sich am Nachtmarkt Insekten und Skorpione in allen Größen probieren. Etwas gemütlicher geht es auf auf der „Qianmen Dajie“ zu, eine kürzlich restaurierte Fußgängerzone südlich vom Tian‘anmen Platz wegführend. Natürlich dürfen aber auch die Schwarzmärkte nicht fehlen, zum Beispiel der „Xiushui“- und der etwas kleinere „Yashow“-Markt. Hier gibt es fast alles, das gefälscht werden kann – Markenkleidung, Sonnenbrillen, Uhren, Schmuck und Elektronikware. Verhandeln nicht vergessen, der Startpreis ist oft ein Vielfaches des eigentlichen Werts. Flohmarktfans kommen auch nicht zu kurz, südöstlich des Zentrums erstreckt sich der „Panjiayuan“-Markt über fast 50.000 m2 – vor allem am Wochenende zu empfehlen.

Tipp 5: Sich durch die chinesische Küche kosten
In China bestellt eine Person für den ganzen Tisch und die Gerichte werden in der Mitte des Tisches platziert. Das heißt je größer die Gruppe, desto mehr kann man kosten und desto größer die Risikostreuung, da ab und zu auch immer etwas dabei sein kann, das für den europäischen Gaumen zumindest ungewöhnlich ist. Der Nachteil einer größeren Gruppe ist allerdings, dass das Geldeinsammeln etwas länger dauern kann, da die Person, die bestellt hat, auch zahlen muss. Jegliche Versuche die Rechnung zu splitten, sind – trotz Chinesisch-Kenntnissen – meist ohne Chance auf Verwirklichung. Die Pekingente ist natürlich Pflicht bei jedem Pekingbesuch, in den meisten darauf spezialisierten Restaurants sollte man einen Tisch reservieren.

Tipp 6: Pekinger Nachtleben erkunden
So abwechslungsreich wie die Stadt selbst, ist auch das Nachtleben. Wer gemütlich auf ein chinesisches Bier oder einen Cocktail gehen will, ist entweder in der „Houhai“-Gegend rund um den „Qianhai“- und „Houhai“-See oder auf der „Bar-Street“ in „Sanli Tun“ gut aufgehoben. Größere Clubs sind vor allem rund um das Arbeiterstadion zu finden. Im Studentenviertel „Haidian“, wo sich die größten Pekinger Universitäten befinden, findet man preiswerte Bars und gemütliche Clubs.

Tipp 7: Olympia-Flair aufsaugen
Auch wenn die olympischen Spiele bereits drei Jahre Geschichte sind, hat sich Peking noch nicht ganz davon verabschiedet. Überall leuchten einem die fünf Ringe entgegen. Bei Sportbegeisterten steht der Olympiapark ohnedies weit oben auf der to-see-Liste. Sowohl das Olympiastadion – aufgrund der Außenkonstruktion „Vogelnest“ genannt – sowie der „Wasserwürfel“ – das Schwimmstadion – können innen besichtigt werden. Auf riesigen Leinwänden erinnern Videos an 2008. Auch Nicht-Sportfans können getrost mitkommen, da der Olympiapark mit seiner großen Grünanlage im Norden sowie einer künstlichen Wasseranlage zum Verweilen einlädt. Die Schattenseite dessen: Da der Olympia-Boulevard genau auf der historischen Nord-Süd-Achse der Stadt verläuft, mussten für das Mammut-Projekt etwa 1,5 Millionen Menschen zwangsumgesiedelt werden.

Tipp 8: Raus aus der Stadt!
Nördlich der Stadt befindet sich ein großes Bergland, das zu Ausflügen einlädt. Dort befindet sich auch die zum Pflichtprogramm für jeden Peking-Reisenden gehörende chinesische Mauer. Zu empfehlen ist der Abschnitt bei „Mutianyu“, da er nicht ganz so von Touristen überlaufen ist wie der Abschnitt „Badaling“ und landschaftlich mehr zu bieten hat. Oft verdeckt einem allerdings der Nebel die schöne Aussicht, deshalb vorher über die Wetterlage informieren. Der Ausflug zur großen Mauer lässt sich gut mit einem Besuch der Ming-Gräber oder der „Duftberge“ verbinden.

Drei Insider-Tipps:
1.
In einem kleinen Courtyard-Hotel im zentralen Hutong-Viertel wohnen. Der Aufenthalt wird dadurch um einiges „chinesischer“ als wenn du dich in einem westlichen Hotelkomplex niederlässt.

2. Ein Semester Chinesisch belegen. Die Straßenbezeichnungen und U-Bahn-Ansagen sind spätestens seit Olympia zwar auch auf Englisch, um in Restaurants abseits der Touristenhotspots zu wissen was du bestellst oder um mit dem Taxi-Fahrer zu kommunizieren, können ein paar Brocken Chinesisch sehr hilfreich sein.

3. Mit einem VPN-Server lässt sich die chinesische Firewall einfach umgehen und man entgeht einer Radikalabgewöhnungskur von Seiten wie „Facebook“. Die meisten Universitäten bieten einen VPN-Zugang (freilich aus anderen Gründen), es gibt aber auch günstige Anbieter im Internet.

Was du auf keinen Fall machen solltest:
1.
Ohne Visitenkarte deines Hotels außer Haus gehen, wenn du mit einem Taxi heimfahren willst/musst. Wenn du nicht fließend Chinesisch sprichst, wirst du das Hotel sonst so schnell nicht wiedersehen.

2. Trinkgeld im Restaurant geben. Ist in China äußerst unhöflich, da du damit in etwa ausdrückst, dass das Personal auf Almosen angewiesen ist, weil es den Job so schlecht macht. An ausländische Sitten soll man sich schließlich halten.

3. Bart tragen. Ist in China unbeliebt und gilt als unhygienisch, auch wenn die Chinesen tief im Inneren wohl nur neidisch sind. Nichts desto trotz kommt es auch bei chinesischen Frauen nicht allzu gut an.

Titelbild: (c) Christian Strobl


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Christian Strobl studiert in Wien Volkswirtschaft und internationale Betriebswirtschaft. Er ist als außerordentlicher Redakteur für mokant.at tätig. Kontakt: christian.strobl[at]mokant.at

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