KopfhörerInnen: The Informal Thief

The Informal Thief- The Informal Thief
(VÖ: 26.02.2016 / Tuco Music)

(c) The Informal Thief

(c) The Informal Thief

Lukas Klestil, bekannt als The Informal Thief, produziert – trotz rauchig rauer Stimme – weiche, von umgestimmter Gitarre untermalte, Folk-Stücke. Wir haben in sein neues Album reingelauscht.
Holz, das im Kamin knistert. Spaziergänge durch Fichtenwälder. Nebelschwaden, die Felswände entlang kriechen. Alles Bilder, die vor dem geistigen Auge auftauchen. Der Thief hat in seiner Instrumentenkiste gekramt und für sein Debut-Album zwar auf Bandkollegen, aber nicht auf Stimmung verzichtet.

Melancholie und Kitsch
Munter startet das Album mit The Fox’s Den und der poetische Titel hält was er verspricht. Dennoch kommt auch bei der ersten Single des Albums die Melancholie, die zur Grundausstattung des Innsbruckers gehört, nicht zu kurz. Bei Zeilen wie desperate times call for desperate measures denkt man an düstere Figuren aus einem Coen-Brüder Film, jedoch kaum an einen 21-jährigen Fotografie-Studenten. Gleich folkig, aber weniger schwermütig geht es weiter und der Thief beweist, dass er nicht nur rauchig singen, sondern auch smoky Gitarren spielen kann. Manche Lieder kratzen dann auch beinah schon an Romantik, so wie das fünfte Lied des Albums I hear your river flow. Kaum verwunderlich, glaubt man der Aussage des Musikers, einen Faible für Kitsch zu haben.

Authentizität und Kopie
„…and will never force me to be someone that I’m not“ singt er und man kauft ihm die Authentizität ab, obwohl die Einflüsse auf seine Musik klar auf der Hand liegen. Größen wie Bob Dylan kommen einem in den Kopf, aber viel mehr Ähnlichkeit besteht mit dem schwedischen Folk-Sänger Kristian Matssen, besser bekannt als The Tallest Man on Earth. Auch in seinem ersten Musikvideo zu The Fox’s Den (das es ab Freitag zu sehen gibt) kann man sehen, dass sich der Thief auch was Körperhaltung und Spielstil angeht, gerne an seinem skandinavischen Vorbild orientiert. Im Video, produziert vom Kunstatelier Agathe Bauer, klettert er gekonnt mit einer Gitarre am Rücken Tiroler Berghänge hinauf. Er weiß woher er kommt, und versucht es auch nicht zu verstecken. Auch die markanten, schönen Nahaufnahmen, wie sie auch schon im Teaser zu sehen sind bleiben im Kopf. Kleiner Tipp: Alles in HD ansehen!

Heimweh und Fernweh
Die Alpen sitzen tief in seinen Liedern und man fragt sich, ob er Heimweh hat nach den Bergen. Oder doch eher Fernweh nach dem hohen Norden? Man ist überrascht, wenn das Album plötzlich endet und die gemütlich träumerische Lautuntermalung stoppt. Es endet mit Zeilen wie „I got no empathy for my current and no repentance for my past“, womit der Thief mysteriös bleibt. Spiegelt seine Melancholie wirklich seine Lebenseinstellung wider, oder ist sie im Zuge seiner In-Folk-isierung geschehen? Egal, es passt zusammen. Ob das nächste Album dann mit Band sein wird? Er muss sich jedenfalls auch solo nicht verstecken.
Alles in allem ist das Debut-Album sehr rund gewunden und hat das Potential zur Hintergrundmusik-Dauerschleife. Außer man fühlt sich grad alleine und in der Stadt eingesperrt – dann eignet sich etwas anderes wohl besser als der recht düstere Melancho-Folk.

Hier reinhören

Titelbild: (c) Marlene Mautner/ Atelier Agathe Bauer


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Kathi hat Biologie und Kultur- und Sozialanthropologie studiert. Sie findet, dass die Kombination hilfreich ist, um sich professionell über die Menschheit zu wundern.

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